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Kiel Mit Kit Amstrong auf Zeitreise
Kiel Mit Kit Amstrong auf Zeitreise
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16:40 20.06.2014
Von Christian Strehk
Starpianist Kit Amstrong ist am Sonntag und Montag im Kieler Schloss zu sehen. Quelle: Zandel
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Kiel

Zuletzt war der Bernstein-Preisträger Kit Amstrong im Musikverein Wien und in der Kölner Philharmonie zu hören. Außerdem gab der von Alfred Brendel geförderte Amerikaner ein Recital im nordfranzösischen Hirson (nahe Laon), wo er vor einiger Zeit eine denkmalgeschützte Art-Deco-Kirche für eigene Konzertprojekte gekauft hatte.

Herr Armstrong, Ihre Kieler Saison als "Artist in Residence" neigt sich dem Ende zu - dem Bartók-Klavierkonzert folgte Ihr Solo-Recital und das Kammermusik-Projekt. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

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(Musik ist schön, Fisch ist lecker, ich bin glücklich!) Ich habe mich sehr darüber gefreut, ein so breitgefächertes Repertoire spielen zu dürfen und ich hatte den Eindruck, dass auch das Publikum dabei Freude hatte. Es war eine wunderbare Zeit und ich bin für diese Gelegenheit sehr dankbar.

Sie werden am Sonntag die Uraufführung Ihres Orchesterwerkes "Zeitreise" erleben. Was bedeutet der Titel? Und wie darf man sich die kompositorische Struktur vorstellen?
Meine “Zeitreise” ist eine Hommage an die Musikgeschichte der letzten 1000 Jahre. Als ich in Berührung mit verschiedenen kompositorischen Richtungen aus diesem Zeitraum kam, aber vor allem mit den frühsten Meisterwerken, die es in unserer Musiktradition gibt, zum Beispiel im Stil der Notre-Dame-Schule oder später der “Ars nova/subtilior", wollte ich meine Begeisterung zum Ausdruck bringen. In meinem Stück habe ich also versucht, einige Besonderheiten der darin abgebildeten Komponisten oder Werke so schön wie möglich zu präsentieren. Die Struktur des Stückes besteht aus Stationen, die jeweils einer bestimmten musikalischen Welt entsprechen, und “Zwischengängen”, die uns mittels thematischer Verwandlung durch die Stationen führen.
Haben Sie sich im Vorfeld mit GMD Georg Fritzsch, dem Dirigenten der Uraufführung, über das Werk ausgetauscht? Gibt es irgendwelche Bezüge zu den anderen Programmteilen des Konzerts - zu Schumann oder zu Richard Strauss?
Als ich zunächst wusste, dass das Klavierkonzert von Schumann im Programm stand, hatte ich die Idee, eine Einleitung zu diesem zu schreiben. Mir wurde es aber klar, das dies weder möglich noch nötig war. Ich habe mich also für eine selbständige Ouvertüre (im eigentlichen Sinne) entschieden. Die Komposition von Strauss im zweiten Teil des Programms war natürlich ein Orientierungspunkt für die Größe des Orchesters bei meinem Auftragswerk. Ich habe es immerhin bewusst vermieden, Strauss' Orchestrierungsart und “Klangzauber” zu imitieren... was ich wahrscheinlich auch unbewusst getan hätte, den meistens solistisch konzipierten Klangwelten meiner Vorbilder in diesem Stück zufolge. 

Was fasziniert Sie an dem Klavierkonzert von Robert Schumann? Und haben Sie es bereits zuvor öffentlich gespielt?
Ich habe es schon oft gespielt, aber es ist ein Klavierkonzert, das mir bei jeder Aufführung Überraschungen bereitet.

Was ist für die nahe Zukunft Ihr größter künstlerischer Wunsch?

Immer die Neugier zu haben, mich mit Neuem auseinanderzusetzen; immer die Freiheit zu genießen, Projekte zu verwirklichen, die mich besonders faszinieren.

 Sie haben im nordfranzösischen Hirson eine Art-Deco-Kirche gekauft. Wird es irgendwann ein Kit-Armstrong-Festival geben?

Für mich war das Eröffnungskonzert am 3. Juni dort ein besonderer Moment und der Startpunkt für viele Projekte, die mir am Herzen liegen und die ich dort verwirklichen kann. Ich habe vor, viel verschiedene Musik mit Freunden an diesen Ort zu präsentieren, vor allem Werke und Programme abseits der eingetretenen Pfade. Es gibt so viel tolle Musik zu entdecken. In diesem Jahr beginnt auch eine Reihe, die dem Ersten Weltkrieg gewidmet ist und die mich noch ein wenig länger begleiten wird. Von einem eigenen Festival bin ich noch weit entfernt – aber vielleicht nicht mehr ganz so weit wie vorher.