"Klimaretter-Lebensretter" : Svantje Beck aus Kiel ist beste Klimaretterin
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"Klimaretter-Lebensretter" : Svantje Beck aus Kiel ist beste Klimaretterin

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10:08 15.07.2020
Von Heike Stüben
Die Kielerin Svantje Beck hat ihren persönlichen CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt. Ein wichtiger Baustein: Die 27-Jährige ernährt sich vegan. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Privat bemüht sich Svantje Beck schon länger, möglichst klimaschonend zu leben. "Ich kaufe viel Kleidung Second-Hand, achte auf den Energieverbrauch, überlege beim Konsum, ob ich etwas wirklich benötige, und ernähre mich seit drei Jahren vegan", erzählt die 27-Jährige.

Auslöser für die Ernährungsumstellung seien gesundheitliche Gründe gewesen. "Mir ging es nicht gut, wenn ich Fleisch oder Käse gegessen hatte. Also habe ich tierische Produkte weggelassen. Seither fühle ich mich fitter."

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Von veganer Ernährung zum Klimaschutz

Das Thema beschäftigte sie mehr und mehr. "Die Problematik der Massentierhaltung und deren Folgen für Tierschutz, Umwelt und Klima haben mich dann in meiner Haltung bestärkt."

Diese vegane Lebensweise war ein echter Vorteil im Wettbewerb. "Da ging es allerdings ausschließlich um CO2-Einsparungen im Arbeitsalltag", erklärt Svantje Beck, die als Sachbearbeiterin bei der DAK arbeitet. Das ist wichtig, weil sich "Klimaretter-Lebensretter" gezielt an die Beschäftigten im Gesundheitswesen richtet.

Das steckt hinter "Klimaretter-Lebensretter"

Prof. Franz Daschner wurde im Jahr 2000 als erster Mediziner mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld gründete er im Jahr 2002 die Stiftung viamedica. Das Ziel: mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Ein Projekt: der Wettbewerb „Klimaretter-Lebensretter“. Seit 2018 können sich Unternehmen und Beschäftigte aus der Gesundheitswirtschaft und dem öffentlichen Gesundheitswesen beteiligen. Schirmherr ist Prof. Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium und der Nationalen Klimaschutz-Initiative. Bisher wurden 568.932 Kilogramm CO2 eingespart. Hier kann man mitmachen.

Effektiv: mit dem Rad zur Arbeit

Dabei wird es den Teilnehmern leicht gemacht: Jeder bestimmt selbst, wo und wie lange er Treibhausgase einsparen möchte. Dabei wird er fortlaufend über seinen persönlichen Fortschritt informiert.

Svantje Beck zum Beispiel hat den Weg zur Arbeit möglichst immer mit dem Rad zurückgelegt. "Ich habe bewusst kein Auto, aber ich kann ja auch den Bus nehmen. Jetzt aber bin ich selbst bei Regen geradelt." Allein durch die konsequente Nutzung des Fahrrads auf dem Arbeitsweg hat sie 1549 Kilogramm CO2  eingespart – der größte Posten bei der Verkleinerung ihres CO2-Fußabdrucks und natürlich auch ein gesundheitlicher Gewinn.

Wenig ausdrucken, viel Leitungswasser trinken

Am Arbeitsplatz selbst hat sie dann konsequent die Treppe genutzt und den Aufzug links liegengelassen. Das hat zwar nur ein paar Kilogramm CO2-Ersparnis gebracht, aber es ging schließlich um einen ganzheitlichen Ansatz. "Der Wettbewerb hat Verhaltensweisen bewusst gemacht, die sich eingeschliffen haben, die man aber leicht ändern kann."

Dazu gehörte auch, konsequent das Licht zu löschen, wenn man den Raum verlässt, und das Tageslicht besser auszunutzen. Natürlich hat sich Svantje Beck auch in den Pausen vegan ernährt und wie zu Hause nur Leitungswasser getrunken. Denn bei Produktion, Abfüllung und Transport von Mineralwasser wird jede Menge CO2 freigesetzt. Wer stattdessen zwei Liter Leitungswasser am Tag trinkt, spart dadurch in vier Wochen 12,6 kg CO2 ein. 

Wunsch: Bioprodukte billiger machen

Gerne hätte sie auch noch mehr regionale Bio-Produkte gekauft. Denn bei saisonalen Lebensmitteln aus der Region entfällt der Energieverbrauch für den Transport und meist auch für die Lagerung der Lebensmittel im Kühlhaus. So können in einem Monat bereits knapp acht Kilogramm CO2 eingespart werden.

"Aber manches Bioprodukt ist noch nicht regional zu bekommen oder ist sehr viel teurer als Lebensmittel, die weiter weg produziert werden. Diese Lebensmittel müssten mehr gefördert werden."

Arbeitgeber DAK hat auch profitiert

Dennoch hatte die Kielerin am Ende des einjährigen Wettbewerbs 2950 Kilogramm Treibhausgase  eingespart – der Sieg. Neben einer Stele gab es eine Essenseinladung von der DAK. Denn Svantje Beck hat kräftig dazu beigetragen, dass die DAK den dritten Platz in der Sparte große Unternehmen abgeräumt hat.

Klar, dass die 27-Jährige ihr klimaschonendes Verhalten weiter ausbauen will. Das Argument, das bringt nichts, weil Deutschland nur zwei Prozent der weltweiten Klima-Emissionen verursacht, hält sie nicht für stichhaltig.

Deutsche verhalten sich besonders klimaschädlich

Denn Deutschland stößt überproportional viel Klimagase aus, weil es nur ein Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Laut dem "Brown to Green"-Bericht verursacht ein Deutscher im Schnitt mit 11,1 Tonnen Treibhausgasen pro Jahr fünfzig Prozent mehr als ein Brite, 63 Prozent mehr als ein Italiener und 76 Prozent mehr als ein Franzose. "Deshalb sollte jeder überlegen, was er zum Klimaschutz beitragen kann", findet Svantje Beck.

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