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Kiel Lena und Johannes Oerding im Regen
Kiel Lena und Johannes Oerding im Regen
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13:34 29.06.2015
Von Kai-Peter Boysen
 Lenas Auftritt auf der NDR-Bühne dauerte nur eine halbe Stunde. Quelle: Frank Peter
Kiel

„Oh mein Gott, hallo Kiel!“, so begrüßt Lena das Publikum. Egal, ob wegen des Wetters oder der Kulisse, der Popstar, der mit Band für einen Kurzauftritt gekommen ist, um sein neues Album „Crystal Sky“ vorzustellen, ist beeindruckt. Und nicht eben wasserscheu, denn den Großteil ihres Auftritts absolviert Lena hochhackig und im kurzen Kleidchen auf dem Laufsteg unter freiem Himmel.

Die Elektronik bestimmt jetzt Lenas Popwelt, ihr Einstiegssong „Beat To My Melody“ wartet mit Synthietönen, -streichern und Stimmmodulationen auf, ist ebenso gefällig wie „Lifeline“ oder „Keep On Living“. Ein paar Piano-Akkorde hier, ein paar Chöre, „Aaahs“ und „Yeahs“ dort, das Ganze mit einem düster-melancholischen Schleier überzogen; ein zeitgemäßer Sound.

Stimmlich noch nie eine Gigantin, muss sich Lena zu Beginn über einige Hürden quälen und erhält Unterstützung von Kat Vinter, mit der sie zur Akustikgitarre eine überraschende Version ihres Hits „Satellite“ auf die nassen Bretter legt. Die fröhlich trällernde Bundes-Lena, die den ESC mit diesem Titel gewann, ist Geschichte, auch wenn ihre aktuelle Single „Traffic Lights“ sphärisch angehaucht mit eingängigem Refrain nach vorn drängt. „Danke und kommt gut nach Hause“ wünscht Lena nach einer guten halben Stunde und macht Platz für Johannes Oerding, der aktuell mit „Alles brennt“ auf allen Kanälen zu hören ist und eine großartige Show hinlegt.

Johannes Oerding steckt Publikum an

„Es regnet und der ganze Platz ist voll. Das ist Kiel!“, stellt der Sänger treffend fest. Trotz einer Fuß(ball)verletzung, nimmt er die Herausforderung an und legt erstklassige Entertainerqualitäten an den Tag. Schnell ist das Wetter vergessen, alles klatscht und singt mit, lässt sich anstecken von diesem Typen, der einfach echt ist. Balladen wie „Diese Nacht gehört uns“ gehen im selben Maße zu Herzen wie augenzwinkernde Songs vom Schlage des soulgetränkten „Nie wieder Alkohol“ oder „Morgen“ zum Schmunzeln anregen.

Seiner fantastischen Band lässt Johannes Oerding viel Raum zur Entfaltung, Drummer „Sissi“ Göttinger legt ein fulminantes Solo hin, es funkt und groovt an allen Ecken, auch Platz für Zitate wie „Hit The Road Jack“, „Rehab“ oder Blurs „Song 2“ ist da. Und wenn schon Publikumsnähe, dann richtig: Auf den Schultern eines Sicherheitsmannes lässt sich Oerding unter die Fans tragen und bringt alle dazu, sich hinzuhocken, um bei vier mit allen schreiend aufzuspringen. Da hat es bereits aufgehört zu regnen und zu „Heimat“ wogt ein Lichtermeer aus kleinen Fingerlampen, die vorher verteilt wurden (Viva Plastikmüll!) über den Ostseekai. Johannes Oerding genießt es, „weil es sich in Kiel immer wie ein Stück Heimat anfühlt“. Und Zweifel am Wahrheitsgehalt solcher Schmusekurse hat der Regen längst weggespült. Ein würdiger Abschluss der Kieler Woche. kpb

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