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Kiel Auf der Suche nach der ruhigen Stunde
Kiel Auf der Suche nach der ruhigen Stunde
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10:15 01.07.2019
Von Sebastian Ernst
Zwischen all dem Müll ist es an der Kiellinie während der Kieler Woche nachts ziemlich friedlich. Quelle: Sebastian Ernst
Kiel

Wenn die Feierwütigen zu Hause und die ABKI-Mitarbeiter noch nicht im Dienst sind? Das Protokoll eines nächtlichen Streifzugs über die Kieler Woche.

1.15 Uhr, Bergstraße

Hier ist ordentlich was los. Vor einem arabischen Restaurant werden Süßigkeiten verkauft, Taxis und Polizeiwagen rauschen vorbei, Menschen stehen rauchend vor den Clubs und Bars. So auch Axel. Er steht mit seinem Bier vor dem Pogue Mahone. Den Tag hat er mit Arbeitskollegen auf der Kieler Woche verbracht. "Jetzt lassen wir den Abend hier gemütlich ausklingen."

Damit ist er nicht alleine. "Wenn die Kieler Woche abends zu macht, kommen die Leute in die Bergstraße", sagt Dennis Heinemann, Mitinhaber und Geschäftsführer des Pogue Mahone. "Die meisten, die zum Feiern nach Kiel kommen, wollen natürlich länger feiern, als die Kieler Woche offen hat." Gerade durch die Gäste von außerhalb entstehe ein besonderes Flair. "Das macht Kiel für kurze Zeit zur Großstadt, das hat richtig was", sagt Heinemann.

1.30 Uhr, Muddimarkt

Gemütlich ist es am Muddimarkt nicht. Die Fläche um die beiden Zirkuszelte ist ein Auffangbecken für alle, die schon zu viel gefeiert haben. Jemand streitet sich mit einem Pfandflaschensammler um einen Rucksack, auf dem Steg übergibt sich jemand geräuschvoll ins Wasser. Ganz unberührt davon dümpelt die Gondel des Gondolieres in der Mitte des Teiches im Hiroshimapark.

2 Uhr, Internationaler Markt

Dort, wo sich sonst Menschenmassen, beladen mit dampfenden Tellern, durchs Gedränge schieben, trifft man um diese Uhrzeit keine Menschenseele. Möwen sitzen auf den Müllbergen, die die Spätschicht des ABK aufgetürmt haben.

Die Fahnen der Stände wehen im Wind. Auf den Bänken vor dem Portugal-Stand sitzen zwei Mitarbeiter des Wachdienstes. Sie trinken Kaffee aus Thermoskannen, haben belegte Brote dabei, ein aufgeschlagenes Buch liegt auf dem Tisch. "Hier ist es nachts ziemlich entspannt", sagt einer von ihnen.

2.18 Uhr, Asmus-Bremer-Platz

"Von Entspannung kann hier keine Rede sein", sagt der Security-Mann, der die Stände am Asmus-Bremer-Platz bewacht. "Ständig laufen hier Betrunkene durch die Fußgängerzone." Der Platz vor der Bühne ist von den Feierlichkeiten des Tages schwer gezeichnet.

Auf den Stehtischen stehen leere Schnapsflaschen, Bierflaschen liegen überall auf dem Boden. Direkt vor der Bühne weht der Wind goldenes Konfetti über das Kopfsteinpflaster. Die Kohle in der Wurstbude glüht noch schwach.

2.45 Uhr, Hörnbühne

Immer wieder kommen einem hier Jugendliche mit Tetrapacks entgegen. Aus ihren Bluetooth-Boxen kommt Deutsch-Rap oder House. Zwei Punks unterhalten sich über Polizeigewalt. Am Ninja-Warrior-Parcours sitzt Heshmat mit seinem Cousin und einem Freund.

"Ich bin extra aus England zu Heshmat gefahren, um mir die Kieler Woche anzugucken", sagt der Cousin. Während die drei aufs Wasser gucken und rauchen, beginnt der Himmel über der Förde langsam heller zu werden.

3.30 Uhr, Kiellinie

Am Wasser ist es ziemlich ruhig, sieht man von den Möwen ab, die sich auf der Futtersuche durch die immensen Müllberge arbeiten. Am Horizont verfärbt sich der Himmel schon leicht rötlich, über dem Ostufer ist der Halbmond klar und deutlich zu erkennen. Möglicherweise ist das der Moment, in dem die Kieler Woche schläft.

"Das ist vom Ambiente schon sehr schön hier um diese Zeit", sagt der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, die hier einen Stand bewacht. Doch die Ruhe hält nicht lange an: Um exakt 3.38 Uhr endet die Party im Louf, und die teilweise stark alkoholisierten Gäste treten über die Kiellinie den Heimweg an. Wenig später beginnt auch die Müllabfuhr ihre Schicht.

4:46 Uhr, Bootshafen

Mittlerweile ist es fast ganz hell. Der blaue Himmel spiegelt sich im Wasser am Ocean-Jump-Gelände. Aus der nahegelegenen Shisha-Bar dröhnt immer noch Musik.

5.15 Uhr, Bergstraße

Die Spuren der Partynacht sind deutlich zu sehen. Auf der Straße liegen Scherben, Menschen holen sich noch schnell einen Döner oder einen Burger. In einem Hauseingang sitzen ein paar Leute und essen. "Ehrlich", sagt einer von ihnen in die Runde, "das ist mir echt zu hell hier" und macht kurz die Augen zu. 

Mehr zur Kieler Woche finden sie auf unserer Themenseite.

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