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Kiel Im Notfall sind sie schnell da
Kiel Im Notfall sind sie schnell da
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21:33 24.06.2014
Von Jennifer Ruske
Auf Streife an der Kiellinie: Von der Reventlouwiese bis zur Seeburg erstreckt sich das Gebiet, in dem Sanitäterin Julia Gronwald (20), Sani-Helfer Maurice Wollesen (21) und Erste-Hilfe-Praktikant Maximilian Utermöhlen (17, von links) unterwegs sind. Quelle: Ruske
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Kiel

Einmal durchatmen: Ein paar stille Minuten gönnt sich Sani Jan-Harry Diekert im Aufenthaltscontainer der Rettungskräfte in Hör- und Sichtweite der musikbeschallten Kiellinie. Gleich mehrfach ging gegen Mitternacht ein Notruf in der ASB-Sanitätsabschnittsleitung am Düsternbrooker Weg ein: hilflose Person, kaum noch ansprechbar, zu viel Alkohol. Im Laufschritt haben sich Diekert und sein Kollege mit Trage auf den Weg gemacht, um die Patienten möglichst schnell zum Sanitätszelt zu bringen – quer durch die fröhlichen, bierseligen Menschenmassen. Das schlaucht. „Da kommen Adrenalin und Anstrengung zusammen. Und man schwitzt ganz schön. Aber egal, schließlich geht es um Menschenleben“, sagt der Bäcker. Er ist zum neunten Mal auf der Kieler Woche dabei – ehrenamtlich. Wie seine 20 ASB-Kollegen, die an diesem Abend auf der Kiellinie eingesetzt sind.

 Gute drei Kilometer Strecke, eingeteilt in vier Abschnitte, betreut das Team. „Vom Landeshaus bis zum Seegarten reicht unser Gebiet“, erklärt Abschnittsleiter Sven Ahmling. „Für das Bayernzelt haben wir extra ein Team abgestellt“, erklärt der 42-Jährige, der seit 1999 dabei ist. „Da ist in der Regel am meisten los.“ Je später die Nacht, desto mehr wird getrunken – mehr als so mancher vertragen kann. Doch noch ist es ruhig auf der Feiermeile am Wasser. „Das geht gegen 21 Uhr, 22 Uhr los.“

 Im Rettungszelt versorgt Sani Malte Beier gerade eine Schürfwunde. „Ich bin gestolpert und habe mir das Bein verletzt“, erklärt Patientin Maike. Und auf der Kiellinie beginnt die Streife von Sanitäterin Julia Gronwald (20), Sani-Helfer Maurice Wollesen (21, Elektriker) und Erste-Hilfe-Praktikant Maximilian Utermöhlen (17, Schüler). Die Sanitäter lassen ihren Blick geübt schweifen. „Man ist schon angespannt“, sagt Julia Gronwald, die zum vierten Mal freiwillig bei der Kieler Woche dabei ist. Zum Feiern bleibt ihr keine Zeit. „Aber das ist nicht schlimm. Das Helfen macht mir ja Freude“, sagt die angehende Krankenschwester. „Gerade die Kieler Woche ist etwas Besonderes. Und die im Team zu erleben, macht einfach Spaß“, ist die einhellige Meinung aller. Auch, wenn es hektisch wird im Dienst: „Die Wochenenden und der Mittwoch sind echte Großkampftage, dazu kommt noch die Fußball-WM.“

 Die meisten Blessuren tagsüber sind Blasen und – Glasscherbe trifft Flipflop – Schnittwunden oder leichte Verstauchungen, weil die Besucher gestolpert sind. Je später der Abend, desto mehr Alkohol kommt ins Spiel. Zu viel zum Beispiel für zwei Teenager, die mit dem Rettungswagen in die Kinderklinik gebracht werden. Das war nur der Anfang: Gegen Mitternacht häufen sich die Einsätze der Sanitäter. Julia Gronwald wird im Rettungszelt gebraucht, ihre Kollegen vor dem Zelt beruhigen ängstliche, angetrunkene und auch aggressive Angehörige, Abteilungsleiter Sven Ahmling koordiniert das Vorgehen. „Das ist die Kieler Woche – zehn Tage Ausnahmezustand.“