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Kiel Einlaufverbot erhitzt die Gemüter
Kiel Einlaufverbot erhitzt die Gemüter
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06:56 28.05.2014
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Zur Kieler Woche 2013 waren russische Soldaten noch zu Gast in der Stadt. Quelle: FB
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Kiel

Für die 150 russischen Soldaten der neuen Fregatte „Boiky“ wäre der 20. Juni ein Höhepunkt in ihrem Bordleben gewesen. An diesem Tag sollten sie im Kieler Tirpitzhafen festmachen – pünktlich zum Auftakt der Kieler Woche. Doch die Ukraine-Krise wirft ihre Schatten auch auf die Festwoche. Wie berichtet hat das Auswärtige Amt der russischen Marine die Erlaubnis zum Einlaufen in deutsche Hoheitsgewässer verweigert, obwohl sie eine offizielle Einladung der Stadt Kiel erhalten hatte.

 Kiels Oberbürgermeister Kämpfer äußerte Verständnis für den einmaligen Vorgang: „Wenn das Außenministerium das so entschieden hat, steht es mir nicht zu, darüber zu urteilen“, erklärte er auf einer Pressekonferenz zur Kieler Woche. Da es sich um Militärschiffe handele, spiele die Krise bei der Entscheidung „natürlich eine Rolle“. Im Gegensatz dazu seien im Zivilbereich keine Änderungen bekannt. „Der Russland-Stand aus unserer Partnerstadt Kaliningrad ist beim Internationalen Markt vertreten“, betonte Kämpfer.

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 Offen blieb gestern die Frage, ob die „Kruzenshtern“ ebenfalls von einem Verbot betroffen sein könnte. Der Großsegler gehört nicht zur russischen Marine, untersteht aber dem Fischereiministerium und ist im Staatsbesitz Russlands. Die Agentur Inmaris, die das Schiff in Deutschland betreut, prüft die Lage und will sich heute dazu äußern.

 Unabhängig davon sind viele Kieler aufgebracht. „Das ist ein Unding. Für uns ist die Ausladung nicht nachvollziehbar“, schimpfte etwa Hans-Friedrich Möller von der Deutsch-Russischen Gesellschaft in Kiel. Er hatte am Abend zuvor noch an einem Empfang des russischen Botschafters in Hamburg teilgenommen, erfuhr von der Entscheidung aber erst gestern aus der Zeitung.

 Auch im politischen Berlin war die Gästeliste zur Kieler Woche plötzlich Thema. Der CDU-Verteidigungsexperte Ingo Gädechens bedauerte den Schritt: „Gerade in der jetzigen Phase sollten wir alles vermeiden, was die Atmosphäre verschlechtert.“ Auch der Kieler SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels fand die Entscheidung „schade“. Er gab aber zu bedenken: „Die Lage in der Ukraine ist nicht so, dass einem nach Feiern zumute ist.“

 Von Frank Behling und Frank Lindscheid