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Kiel Kieler Züchter freut sich über Sensation
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16:24 24.06.2019
Von Sebastian Ernst
Dirk Papenfuß freut sich über die besondere Färbung seines Wellensittichs Mucky. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Gesehen hatte er so etwas in all den Jahren nicht. Papenfuß verkauft seinen Wellensittich-Nachwuchs gelegentlich an eine Tierhandlung. Als er dort von der besonderen Färbung erzählte, beglückwünschte ihn der Verkäufer. Halbseiter nenne man dieses äußerst seltene Phänomen. "Das ist wohl eine ganz besondere Laune der Natur", sagt Papenfuß.

Etwas mehr Licht ins Dunkel bringen kann Miriam Liedvogel. Sie erforscht am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie die Genetik des Vogelzugverhaltens. Dass auch sie sich erst einmal in das Thema einlesen muss, zeigt, wie selten solche Halbseiter auftreten.

Zu dem Phänomen gibt es kaum Forschung

"Zu Halbseiter-Wellensittichen gibt es so gut wie keine Forschung. Sogar in großen Zuchten fallen sie so gut wie nie an", sagt die Wissenschaftlerin. "Es gibt aber Forscher, die das Halbseiter-Phänomen an anderen Vögeln, zum Beispiel Hühnern oder Kardinälen, beobachtet und untersucht haben."

Bei Papenfuß' Wellensittich handele es sich wahrscheinlich um eine Chimäre, also einen Organismus, mit dem genetischen Zellmaterial eines Weibchens und eines Männchens. "Im Prinzip sind zwei Individuen zu einem Körper fusioniert", sagt Liedvogel. "Wahrscheinlich sind zwei Embryonen in einer sehr frühen Entwicklungsstufe fusioniert und haben dabei ihre jeweiligen Eigenschaften behalten." Das passiere ab und zu, häufig entwickele sich der fusionierte Embryo jedoch nicht weiter und sterbe ab.

Bei vielen Arten falle ein solches Phänomen gar nicht auf, weil es optisch keine so großen Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen gebe – bei Wellensittichen oder Kardinalvögeln wegen der Farbvielfalt zwischen Männchen und Weibchen hingegen schon. Allerdings nur, wenn die Eltern unterschiedlich gefärbt sind. Im Fall von Papenfuß' Wellensittich ist die Mutter dunkelblau mit einem gelben Gesicht und der Vater grün-gelb gescheckt.

Zweifarbiger Wellensittich ist wohl ein Zwitter

Zudem ist der zweifarbige Wellensittich wahrscheinlich ein Zwitter. "Bei Vögeln bilden sich die Zellen, die über das Geschlecht entscheiden, deutlich früher aus, als bei Säugetieren", so Liedvogel. "Deswegen dürfte die eine Seite weibliche Geschlechtsorgane aufweisen, die andere männliche. Bilateraler Gynandromorphismus heißt das in der Fachsprache." Auch das tritt nicht nur bei Wellensittichen auf. Es gibt beispielsweise Schmetterlinge, deren einer Flügel die typisch männliche Färbung aufweist, während der andere die weibliche Farbgebung hat. Auch bei Hummern wurde das Phänomen beobachtet. Die Katze Venus wurde mit ihrem zweigeteilten Gesicht sogar zu einem Social-Media-Phänomen mit 1,8 Millionen Instagram-Followern.

Für die Forschung wäre Papenfuß Wellensittich durchaus interessant, sagt Liedvogel. "Es gibt eine Studie, die das Phänomen an Hühnern untersucht. Die ist in der Nature veröffentlicht worden", so die Biologin. "Und in dem Journal möchte jeder Naturwissenschaftler veröffentlichen. Das zeigt, dass das ein interessantes Forschungsfeld ist." Aber auch ein schwieriges, denn die Forschungspopulation ist aufgrund der Seltenheit immer extrem klein. Das Phänomen lässt sich nämlich nicht nachzüchten.

"Mag sein, dass Liebhaber für so eine Rarität viel Geld ausgeben"

Dass Halbseiter-Wellensittiche äußerst selten sind bestätigt auch Elisabeth Haase, Leiterin des Tierheims Uhlenkrog. "Ich habe seit 35 Jahren immer wieder mit Wellensittichen zu tun", sagt sie. "Ich habe zwar von dem Phänomen gehört, gesehen habe ich einen Halbseiter aber noch nie." Und ist ein solch seltener Vogel wertvoll? "Es mag sein, dass Liebhaber für so eine Rarität viel Geld ausgeben", sagt sie. "Gefragt sind aber eher bestimmte Farbgebungen, mit denen man weiter züchten kann."

Und Papenfuß? Der hat dem besonderen Vogel mittlerweile einen Namen gegeben und ihn zu sich in die Wohnung geholt. Er heißt jetzt Mucky und leistet Micky Gesellschaft, der schon seit längerer Zeit in Papenfuß’ Wohnzimmer steht und sogar sprechen kann.

Vor ein paar Tagen durfte Mucky zum ersten Mal auf Erkundungsflug durchs Wohnzimmer gehen. "Das geht erst nach einer bestimmten Zeit, weil die Wellensittiche erst verstehen müssen, was Fensterscheiben sind", sagt Papenfuß. Bei Muckys Jungfernflug ist aber alles gut gegangen. "Micky hat auf ihn aufgepasst", so Papenfuß.

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