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Kiel Picknick aus dem Rucksack
Kiel Picknick aus dem Rucksack
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22:00 25.06.2014
Von Thomas Paterjey
Zu naschen und zu trinken haben diese Mütter für ihre Kinder dabei: Anja Barth mit Mia, Carola Kaiser mit Liv, Cathrin Wilkesmann mit Carl und Wiebke Wurm mit Momme sind auf der Krusenkoppel unterwegs. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Auf der Hörnbrücke herrscht dichtes Gedränge. Immer mehr Besucher zieht es herüber auf das Ostufer. Am Becken des Germaniahafens lässt es sich aushalten. Während die Sonne immer mal wieder durch die Wolken bricht, schauen die beiden Schülerinnen Stella Goudschaal (16) und Caroline Neite (17) Gleichaltrigen dabei zu, wie sie teilweise waghalsig mit Fahrrädern eine Rampe herunter ins Wasser schießen. Proviant haben sie ausreichend in ihren Taschen dabei: belegte Brötchen, Gurken-Streifen mit Frischkäse-Dip sowie leckere Erdbeeren. „Das Essen auf der Kieler Woche ist so ungesund“, bemängelt Caro. „Das ist fast immer nur Fastfood.“ Fettig, mit Farb- und Konservierungsstoffen, teuer. Da bringe sie sich lieber selbst etwas mit, das ihr schmecke.

 Und noch ein weiteres Argument spricht für das Eigen-Catering, wie Stella ergänzt: „Ich bin nach der Kieler Woche jedes Jahr komplett pleite.“ Schon deshalb ist ein gut überlegter Einsatz der knappen finanziellen Ressourcen unumgänglich: „Wenn man Essen von zu Hause mitnimmt, dann zahlen es die Eltern“ – und schmälert so nicht das eigene Taschengeld. Die Euro kann sie stattdessen in andere Dinge investieren, die Kiels Ausnahmewoche zu bieten hat: Ein Airbrush-Tattoo kommt der Schülerin in den Sinn oder die Fahrt mit einem der Fahrgeschäfte auf der anderen Seite des Hafenbeckens.

 Auch der Hiroshima-Park – nur wenige Meter abseits des Gedränges auf dem Internationalen Markt, der mit Köstlichkeiten aus aller Herren Länder lockt – bietet Gelegenheit zu einer Verschnaufpause. Dort nimmt sich auch Anja Marquardt eine Auszeit – mit Kirschen und Prinzenrolle. Die Früchte hat sie gerade erst gekauft, die Kekse hat sie schon den ganzen Tag im Rucksack dabei. „Das trägt nicht viel auf – aber ich hab etwas, von dem ich abbeißen kann“, sagt die 38-Jährige.

 In einer guten halben Stunde sei sie mit ihrem Lebensgefährten verabredet, erklärt sie und zündet sich eine Zigarette an. Bis dahin versüße sie sich nun die Zeit mit den leckeren Dingen. Auch eine kleine Flasche Apfelschorle findet in ihrer Tasche regelmäßig Platz. Und wenn sie diese leergetrunken hat, „spendet“ sie das Pfand einem Obdachlosen. „Immer noch billiger, als mir auf der Kieler Woche an ’nem Bierpilz ’was zu kaufen, oder etwa nicht?“

 Die Gruppe der Jugendlichen, die nahe der Bundesländermeile campiert, wäre mit Wasser vermutlich nicht zufrieden. In ihren Taschen klötern Bierflaschen. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen, scheint sinnlos – sind sie doch schon ganz schön angetüdelt. Hätten die Jungs bloß auch ein bisschen was zu futtern dabei.

 Auf der Krusenkoppel herrscht unterdessen volles Programm für die ganze Familie. Aufgemacht haben sich auch Anja Barth mit Mia, Carola Kaiser mit Liv, Cathrin Wilkesmann mit Carl und Wiebke Wurm mit dem kleinen Momme. Vergnügt schieben sie ihre Kinderkarren über die hügelige Rasenfläche und hoffen darauf, dass es noch ein bisschen sonniger – und damit wärmer – wird. Dann könnten sie es nämlich denen nachmachen, die es bisher nur vereinzelt vormachen: eine Decke auswerfen und die Kieler Woche um eine Picknick-Kultur bereichern.

 Die Verpflegung für den Tag haben die vier Mütter jedenfalls in weiten Teilen selbst mitgebracht – zumindest für ihre Kinder. Und die Lütten langen bei Aprikosen, Salzstangen oder Würstchen auch gerne mal zu. Vor allem aber die „Knabberbärchen“ stehen bei den Jüngsten hoch im Kurs. Auch an Getränke haben die Mamas gedacht – denn wer hat noch nicht erlebt, wie schnell ein Kind quängelig werden kann, sobald es Durst bekommt. Im Moment sind die Kinder jedoch eher müde als durstig. Kieler Woche ist eben doch anstrengend.