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Kiel Wenn die Mama ins Zimmer reinplatzt
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11:04 08.02.2020
Von Martin Geist
Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Die Mädchen und Jungen der Klasse 4a der Grundschule am Sonderburger Platz mit ihren Geheimnisboxen. Quelle: Martin Geist
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Kiel

Kleine Paragraphenreiter sollen damit keineswegs herangezogen werden. Vielmehr geht es darum, Kinder gegenüber denen zu stärken, die nicht ihr Bestes im Sinn haben. Seit Ende 2018 zunächst mit einer Anschubfinanzierung des Sparkassen- und Giroverbands und neuerdings unterstützt vom Kieler Bildungsministerium tourt der Kinderschutzbund durch Grundschulen im ganzen Land, damit der Nachwuchs möglichst flächendeckend etwas über seine Rechte lernt. Und das sind gar nicht so wenige. 54 Artikel umfasst die vor 30 Jahren in Kraft getretene Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, vom Recht auf einen eigenen Namen und eine Staatsbürgerschaft reicht die Palette bis zu Bildung, Privatsphäre, Sicherheit und Gewaltfreiheit.

Keine theoretische Spielerei

Alles theoretische Spielerei in einem geordneten Staatswesen wie dem deutschen? „Überhaupt nicht“, beteuert Nina Becker, die beim Kinderschutzbund für das Projekt verantwortlich ist. Zwar ist nach ihrer Einschätzung Ausbeutung durch Kinderarbeit oder gar die Bedrohung durch Krieg hierzulande kein Thema, wohl aber sieht sie immer noch genügend Felder, auf denen Kinder – oft durchaus ohne jede böse Absicht – ein bisschen wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Gestern und vorgestern war Nina Becker mit ihrem Kinderrechtekoffer zu Gast bei der Grundschule am Sonderburger Platz. Und die Mädchen und Jungen der Klasse 4a konnten tatsächlich ohne großes Nachdenken erzählen, wo der Schuh drückt. Beispiel Privatsphäre: Leona ist in dieser Hinsicht mit ihren Eltern sehr zufrieden und stört sich nicht daran, wenn ihre Mutter beim Zimmeraufräumen mal einen ihrer ganz persönlichen Schätze in die Hände bekommt. In anderen Familien geht es aber teilweise weniger sensibel her. Und immer wieder klagen die Schüler aus der Wik über Eltern oder Geschwister, die einfach so ins Zimmer hereinplatzen.

Kinder basteln Geheimnisboxen

Um zu verinnerlichen, was Privatsphäre ist, bastelten die Kinder Geheimnisboxen. „Verrate ich nicht“, sagt Greta auf die Frage, was denn drin ist. Es ist ja gerade der Sinn der Sache, dass manche Dinge nur für die eigenen oder eben ausgewählte andere Augen bestimmt sein dürfen, auch wenn es an sich gar nichts Besonders geht. Nina Becker ermunterte die Kinder dazu, auch einen kleinen Brief in die Schachtel zu packen, denn das Briefgeheimnis ist für Erwachsene fast schon heilig, wird bei Kindern aber nur allzu leichtfertig ignoriert. „Eltern sollten nur reinschauen, wenn sie tatsächlich Grund haben, sich zu sorgen“, beschreibt die Fachfrau die Leitlinie.

Mitbestimmung ist ebenfalls so ein Alltagsthema. Meno weiß zu schätzen, dass seine Meinung zählt, wenn es darum geht, welchen Film die Familie guckt. Und er hat auf der anderen Seite gelernt, dass es nicht immer nur nach seinem Geschmack gehen kann. Das ist einfach so, denn (Kinder-)Rechte gelten halt für alle und müssen im Zweifel verhandelt werden. „Obwohl das Bedürfnis nach Freizeit noch so begründet ist, heißt das ja nicht, dass man immer spielen kann“, nennt Nina Becker ein weiteres Beispiel. Auf der anderen Seite erlebt die Pädagogin gerade bei ihren Schulbesuchen, wie unterschiedlich Partizipation gehandhabt wird: „Es gibt Häuser, da  redet man mit den Kindern praktisch auf Augenhöhe, anderswo gibt es aber noch richtig viel Luft nach oben.“

Projekt soll Kinder stärken

Zwei Tage lang dringen die Grundschüler auf diese Weise immer tiefer in das Thema ein. Sie malen Bilder, erzählen von ihren eigenen Erfahrungen, diskutieren aber auch grundsätzlich. So hat Philippa noch nie Stress bekommen, weil jemand der Meinung war, sie sei nicht so wie alle sein sollten, wohl aber ist ihr bewusst, dass die Menschen verschieden sind. „Darum finde ich als Kinderrecht den Schutz vor Diskriminierung besonders wichtig“, sagt sie.

Das Projekt des Kinderschutzbunds ist insofern nicht zuletzt ein früher Beitrag zur Förderung der Demokratie. Vor allem aber soll es ein Beitrag zur Stärkung der jungen Leute sein. Seine Rechte zu kennen, das ist allemal die wichtigste Voraussetzung dafür, um mit aller Kraft zu widersprechen, wenn psychische oder körperliche Gewalt im Raum steht.

„Zeit für Kinderrechte“ kann der Kinderschutzbund vorläufig noch bis Ende dieses Jahres für Dritt- und Viertklässler im Land einräumen. Die Nachfrage ist sehr groß, sodass interessierte Schulen mit Wartezeiten rechnen müssen. Mehr Informationen unter kinderschutzbund-sh.de, Kontakt: zeitfuerkinderrechte@kinderschutzbund-sh.de

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