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Kiel Freitag gehört wieder dem Klima: Kiel droht ein Verkehrschaos
Kiel Freitag gehört wieder dem Klima: Kiel droht ein Verkehrschaos
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08:12 28.11.2019
Von Niklas Wieczorek
Jetzt handeln: Das fordern auch die Students for Future, der Hochschulableger der Klima-Schülerinitiative Fridays for Future, in Kiel. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Als am Mittwochmittag die Students-for-Future-Demo über den Campus hüpfte und sang, wussten nicht alle an der Uni Kiel, wie ihnen geschah. Rund 60 Teilnehmer waren eine niedrige Zahl – die Organisatoren aber sind mit der "Public Climate School" zufrieden und wollen am Freitag die Klima-Großdemo stärken.

"Die Vorträge sind bisher gut besucht", sagt Informatik-Student Joris Hellwig (20). Etwa 300 seien am Dienstag zum Poetry Slam gekommen, und der Infostand mitten auf dem Campus werde aufgesucht. Das Programm an der Uni Kiel besteht aus Aktionen wie einer konsumkritischen Fahrradtour oder Müll sammeln – und Vorlesungen, in denen sich Dozenten mit der Klima-Thematik auseinandersetzen. "Die Politik bestreikt seit 40 Jahren die Fakten", sagt Chemie- und Geografie-Student Hannes Stuhr (22), "jetzt streiken wir".

Uni Kiel - der richtige Ort für einen Streik?

Viel Zuspruch komme aus allen Fachrichtungen, so Hellwig und Stuhr. "Weil die Politik und die Institutionen zu wenig tun, muss Druck aus der Bevölkerung kommen", sagen Agrar-Studentin Merle Schleicher (21) und BWL-Studentin Freya Stoermer (22), "wir sind unzufrieden mit dem Klimapaket, streiken und demonstrieren weiter, bis etwas passiert." "Klima-Uni für alle", recken sie als Schild empor. Als sie vom Audimax auf die Olshausenstraße einbiegen, schließen sich aber nur wenige an.

Die Klimawoche? "Ist irgendwie an mir vorbeigegangen", sagt Agrar-Studentin Rebecca Hansen (24), auch ihre Fachkommilitonin Henrike Heinemann (22) bestätigt, dass sich doch im normalen Betrieb mit dem Klimawandel auseinandergesetzt werden sollte. So ein politisch motivierter Streik "gehört nicht an die Uni".

Ähnlich Jura-Student Christian Kahlert und Geschichts- und Religions-Lehramtsstudent Paul König (beide 20) vor der Mensa II: "Die Uni ist der falsche Ort dafür." Sehr wohl betonen sie aber, gegen den Klimawandel zu sein. Deutsch-Studentin Katharina Kröner (26) verweist dagegen darauf, dass die Fachschaften die Teilnahme unterstützen.

Auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel demonstrierten am Mittwoch rund 60 Teilnehmer für mehr Klimaschutz.

Das gilt auch an der Fachhochschule Kiel, wo die bundesweite Aktionswoche ebenfalls Aktionen hervorruft – das Programm wird stetig online präsentiert und erweitert. Selbst die CAU-Leitung formuliert: "Das Präsidium begrüßt diese studentische Initiative und hat im Vorfeld Lehrende ermutigt, in ihren Lehrveranstaltungen konkret die Themen Klimaerwärmung/Klimaschutz aus der jeweiligen fachlichen Perspektive zu beleuchten", sagt Sprecher Boris Pawlowski. So sei Beteiligung möglich, der Regelbetrieb aber nicht gefährdet.

Livestream-Vortrag von Harald Lesch

Ein Höhepunkt im Programm könnte am Donnerstag der Livestream-Vortrag des Münchner Physik-Professors Harald Lesch sein, der im Audimax 3 ab 19 Uhr laufen wird: "Eine grundlegende Einführung zur Klimakrise". Ab 11 Uhr wollen sich die Students for Future am Freitag als Zubringer zum Exerzierplatz bewegen und an die Fridays-for-Future-Demo anschließen – der Abschluss der Uni-Klimawoche.


Protest in Kiel könnte Verkehr lahmlegen

Voraussichtlich wird der Protest den Verkehr in der Innenstadt von Kiel lahmlegen. Exerzierplatz und Wilhelmplatz werden für Auftakt, Zwischenkundgebungen und Abschluss lahmlegen.

Die Stadt Kiel rechnet auch aufgrund unterstützender Studenten am Freitag erneut mit einem Demofeld von rund 3500 Personen. Auch People und Parents for Future haben sich angekündigt, wollen dem Klimapaket der Regierung symbolisch die rote Karte zeigen. 3500 ist auch die offiziell angemeldete Zahl, die Polizei geht laut Sprecher Matthias Arends aber eher von 4000 aus.

Lesen Sie auch: Aktivisten trainierten bereits "mobile Straßenblockaden"

Blockaden, wie von TKKG angekündigt, sind dagegen nicht der Fall der Klimaschutz-Studenten: "Wir beteiligen uns erst einmal nicht an solchen Aktionen", sagt Hellwig. "Wir wollen die Uni verändern", sagt Stuhr. Dass viele Professoren einen Diskurs unterstützen, sei löblich, auch wenn es aus der Studentenschaft selbstverständlich Witze und kritische Stimmen gegeben habe.

Rundum positiv blickt Fridays-for-Future-Organisatorin Nelly Waldeck dem Freitag mit dem Schlagwort #Neustartklima entgegen: "Da unsere Schätzungen bisher immer weit verfehlt waren, sagen wir einfach mal: Wir hoffen, es kommen mindestens genauso viele wie im September." So oder so: Mehr Teilnehmer als bei der gestrigen Demo auf dem Campus werden es in jedem Fall sein. Am 20. September waren zuletzt rund 15.000 Menschen auf Kiels Straßen unterwegs.

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