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Kiel Nachwuchsheld Rasmus bei der Feuerwehr
Kiel Nachwuchsheld Rasmus bei der Feuerwehr
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08:00 14.01.2019
Von Kristiane Backheuer
Rasmus Reuter durfte die Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Kiel besuchen. Quelle: Frank Peter
Kiel/Strande

Die Dramatik vom 2. Januar scheint längst vergessen. Jetzt strahlt Rasmus Reuter auf jeden Fall bis über beide Ohren. Der Achtjährige erlebte kurz hintereinander erst den Albtraum seines Lebens und dann die Erfüllung eines Wunschtraumes. An besagtem Tag konnte er seine Mutter nicht aufwecken und tat das einzig Richtige: Er rief 112 an und setzt einen vorbildlichen Notruf ab. Das hatte die Feuerwehrleute so beeindruckt, dass sie den Jungen aus Strande kurzerhand in die nagelneue Leitstelle nach Kiel einluden. Hier darf er jetzt den Disponenten über die Schulter schauen, einen Rettungswagen von innen sehen und auf der Drehleiter 30 Meter in die Höhe schweben.

Wissen aus Pixi-Büchern

Mit einem „Moin, wer bist Du denn?“ wird Rasmus Reuter gleich fröhlich in der Leitstelle von Lagedienstführer Stefan Plücker (51) begrüßt. Rasmus hat keine Scheu und kommt gleich ins Plaudern. Stefan Plücker: „Ich hab’ gehört, Du hast das mit dem Notruf super gut gemacht.“ Rasmus nickt. „Ja, hab’ ich“, sagt er nicht ohne Stolz. Seine Pixi-Bücher von früher hätten geholfen. „Da steht das alles drin.“ Aber das ist längst Schnee von gestern. „Guckt Ihr da Fernsehen?“, will er erst einmal wissen und deutet auf die riesigen Bildschirme an der Wand, wo unter anderem gerade ein Nachrichtensender läuft. „Nee, nicht wirklich“, sagt Stefan Plücker lachend. „Das sind nur die aktuellen Meldungen des Tages. Gleich daneben haben wir eine Wetterkarte und rechts sehen wir, welche Rettungswagen gerade wo eingesetzt sind.“ 13 Arbeitsplätze gibt es im Leitraum. Auf jeden Schreibtisch stehen je sechs Monitore, überall blinkt und piept es. Erst im Dezember wurde die neue Leitstelle eingeweiht. Zuständig ist sie für 650 000 Menschen im Großraum Kiel. Rund 130 000 Einsätze werden in der Landeshauptstadt und den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön im Jahr an über 300 Feuerwehren, Rettungswagen und Spezialeinheiten weitergeleitet. Rasmus ist beeindruckt.

Oliver Labuhn nahm Notruf entgegen

Dienst hat gerade auch Oliver Labuhn (30). Der Oberbrandmeister hatte am 2. Januar den Anruf von Rasmus entgegengenommen und zeigt ihm jetzt seinen Arbeitsplatz. Um 10.02 Uhr ging damals der Anruf ein. „Guck, hier hab’ ich Deine Daten ins System eingetragen“, sagt der Feuerwehrmann und lässt seine Tastatur klappern. Gleich darauf zeigt er auf einer Karte, wo an dem besagten Mittwoch der Rettungswagen in Schilksee stand, der sechs Minuten später bei Rasmus in Strande war. In den sechs Minuten hatte der Achtjährige derweil perfekt reagiert. Er hatte nicht nur die Adresse durchgegeben, seine Schwester beruhigt, versucht, seine Mutter auf die Seite zu drehen und ihr Traubenzucker in den Mund gesteckt. Sondern auch drei Mal den Blutzucker bei ihr gemessen, was er noch nie vorher gemacht hatte, und der Leitstelle die Werte übermittelt. Anja Reuter (40), die jetzt hinter ihm steht, erklärt, dass sie seit 28 Jahren Typ-1-Diabetes hat und an dem Vormittag eine akute Unterzuckerung hatte.

Der Morgen hätte tödlich enden können

„Am Morgen haben wir zu dritt noch im Bett gekuschelt. Es waren ja Ferien“, erzählt Anja Reuter, die auch Mutter von Carlotta (11) ist, die das Downsyndrom hat. „Irgendwie sind wir dann alle drei wieder eingeschlafen.“ An mehr kann sie nicht erinnern. Nur, dass irgendwann der Rettungssanitäter Tim Schwiderski (29) vor ihr stand und sie mit einer Zuckerinfusion wieder auf die Beine brachte. „Vermutlich hatte ich mir morgens das falsche Insulin gespritzt“, sagt die Berufsmusikerin. „Statt dem verzögert wirkendem Insulin wohl das schnell wirkende.“ Auch sie ist tief beeindruckt, wie souverän ihr Sohn reagiert hat. „So eine brenzlige Situation gab es noch nie“, sagt sie und blickt auf ihren Freund Michael Koeppen (53), der Arzt ist. Er nickt nur und lächelt glücklich. Ja, der Morgen hätte auch tödlich enden können.

Fragen über Fragen

Unterdessen fragt Rasmus den Feuerwehrleuten Löcher in den Bauch. Wie Silvester war? Warum es so viele Computermäuse auf dem Schreibtischen gibt? Was bei Stromausfall passiert? Wenig später geht es auf den Innenhof der Feuerwehr-Hauptwache. Hier wartet noch ein weiterer Höhepunkt auf Rasmus. Er darf mit der Drehleiter fahren. Hauptbrandmeister Dirk Rowohlt (50) legt ihm das Sicherheitsgeschirr an und nimmt ihn mit ins Führerhaus des DLK 30. Die Buchstaben stehen für Drehleiterkorb, die Zahl für die maximal ausfahrbare Höhe. Doch bevor es in die Luft geht, grätscht das echte Leben dazwischen. Ein Einsatz ruft. Der knapp 600000 Euro teure Feuerwehrwagen wird abgerufen. Auch nicht weiter schlimm. So guckt sich Rasmus mit Tim Schwiderski, der am 2. Januar im Einsatz war, eben den Rettungswagen von innen an und misst gekonnt den Blutzuckerwert des Brandmeisters. Das kann er ja.

Kleiner Mann mit großen Zukunftsplänen

Dann sind plötzlich Motorengeräusche zu hören. Der große DLK 30 ist vom Einsatz zurück. Fix klettert Rasmus in den Korb und entschwebt selig Richtung Himmel. Bevor es wieder nach Hause geht, hat Teamassistentin Stefanie Strothmann (26) noch eine kleine Überraschung vorbereitet. Rasmus bekommt eine Original Kieler Feuerwehrmütze, ein T-Shirt und ein Feuerdrachen-Maskottchen. Mit Daumen hoch grinst Rasmus mit seiner neuen Schirmmütze auf dem Kopf in die Handykamera seiner Mutter und ist einfach nur glücklich. „Ich will später auf jeden Fall zur Feuerwehr. Brände löschen und Leben retten“, sagt er. „Wir würden Dich sofort nehmen“, antwortet Stefanie Strothmann lachend. „Vorher musst Du aber noch ein bisschen größer werden.“

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