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Kiel Mit Mathe bekämpft sie den Krebs
Kiel Mit Mathe bekämpft sie den Krebs
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14:52 13.03.2019
Von Kristiane Backheuer
Foto: Die Kielerin Linnéa Franßen wird am Mittwoch in London vorm Parlament ihr mathematisches Modell zur besseren Erkennung von Krebszellen und ihrer Metastasenbildung vorstellen.
Die Kielerin Linnéa Franßen wird am Mittwoch in London vorm Parlament ihr mathematisches Modell zur besseren Erkennung von Krebszellen und ihrer Metastasenbildung vorstellen. Quelle: KN
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Eine Kielerin im Kampf gegen Krebs: Linnéa Franßen (30) hat ein mathematisches Rahmenmodell erstellt, um die tückische Krankheit besser verstehen und vorhersagen zu können. Dabei geht es vor allem um den komplexen Vorgang der Entwicklung sekundärer Tumore, der Metastasen.

Sie erforscht, wie Krebszellen neue Tumore bilden

Aus ihrem mathematischen Modell hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das beschreibt, wie sich einzelne Krebszellen von ihrem Mutterherd lösen, in die Blutbahn vordringen und irgendwo anders im Körper neue Tumore bilden.

„Ich freue mich riesig, dass ich zeigen kann, was für nützliche Sachen man mit Mathematik anstellen kann“, sagt Linnéa Franßen, als wir sie vorab am Telefon erreichen. Sechs Stunden wird sie mit der Bahn nach London unterwegs sein. Denn zurzeit forscht die Kielerin in Schottland an der University of St. Andrews.

Forschung in St. Andrews in Schottland

Die Verbindung nach St. Andrews (knapp 17000 Einwohner) entstand bereits in ihrer Schulzeit. "Ich bin in der Lornsenstraße aufgewachsen und hab’ die Kieler Gelehrtenschule besucht", sagt sie. "Seit über 60 Jahren besteht dort ein Schüleraustausch mit dem Madras College in St. Andrews."

So kam sie als 16-Jährige das erste Mal für eine Woche nach Schottland. "Meine Gastfamilie war so nett, dass sie mich einlud, kurz darauf für ein halbes Jahr dort die Schule zu besuchen", erzählt sie.

Nach dem Abi in Kiel (Leistungsfächer: Englisch und Mathe) zieht sie zum Studieren nach Glasgow, eindreiviertel Autostunden von St. Andrews entfernt.

Forschungsgruppe für mathematische Biologie

Fünf Jahre studiert sie in Schottland Mathematik. Nach dem Master arbeitet sie kurzzeitig in Kiel als Versicherungsmathematikerin und in Berlin als Gymnasiallehrerin. Dann bewirbt sie sich bei einem von ihr  hochgeschätzten Professor, Prof. Mark A. J. Chaplain, den sie bisher nur von wissenschaftlichen Publikationen kennt. Er will in St. Andrews eine Forschungsgruppe für mathematische Biologie gründen. Im Februar 2016 tritt sie dort ihre Doktorandenstelle an.

Programm soll vorhersagen, wie sich Metastasen im Körper ausbreiten

Seitdem sitzt sie am Computer, analysiert Daten und schreibt Programme. Ihr Aufgabengebiet: die mathematische Onkologie. "Mathematik ist eine lebendige Sprache", sagt sie begeistert. "Mit ihr kann man Probleme lösen. Von der Wettervorhersage bis zur Frage, wie man die Weltbevölkerung ernähren kann."

Sie selbst schreibt mathematische Modelle, die vorhersagen sollen, wie sich Metastasen im Körper ausbreiten. "Im Kampf gegen Krebs ist das ganz entscheidend", sagt sie. "Denn 90 Prozent der Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sterben an diesen Zweittumoren." Ihr Computerprogramm soll helfen, den nächsten Schritt der Krebsentwicklung vorauszusagen, damit die Mediziner gezielter behandeln können. Außerdem können so Therapieansätze für jeden einzelnen Patienten individuell getestet und die Behandlung somit optimiert werden.

Als Forscherin publiziert Linnéa Franßen unter Linnea C. Franssen. Mehr zu ihrer Forschung und ihrer Öffentlichkeitsarbeit lesen Sie hier. 

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