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Kiel Im September: Kiellinie wird autofrei
Kiel Im September: Kiellinie wird autofrei
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19:33 14.08.2019
Von Michael Kluth
Zu Fuß auf der Fahrbahn: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) empfindet vor, was vom 7. bis zum 22. September 2019 alle Kieler auf der Kiellinie erleben können. Quelle: Frank Peter
Kiel

Flanieren, joggen, Fahrrad fahren. Im Strandkorb und auf Liegestühlen den Sonnenaufgang genießen. Leihfahrräder, E-Scooter und autonome Kleinbusse testen. Picknick, Spielplatz, Yoga, Skaterbahn, Konzerte. Und das alles mitten auf der Kiellinie, die dann keine Fahrbahn mehr ist.

So stellt die Stadtverwaltung Kiel sich den Erlebnisraum nördliche Kiellinie vor, den sie vom 7. bis 22. September 2019 auf dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Lindenallee und Tirpitzmole einrichtet.

Auf dem Areal vor der Lindenallee soll es zudem eine Aktionsfläche zur Digitalen Woche (7. bis 14. September) geben. Dort soll am 22. September auch die Klimaschutzwerkstatt "Kiel packt an" zusammen mit Aktivisten der Bürgerinitiative Klimanotstadt stattfinden.

Kiellinie wird sowieso sechs Wochen gesperrt

Die Straße muss zwischen Lindenalle und Tirpitzmole vom 7. September 2019 an ohnehin sogar für sechs Wochen gesperrt werden. Grund ist die Erneuerung der Straßenentwässerung und der Asphaltdecke.

In den ersten beiden Wochen davon soll es auf der Kiellinie nach den Worten von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) gleichwohl "lebendig werden". Er rechnet mit vielen neugierigen Kielern, die die Durchgangsstraße an der Förde mal ganz anders erleben möchten.

Gastronomie soll es an der Seebar und bei der Seglervereinigung geben. Die Seebar bleibe erreichbar, versichert Kiels Stadtsprecherin Kerstin Graupner. Es werde Parkmöglichkeiten am Düsternbrooker Weg vor der Lindenallee und ab 14. September auch wieder zwischen Bellevue-Brücke und Seebar geben.

Testfall für eine dauerhaft autofreie Kiellinie

Die "Super-Aktion" (Kämpfer) ist aber mehr als ein zweiwöchiges Volksfest der anderen Art. Sie ist der Testfall für eine Frage, die Kämpfer so formuliert: "Wie fühlt sich das eigentlich an, die Kiellinie autofrei zu machen?"

Während der Bauzeit werden auf der Premium-Radroute Kiellinie die Fahrräder gezählt und auf den Parallelstrecken B76, Westring und Feldstraße die Autos. Außerdem werden Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt und ausgewertet. "Ich bin selbst gespannt", sagt Kämpfer. Die Überlegung ist, die Kiellinie dauerhaft autofrei zu machen.

Der Oberbürgermeister bestätigte, dass so eine Überlegung in seine Vision von der Stadt am Wasser passt. Zudem ist es Beschlusslage in der Ratsversammlung, die Stadt ans Wasser zu bringen. Die Kiellinie sei geeignet, dazu jetzt "Butter bei die Fische" zu tun, sagt Kämpfer. Er ahnt aber auch: "Das wird vielleicht kontrovers werden."

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Stadt Kiel will gesamte Kiellinie aufwerten

Kämpfer stellte die Präsentation der Aktion am Mittwoch in der Seebar in einen größeren Zusammenhang: Es gehe letztlich darum, die insgesamt 3,5 Kilometer lange Premium-Promenade zwischen Kunsthalle und Marinehafen "ganz stark aufzuwerten".

Die Spundwanderneuerung hinter dem 2016 aufgestellten Bauzaun am Berthold-Beitz-Ufer und die Umgestaltung der Promenade dort wird nach Angaben der Stadt noch bis 2022 dauern. Die Kosten in Höhe von 10,6 Millionen Euro würden zu 90 Prozent über das Programm "Zukunft Stadtgrün" des Landes gefördert. Auch weitere Maßnahmen entlang der Kiellinie und des Düsternbrooker Fördehangs seien förderfähig, versicherte Kämpfer.

Die Kampfmittelsondierung und -räumung vor dem Berthold-Beitz-Ufer sei "besonders aufwendig und langwierig", teilte die Stadt mit. Erst im Frühjahr 2020 sollen die Wasserbauarbeiten beginnen - noch später als bislang angegeben. Gleichzeitig will die Stadt einen Planungswettbewerb zum Gesamtprojekt Kiellinie/Düsternbrooker Fördehang ausloben.

Hier schließt sich der Kreis. Der Planungswettbewerb brauche eine konkrete Fragestellung, sagt Kämpfer - und die könnte lauten: Die Kiellinie autofrei machen.

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