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Kiel Wundervoll verkehrte Wortwelten
Kiel Wundervoll verkehrte Wortwelten
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00:17 28.06.2013
Von Jörg Meyer
Beim Poetry Slam setzte Andy Strauß auf die Applaus-Gunst des Publikums. Quelle: fpr
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Kiel

Die verkehrte Welt beleuchtete satirisch auch Sulaiman Masomi, gebürtig aus Kabul, aufgewachsen in Krefeld, in seinem Sieger-Text: Niemandem kann man es recht machen als „Ausländer“ in Deutschland. Erst hat der Ich-Erzähler in Masomis Kurzgeschichte „Auf der anderen Seite“ sich mit seiner Freundin „auseinander integriert“, dann wirft ihm auch noch die auf der Parkbank kiffende Hippie-Oma vor, dass er „den deutschen Drogen-Dealern den Job wegnimmt“.

Ebenso verkehrt ist die Welt, wo sie so heil scheint wie im Kleingartenverein. Andy Strauß, im Finale in der Applaus-Gunst des Publikums, das als Jury fungiert, Masomi nur knapp unterlegen, weiß genau, warum da der Gärtner der sprichwörtliche Mörder ist.

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Locker erzählte, gereimte und heraus „gerotzte“ Texte, die bei allen acht Kontrahenten zeigen, dass sie sich in einem einig sind: Der Welt, wie sie ist, muss man den slammenden Wortspiegel vorhalten. Dann wird sie so gut und noch besser, als sie im Ratsdienergarten als Hort der locker wie ernst gerockten Wortkunst schon ist.