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Kiel Seifenkisten sausen die Bergstraße hinab
Kiel Seifenkisten sausen die Bergstraße hinab
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20:10 30.06.2019
Von Gunnar Müller
Alter Hase: Lucie Fischer (9) fuhr zur Kieler Woche 2019 mit der Oldtimer-Seifenkiste die Bergstraße hinunter. Mit ihr war sie bereits 2018 am Start. Quelle: Frank Peter
Kiel

„Ich fand das mega!“, sagte Philipp Dornberger nach seiner Fahrt und strahlte dabei über beide Wangen. „Für mich ist das ein totaler Kindheitstraum.“ Und obwohl Ernst deutlich vor ihm über die Ziellinie kam, habe man sich auf ein Unentschieden geeinigt. „Es ist ein wahnsinnig toller Programmpunkt für Kinder“, so Dornberger.

Und auch ein inklusiver, fand Nesimi Temel, SPD-Ratsherr und migrationspolitischer Sprecher. „Wir sind mit sieben Kindern vom Ostufer hier.“ Die mischten sich in die Reihen der anderen Rennpiloten. Immer zwei Seifenkisten traten parallel – in drei unterschiedlichen Rennklassen – gegeneinander an. Einmal von „Steuerbord“, einmal von „Backbord“ von der im vergangenen Jahr neu angeschafften Startrampe.

Seifenkisten-Pilotin mit Erfahrung

Bereits zum zweiten Mal dabei war Lucie Fischer. Ganz lässig wie ein alter Hase ließ sich die Neunjährige von ihrem Vater Sebastian auf die Startrampe schieben und zurrte ihren Fahrradhelm fest. Den dunkelgrünen Oldtimer – Original Triumph-Lenkrad und Mercedes-Bremsen – hatte Sebastian Fischer bereits vor einigen Jahren selbst zusammengeschraubt: „Der war mal für meinen Patensohn gedacht.“ Und dieser nannte die Kiste wegen der Lampen „Marvin“, nach dem depressiven Roboter aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Inzwischen aber trainiere Lucie immer wieder mit der Seifenkiste auf einem Hügel in der Nähe ihres Elternhauses, oft auch mit Freundinnen.

Manöverkritik nach der ersten Fahrt: „Nächstes Mal bremse ich erst nach dem Ziel“, so Lucie. Auch das Lenken in den Kurven wolle sie noch ein bisschen nachjustieren. Für das Rennen im kommenden Jahr überlegt Vater Sebastian, etwas Neues zu basteln.

Seifenkiste als windschnittige Bombe

Aber wohl weniger martialisch als Daniel Jung: Der baute im vergangenen halben Jahr aus zwei alten Ölfässern eine windschnittige Bombe. „Mir war im Winter langweilig, und da fing ich an zu basteln“, so der 43-Jährige. Zuerst sollte so ein U-Boot entstehen, aber im Prozess entwickelte sich dann „Rocket“: eine olivgrün-lackierte Bombe, die vorne – in Anlehnung an die US-Serie „Trio mit vier Fäusten“ – ein bissig-aggressiver Mund schmückt.

„Das war schon sehr geil“, so Jung nach seiner Jungfernfahrt: „Ich habe schon ein bisschen Angst gehabt, dass das zu schwer werden könnte.“ Allein die ehemaligen Fässer bringen 100 Kilogramm auf die Waage. Im kommenden Jahr will er mit einer neuen Konstruktion antreten.

Ziel des Seifenkisten-Rennens zur Kieler Woche 2019

Vor allem Kinder könnten aus den Seifenkistenrennen, wenn ihnen Hunderte Besucher an der Straße zujubeln, Selbstbewusstsein schöpfen, findet Nesimi Temel. „Und letztlich geht es hier um den olympischen Gedanken“, sagte Sebastian Fischer: Mitfahren und heil ins Ziel kommen.

Lesen Sie auch: So wird eine Seifenkiste gebaut

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