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Kiel Kiter leiden unter schwarzen Schafen
Kiel Kiter leiden unter schwarzen Schafen
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17:36 28.09.2019
Von Karen Schwenke
Laboe ist ein Hotspot für Kiter. Immer wieder geraten hier Kitesurfer in Seenot. Quelle: Frank Peter
Kiel

Der Himmel über Laboe ist bunt. Wie eigentlich immer. Mehr als drei Dutzend Kiter fliegen hinter ihren aufgeblähten Schirmen über das Wasser. Sie trotzen Regen, Wolken und herbstlicher Kälte. Hauptsache der Wind stimmt. Heute kommt er von Südwest.

„Es ist sehr böig! Laböig eben – der Name ist Programm“, ruft Nina Otto (29) gegen den Wind und packt ihren Schirm ein. Für heute hat sie genug. Genug Wasser von unten und von oben. Und genug von der Diskussion um ein Kite-Verbot in Strande, dem Spot auf der anderen Seite der Förde: „Natürlich sind wir dagegen! Es ist ärgerlich für alle, die sich an die Regeln halten.“

Kitesurfer müssen Sicherheitsabstände einhalten

Die Regeln seien eindeutig, sagt Kite-Lehrer Rasmus Angenendt: „Es gibt die gesetzlichen Sicherheitsabstände von 200 Meter zum Hafen und 50 Meter zu anderen Personen im Wasser und am Strand. Das wird in jedem Einsteiger-Kurs gelehrt.“ Angenendt leitet die Schule Surfers Paradise in Laboe und hat kein Verständnis für rücksichtslose Kiter.

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Diese Meinung teilen viele der Sportler. Dass die Gemeinde Strande über ein Kite-Verbot diskutiert hat, nachdem es mehrere Beinahe-Unfälle zwischen Kitern und Schwimmern gegeben haben soll, hat hier nämlich fast jeder mitgekriegt.

Rasmus Angenendt sagt dazu: „Es gibt auch in Laboe schwarze Schafe, die sich nicht an Regeln halten, die in der Badezone oder weiter draußen im Fahrwasser fahren. Wir werden nicht müde zu sagen: Bitte macht es nicht. Aber wir haben keine Handhabe.“

Surflehrer Rasmus Angenendt: Polizei sollte Kitesurfer rausgreifen, die Regeln missachten

Daher plädiert Angenendt dafür, dass die Polizei, die „drei, vier, fünf Vollidioten einmal rausgreift“ und Bußgelder erhebt. „Das wäre eine Lösung für alle Spots, denn solche Maßnahmen sprechen sich im Netz schnell herum. Solange die aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wird es so weitergehen“, mutmaßt der Surflehrer. 

Gerhard Dietrich, Vorsitzender der nationalen Interessensvertretung für Kitesurfer „Love it like a local“ (Lilal e.V.), sagt, es gebe leider kein Patentrezept, um „den wenigen schwarzen Schafen, die alle andere in Misskredit bringen“, beizukommen: „Jeden Tag fechten wir an den Spots kleine Kämpfe aus mit Kitern, die sich nicht an Regeln halten.“

Wenn ein Spot aus diesem Grund geschlossen wird, weichen die Kiter auf andere Spots aus, welche zwangsweiße voller werden, und somit Kollisionen unter den Kitesurfern sowie mit weiteren Nutzergruppen unvermeidbar sind. Sollten aus Gründen der Gefahrenabwehr diese Spots ebenfalls geschlossen werden, gerate man in eine Spirale, die alles nur noch schlimmer mache. „Daher haben wir das Interesse sämtliche Spots zu erhalten, und ermahnen die Leute immer wieder: ,Nehmt Rücksicht. Wir sind nicht allein. Nur so können wir unseren Sport gefahrlos ausüben.‘"

Zum Thema Gefahr beim Kiten hat Michael Müller viel zu erzählen. Er ist Vormann des in Laboe stationierten Seenotrettungskreuzers Berlin. Er berichtet, dass Kiter immer wieder die Hansekreuz-Flagge der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit dem Roten Kreuz verwechseln und mit ihren Verletzungen die Seenotretter im Laboer Hafen konsultierten: „Die kommen öfter mit Abschürfungen oder aufgeschnittenen Füßen.“

