Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Kieler Woche I: Wer vermisst ein volles Bierfass?
Kiel Kieler Woche I: Wer vermisst ein volles Bierfass?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 24.06.2009
Kiel

Es ist acht Uhr, auf der Kiellinie beginnen gerade die ersten Standbetreiber mit den Vorbereitungen für den Tag, da verlässt die „Schiermoker II“ ihren Liegeplatz im Tirpitzhafen. Der Kurs ist klar: Immer nah am Ufer entlang in Richtung Innenstadt - viele Worte müssen die Müllfischer auf Zeit darüber nicht verlieren. Obwohl sie sich gerade erst kennen gelernt haben, sind sie ein eingespieltes Team, wissen, was zu tun ist. Heiko Lutz ist sonst Sperrmüllfahrer in Kiel und hantiert geschickt mit Kescher und Bootshaken. Heiko Schildt ist Bankkaufmann in Güstrow. Weil er zudem Bootsführer beim Technischen Hilfswerk (THW) ist und die Kieler THW-Bootsführer mit Sicherungsaufgaben betraut wurden, ist er kurzfristig angefordert worden, um die „Schiermoker II“ zu steuern. Denn das Boot ist eigentlich ein THW-Ponton, eine Arbeitsplattform aus Aluminium mit einem 75-PS-Heckmotor, und eigens mit sechs Mülltonnen für den Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) versehen.So schiebt sich die „Schiermoker II“ langsam vorbei an den Stegen. „Guten Appetit“ ruft Heiko Lutz der beim Frühstück an Deck sitzenden Crew des kleinen Segelbootes „Ellide“ zu. Dann macht er weiter, sammelt mit dem Kescher Dosen, Flaschen, Plastikbecher, Pappen und Tüten ein, sortiert sie an Bord in die verschiedenen Tonnen. Nach dem Wochenende waren vier Mülltonnen randvoll, an Wochentagen sind es in der Regel zwei. „Manchmal“, wundert sich Heiko Lutz, „sind halb volle Flaschen mit gutem Schnaps dabei.“ Einen Festzelt-Tisch habe die Männer schon aus der Hörn gezogen, ein Hinweisschild „Matjes und mehr - hier geht's zum Fisch“ lag im flachen Wasser auf Grund, ist aber beim Einholen wieder aus dem Kescher gerutscht und unter einen Steg geglitten. „Na ja“, sagt Heiko Lutz, „da schicken wir unsere Taucher.“ Und lacht vergnügt über seinen Witz.Kurz darauf kommt er ins Schwitzen. Ein Mann vom Sicherheitsdienst ruft vom Ufer aus: „Kommt doch mal her, da unten liegt ein Bierfass!“ Direkt an der Uferkante schimmert es aus etwa 1,50 Meter Tiefe im Sonnenlicht. Mit dem Bootshaken und vereinten Kräften gelingt es, das 50-Liter-Fass an Bord zu hieven. Es ist voll. „Das gibt 'ne Party!“, scherzt ein Schaulustiger. „Nee, das trinken wir zu zweit den Tag über weg“, scherzt Heiko Lutz zurück. Und fügt ernsthaft hinzu: „Wer das Fass vermisst, kann sich gern bei uns melden.“Bis Montag wird die „Schiermoker II“ noch ihren Dienst verrichten - vormittags am Westufer, nachmittags am Ostufer. Danach kommen Werbung ab und Mülltonnen runter, und sie ist wieder ein ganz normaler THW-Ponton - vielleicht bis zur nächsten Kieler Woche.Oder auch nicht. Denn es gibt sie noch, die „Schiermoker Kiel“, ein abgedichteter Bauschuttcontainer des Abfallwirtschaftsbetriebes mit einem 30-PS-Außenborder. Der urige Kahn hatte schon Kultstatus erreicht, doch im vergangenen Jahr bekam er keine Zulassung mehr und steht jetzt in einer Halle. „Schade“, findet Heiko Lutz und hofft: „Vielleicht bekommen wir sie ja im nächsten Jahr wieder.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kiel Nach der Sanierung lasten nicht nur hohe Schulden auf dem Schiff - Gemischte Gefühle auf der „Thor Heyerdahl“

Das war kein gewöhnlicher Törn, wie er sonst zur Kieler Woche üblich ist. Einerseits herrschte an Bord der „Thor Heyerdahl“ Freude über den Abschluss der Totalsanierung des Dreimast-Toppsegelschoners.

24.06.2009
Kiel Mit der NDR-Bühne ist auch der Trubel in Richtung Norden umgezogen - Kieler Woche II: Am Sporthafen spielt jetzt die Musik

Das Flair könnte gegensätzlicher kaum sein: Voriges Jahr zogen Tausende Besucher vor die NDR-Bühne am Ostseekai - es herrschte eine maritime Festival-Atmosphäre. Dieses Jahr gleicht der Parkplatz einer Betonbrache. Die einzige „Attraktion“: der Info-Bus des Deutschen Bundestages. Wie kommt der Umzug der NDR-Bühne an den Sporthafen Düsternbrook bei Besuchern, Kleinkünstlern und Budenbetreibern an?

24.06.2009

Ein Taxifahrer ist in der Nacht zu Mittwoch in Mettenhof von zwei Fahrgästen bedroht und ausgeraubt worden. Die Männer waren gegen 2 Uhr am Taxikreisel vor dem Hauptbahnhof in das Taxi gestiegen und wollten in die Hofholzallee.

24.06.2009