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Kiel Wolf Maahn überzeugt als Liveinterpret
Kiel Wolf Maahn überzeugt als Liveinterpret
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00:32 27.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Den Ruf, ein brillanter Liveinterpret zu sein, hat sich Wolf Maahn in über 30 Jahren und mehr als 1200 Konzerten redlich erarbeitet. Quelle: kpb
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Kiel

Beim Betreten des Musikzeltes kommt die Befürchtung auf, der nächste halbgare Auftritt des WM-Gastgebers könnte das Konzert zu einer sehr privaten Angelegenheit werden lassen. Doch kaum ist der Name Wolf Maahn ausgesprochen, strömen die Interessierten von allen Seiten herbei, und das liegt sicher nicht am zu Beginn noch leichten Nieselregen.

Der lange Kerl mit fröhlichen Falten, die Haare irgendwie mit einem Tuch gebändigt, greift lässig zur Stratocaster und lässt das knackige Riff zu „Irgendwo in Deutschland“ ertönen. Dann steigt seine Band wuchtig mit ein und auf geht`s durch eine atmosphärische Werkschau, bei der jeder Zuschauer seinen ganz persönlichen Favoriten zu haben scheint. Da werden Fäuste geballt und „Jaa!“ gejubelt, als Maahn „Suchender“ vom 89er-Album „Was?“ anspielt und mit „Stunde um Stunde“ gleich noch einen Titel nachlegt. Freundlich lächelnd schaut der Altmeister ins Rund, wiegt sich im Rhythmus, legt eine Pirouette ein, groovt sich und seine Mitspieler ein. „Ich bin ein alter Mann, irgendwo zwischen Demut und Größenwahn“, singt der Wolf mit der kratzig-warmen Stimme in „Vereinigte Staaten“, und in diesem Spannungsfeld blüht dieser Mann auf. In dem Song geht es weniger um Amerika als vielmehr um gemeinsames Handeln. Das machen Maahn und Band exzellent vor, insbesondere Gitarrist Roger Schaffrath legt ein wunderbares Solo nach dem anderen hin. Mit kernigem Telecaster-Sound, Feeling, Virtuosität und gekonntem Wah-Wah-Einsatz drückt er vielen Songs seinen Stempel auf.

Doch auch die übrigen Musiker stehen dem in nichts nach, kreieren einen faszinierenden orientalischen Spirit bei „Unter einem großen Himmel“. Da steigt die Sternendecke des Zeltes ins Unendliche, wenn zu Bongotrommeln, flüsterndem Schlagzeug, viel Hall auf den Gitarren, Maahns langgezogene Rufe erschallen.

„Es ist schön hier mit euch, es macht mir Spa-haß“, verkündet der Kölner, der schon mit Bob Dylan und Fleetwood Mac auf der Bühne stand. Fans und Neugierige singen begeistert mit, sei es die Ballade „Ich wart auf dich“, das brillant arrangierte „Rosen im Asphalt“ oder der Hit „Fieber“ („Gib mir das Fieber zurück, das alte Fieber zurück“). Steckt an und braucht Zugaben wie „Freie Welt“, ein klares, unprätentiöses Bekenntnis zur Freiheit, klingt nach Rückgrat statt Stock im Arsch. Nach „Wunder dieser Zeit“ geht man hinaus in den Regen, aber das ist irgendwie egal, ist ja nur Regen.