Seenotretter in Laboe retten immer wieder Kitesurfer

Dabei sind Müller und seine Kollegen eigentlich für viel ernstere Notlagen zuständig: „Wir fahren los, wenn ein Kitebrett oder Segel im Wasser treibt. Dann suchen wir solange, bis wir die Person gefunden haben. Das kann zwei, drei oder auch zwölf Stunden dauern.“ Immer wieder holen die Seenotretter dann Kitesurfer an Bord, die unterkühlt und entkräftet im Meer treiben. „Bestenfalls können sie sich an ihrem Brett oder Segel festhalten, manche sind aber auch ganz von dem Material getrennt. Wir hatten auch schon welche, die in ihre Leinen so verwickelt waren, dass sie sich kaum bewegen konnten.“

Die Seenotretter sind mehrmals in der Woche unterwegs, um vermisste Kitesurfer aufzuspüren, das betreffe bereits ein Viertel ihrer Einstätze. Immer wieder komme es vor, dass sich Kiter, deren Boards oder Schirme im Wasser treiben, bereits in Sicherheit an Land befindet.

Seenotretter: Kitesurfer sollen ihr Material beschriften

„Wichtig ist daher, dass die Kiter ihr Material beschriften mit Namen und Telefonnummern, damit wir anrufen können. Denn, wenn wir lange suchen oder noch den Hubschrauber rufen, kostet das viel Geld und bindet noch dazu die Rettungsmittel.“ Kostenlose Aufkleber zum Beschriften gibt es auf der Webseite der Seenotretter.

Müller appelliert an die Kiter: „Informieren Sie außerdem jemanden an Land, wo und wie lange Sie kiten wollen, sodass derjenige Hilfe rufen kann, wenn Sie nicht zurückkommen. Die Traumvorstellung eines Rettungsmannes ist es, wenn Kiter auch noch eine kleine Leuchtrakete dabei haben, die kosten nicht viel und sind nur so groß wie eine Zigarre, im Notfall kann man sie hochschießen." Denn eine Person im schwarzen Neoprenanzug sei im Wasser nur schwer zu sichten.

Schon beim Aufbau des Kites passieren Fehler

Über Risiken beim Kiten weiß auch Johannes Pommrehn Bescheid. Der Kitesurfer aus Kiel studiert Sportwissenschaften in Flensburg und schreibt gerade seine Bachelor-Arbeit über Verletzungsrisiken beim Kiten. „Viele unterschätzen die Gefahren, sie haben keine Ahnung von der Physik und den Regeln des Sports und glauben, sie könnten es sich selbst beibringen“, sagt der 30-Jährige. Dabei könne man schon viele Fehler beim Aufbau des Kites machen, etwa die Leinen verdrehen. Auch beim Start wüssten Anfänger nicht, wie der Schirm zu halten sei, und würden dann unkontrolliert über den Strand gezogen.

„Die meisten Verletzungen passieren ohne Beiteiligung anderer“, sagt Pommrehn. Viel hänge davon ab, wie die Füße am Brett befestigt sind. Und da kommt seine Bachelor-Arbeit ins Spiel. Er untersucht, welche Bindung welches Risiko birgt. Bei einer Schlaufenbindung laufe man Gefahr, dass sich nur ein Fuß aus der Schlaufe löst und das Knie verdreht – ein Rotationstrauma. Bei der festen Bindung hingegen kann sich der gesamte Körper übermäßig strecken.

„Hauptsächlich kommt es beim Kiten aber zu Prellungen im Bereich der Rippen, wenn die Kiter bei schneller Fahrt auf die harte Wasseroberfläche aufschlagen. Das ist mir auch schon passiert“, so der Experte und empfiehlt Prallschutzwesten zu tragen. Seit 2005 kitet Pommrehn schon. Kite-Verletzungen habe er bereits einige gesehen. Kollisionen und Unfälle mit anderen Wassersportlern oder mit Schwimmern hingegen noch nie.

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