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Kiel Kieler Uni bittet die Kühe zum Abgastest
Kiel Kieler Uni bittet die Kühe zum Abgastest
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08:00 06.11.2019
Von Kristiane Backheuer
Die Kieler Uni untersucht den Methanausstoß bei Kühen. Die komplizierte Mess-Technik wird vom 11. bis 17. November auf der "Agritechnica" in Hannover präsentiert. Die Leitmesse für Landtechnik besuchen jedes Jahr über 450.000 Besucher aus 130 Ländern. Quelle: CAU
Kiel

Auf der „Agritechnica“ in Hannover vom 11. bis 17. November werden die Kieler ihre Forschungen und vieles mehr in der Halle 21 vorstellen.

Kieler bei der Fachausstellung für Landtechnik in Hannover

Zu der Fachausstellung für Landtechnik werden über 450.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Die Kieler Ergebnisse dürften dort auf großes Interesse stoßen. Denn wenn Kühe weniger Methan ausstoßen, verbessert das unser Klima. 

In einem kleinen schmalen Büro hinterm großen Uni-Hochhaus sitzt Dr. Carsten Malisch und jongliert an seinem Computer mit Zahlen, Daten und Messergebnissen. Der Umweltwissenschaftler der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät leitet den Feldversuch mit den Kühen.

Die Tiere stehen auf dem Lindhof in der Gemeinde Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) auf dem Versuchsgut der Kieler Uni. Rund 90 Kühe grasen hier im Ortsteil Lindhöft von März/April meist bis in den November hinein auf der Weide.

96 Prozent des Methans entsteht beim Rülpsen

Während bei anderen Tieren oft die Luft aus dem Darm für einen Treibhauseffekt sorgt, ist es bei Wiederkäuern umgekehrt. Sie rülpsen eher als dass sie pupsen. „96 Prozent des Methans wird bei Kühen über das Maul ausgestoßen“, sagt Carsten Malisch. „Deshalb erfassen wir ihre Atemluft.“

Für die Messung bekommen die Kühe eine ausgeklügelte Technik auf den Rücken geschnallt. Die hat Doktorandin Cecilia Loza aus Uruguay entwickelt. Wobei sie das Prinzip aus ihrer Heimat mitgebracht hat, wo ebenfalls Forschungen auf diesem Gebiet laufen.

Beim Wiederkäuen entweicht ein Schwall Methan

„An einem ganz normalen Longiergurt für Ponys werden Unterdruckflaschen aufgehängt“, sagt Carsten Malisch. „Pro Minute werden 0,005 Milliliter Atemluft angesaugt und später im Labor untersucht.“ Immer wenn eine Kuh gefressenes Gras wiederkäut, kommt ein Schwall Methan mit heraus. Aber ist es immer die gleiche Menge?

Die Kieler haben hierbei herausgefunden, dass Gras nicht gleich Gras ist. Mit der richtigen Weide-Ansaat kann ein Landwirt tatsächlich die Methan-Menge verringern.

„Wir haben zwei Testweiden angelegt“, erklärt Carsten Malisch. Auf der einen Weide wachsen nur Weidelgras und Weißklee. Auf der zweiten gedeihen noch sechs weitere Arten: Rotklee, Kleiner Wiesenknopf, Spitzwegerich, Hornschotenklee, Wegwarte und Wiesenkümmel.

Die Retter heißen: Kleiner Wiesenknopf und Hornschotenklee

„Im Labor haben wir alle Arten einzeln getestet“, sagt Carsten Malisch. „Dabei kam heraus, dass der Kleine Wiesenknopf und der Hornschotenklee einen enormen Effekt haben.“ Aber in der Praxis ist das seltsamerweise noch nicht zu erkennen.

„Beide Weidenarten schneiden im Moment genau gleich ab. Aber wir sind noch ganz am Anfang unserer Forschung“, räumt der Wissenschaftler ein. „Wahrscheinlich liegen die bisherigen Ergebnisse an dem zu geringen Anteil dieser beiden potenten Arten.“ 

Geplant ist, mehr von den „rülps-reduzierenden“ Wildkräuterarten auf den Weiden auszusäen. „Wir wissen jetzt, welches die Kandidaten sind, auf die wir setzen müssen“, sagt Carsten Malisch.

Ziel der Forschung: Die Klimabilanz verbessern

Wenn der 33-Jährige, der in Freiburg im Breisgau aufwuchs, von seinen Forschungen erzählt, muss er immer wieder viel erklären. Nein, es ginge nicht darum, den Leuten das Fleisch madig zu machen, betont er. „Vielmehr geht es darum, unsere Klimabilanz zu verbessern.“ 

„Das Tolle ist, dass man unsere Ergebnisse heute schon umsetzen könnte und damit unser Klima positiv beeinflussen würde“, so Carsten Malisch.

Er und sein Team untersuchen auf dem Lindhof nicht nur die rülpsenden Kühe, sondern auch die Weiden. Wie viel Nitrat aus den Hinterlassenschaften der Tiere sickert ins Grundwasser? Welche Insekten gibt es? Wie viel Kohlenstoff wird im Boden gebunden?

„Das Gras der Weide speichert Kohlenstoff im Boden. Dadurch wird unser Klima verbessert und gleichzeitig auch der Boden.“ Der Wissenschaftler hat enormen Spaß an seiner Arbeit. „Mit unseren Forschungen helfen wir dem Landwirt und dem Verbraucher und bieten Lösungen zum Thema Klimawandel. Erfüllender kann man seinen Tag nicht verbringen.“

Das Versuchsgut Lindhof der Kieler Uni

Der Lindhof ist seit 1948 ein Versuchsgut der Christian-Albrechts-Universität. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf Ökologischem Landbau und extensiver Landnutzungssystemen. Der Betrieb befindet sich im Östlichen Hügelland in Lindhöft, einem Ortsteil von Noer. Insgesamt 186 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche wird bewirtschaftet. Die Ackerflächen werden hauptsächlich für den Anbau von Speise- und Futtergetreide sowie Feldfutter (Kleegras) genutzt. Zum Hof gehören 94 Milchkühe der Milchrasse Jersey, die vom Aussterben bedrohte Haustierrasse Angler Sattelschwein, 200 Legehennen sowie unzählige Bienen der Imkerei Lindenwohld. Angeschlossen ist ein Hofladen. Zudem bietet der Lindhof regelmäßig Führungen für Kindergärten und Schulklassen an. Weitere Informationen finden Sie hier.

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