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Kiel Die Geheimnisse der neuen Pfandbecher
Kiel Die Geheimnisse der neuen Pfandbecher
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14:08 22.06.2019
Von Jürgen Küppers
Ruhe vor dem Bechersturm: Michael Andresen betreibt die Monster-Spülstation für Kieler-Woche-Becher nicht nur, er hat sie auch erfunden - und sich patentieren lassen. Ab Sonnabend muss die Maschine beweisen, ob sie genug Power hat für die rund eine Million neuer Pfandbecher, die auf dem Wilhelmplatz gereinigt werden müssen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Maschine in dem riesigen Truck-Anhänger ist stattlich: 13,60 Meter lang kann sie pro Stunde mit 105 Litern Wasser rund 6200 schmutzige Kunststoffbecher säubern. Ab Sonnabend wird sie ihre Leistungsfähigkeit beweisen. Schließlich müssen die in diesem Jahr erstmals eingesetzten rund eine Million Pfandbecher gespült, getrocknet, gelagert und in ausreichender Zahl rechtzeitig den Standbetreibern zur Verfügung stehen.

Angesichts dieser Pfandsystem-Premiere mit ihren gewaltigen Ausmaßen müsste der Puls von Michael Andresen so kurz vor dem Kieler-Woche-Start eigentlich spürbar nach oben gehen. Anmerken kann man das dem Erfinder und Betreiber der Becher-Waschanlage allerdings nicht.

Die Spülstraße ist patentrechtlich geschützt

„Wird schon alles klappen“, sagt er gelassen, verweist auf 30 Jahre Großveranstaltungs-Erfahrung mit seiner Firma (unter anderen Wacken-Open-Air) und nimmt sich mitten in der Aufbauphase seiner Spülstation sogar noch Zeit, seine patentrechtlich geschützte Erfindung zu erläutern.

Mehr Daten und Fakten zur Spülstraße

  • Seit 2006 patentrechtlich geschützt
  • Erfinder: Firmenchef von Cup&More, Oliver Mees
  • Leistungsfähigkeit: bis zu 150 000 Becher können in 24 Stunden gereinigt werden (oder rund 6200 in der Stunde)
  • Reinigungs-/Trocknungszeit pro Becher: rund 2 Minuten in drei Spülgängen (65, 70, 58 Grad)
  • Wasserverbrauch: rund 3,5 Liter pro Minute
  • Becher laufen gleichzeitig in acht Schächten durch die Anlage
  • Rund 1 Million Becher sind bei der Kieler Woche 2019 im Umlauf

Insgesamt drei Jahre habe er an der Spülstraße gefeilt, bis alles stimmte: von den drei Waschgängen (65, 70, 85 Grad) über die Reduzierung des Wasserverbrauch (3,5 Liter pro Minute) bis hin zur chemischen Zusammensetzung des auf Becherreinigung spezialisierten Spülmittels.

Was man über die neuen Kieler-Woche-Becher wissen sollte

Aber so richtig in Fahrt kommt der Gründer seiner Firma „Cup&More“ mit Sitz in Bad Segeberg, wenn er die „Geheimnisse“ der Pfandbecher lüftet – die natürlich ebenfalls nach seinen Vorgaben von einem deutschen Hersteller immer weiter optimiert wurden, um folgende Qualitätsmerkmale zu erreichen.

Trinkgenuss: Superglatte Oberflächen führten zum Vorteil, dass Bier länger frisch bleibe, weil sich fast keine Kohlensäurebläschen an den Innenwänden bilden könnten. Außerdem hafteten die Becher kaum aneinander, wenn die Gastronomen sie schnell vom Stapel abziehen müssten.

Haltbarkeit: Bis zum 500 Reinigungsgänge könnten die Becher problemlos hinter sich bringen, ohne Schaden zu nehmen. Sie sind zwar vergleichsweise dünn (Platz sparende Lagerung), dafür aber extrem flexibel und splitterten nur unter extremster Belastung (Fußtritt). Die Frage nach der Kunststoffzusammensetzung verrät Andresen ebenso wenig wie die nach den Produktionskosten pro Becher: „Ist Betriebsgeheimnis“.

Aussehen: Die Becher gibt es in verschiedenen Variationen des aktuellen Kieler-Woche-Siegerentwurfs. Dass sich die Motive durch häufiges Spülen weder ablösen noch verblassen, hat mit dem Spezialdruckverfahren In-Mould-Labeling zu tun. Dabei wird eine bedruckte Spezialfolie zwischen Innen- und Außenseite des Bechers aufgelegt. So sollen nicht nur die Farben frisch bleiben, auf diese Weise lassen sich Becher auch mit filigranen Motiven bedrucken.

So funktioniert das neue Kieler-Woche-Pfandsystem

Standbetreiber gehen mit zwei Euro Pfand pro Becher zunächst in Vorleistung, bekommen das Geld bei Rückgabe an die Spülstation aber wieder. Zudem zahlen sie acht Cent pro Becher Miet- und Spülpreis. Welcher Standbetreiber wann wie viele Becher in Gebrauch hat, zeigen Scannercodes an ausgelieferten Becherkisten. Die Daten werden per Computer erfasst.

Besucher können die Becher (zwei Euro Pfand) an allen Kieler-Woche-Getränkeständen zurückgeben – oder als Souvenir behalten. Was an Bechern übrig bleibt, wird bei der nächsten Kieler Woche wieder eingesetzt. Hinzu kommen dann neue Becher in aktuellem Kieler-Woche-Design. Dieses Prinzip gilt auch für die kommenden Jahre.

Aus Frust entstand eine blitzblanke Geschäftsidee

Schon lange Jahre zurück liegt hingegen der kuriose Start des Unternehmens Cup&More, als Michael Andresen noch Kreisvorsitzender der Segeberger Landjugend war. Und ihm nach großen Landjugendfesten eine unangenehme Aufgabe zufiel: mit seinen Kumpels am nächsten Morgen tausende Plastikbecher aus den Vorgärten zu ziehen. Also ersann der gelernte Elektro-Installateur seine erste Monster-Spülmaschine - damals aber noch für Gläser.

Mehr Artikel zur Kieler Woche 2019 finden Sie auf unserer Themenseite.

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