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Kiel HSV-Fan zu vier Jahren verurteilt
Kiel HSV-Fan zu vier Jahren verurteilt
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19:27 03.01.2019
Von Thomas Geyer
Am Tag des HSV-Abstiegs stach der Angeklagte auf seinen Bekannten ein. Quelle: Axel Heimken/dpa (Symbolfoto)
Kiel

Nach achttägigem Prozess verurteilte eine Strafkammer des Kieler Landgerichts jetzt den geständigen Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe.

Der zur Tatzeit stark alkoholisierte Angeklagte (44) muss seinem Bekannten (54), den er bei dem Vorfall in Norderstedt lebensgefährlich verletzt hatte, zudem 15000 Euro als Wiedergutmachung zahlen. Laut Urteil war der im Streit hochgradig erregte Fußballfan nur vermindert schuldfähig, als er in der Wohnung seiner Lebensgefährtin ausrastete.

Auch eine Frau war Anlass zum Streit

Der Messerstecher verletzte mit der sieben Zentimeter langen Klinge Herz und beide Lungenflügel. Bis heute klagt der Nebenkläger über Atemprobleme. Fußball war nicht ihr einziges Konfliktthema: Zwischen den beiden Männern stand die Frau, in deren Wohnung der Streit eskalierte.

Die 52-jährige Gastgeberin ist die Ex-Frau des Opfers und die Lebensgefährtin des Täters. Dass die Frau den Älteren auch nach dem Ende ihrer Beziehung zu mehrtägigen Zechgelagen in ihre Wohnung einlud, machte den Jüngeren eifersüchtig.

Mann stach mit Messer zu  - und leistete keine Hilfe

Offenbar erreichte der Streit zwischen den Männern seinen Höhepunkt, als der Angeklagte den Nebenbuhler vergeblich aufforderte, ihm beim Entsorgen des Leerguts zu helfen. Er soll ihn deshalb als „Nassauer“ und „Penner“ beschimpft haben. Im Flur stach er sechs Mal zu und verließ die Wohnung mit dem Leergut, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern.

„Das Ganze war schlimm und tut mir sehr leid“, bekannte der Angeklagte in einer persönlichen Erklärung, die sein Verteidiger zu Prozessbeginn verlas. Er habe sich selbst der Polizei gestellt und ohne anwaltliche Beratung zur Tat bekannt. Vor Gericht berief sich der Messerstecher auf eine Notwehrsituation, rückte jedoch davon ab, nachdem ihm die Kammer im Rahmen einer Verständigung eine Strafobergrenze von vier Jahren zugesagt hatte.

Haftbefehl ausgesetzt: Mann muss sich bei der Polizei melden

Zur Person gab der Angeklagte an, früher selbst bei Arbeitsunfällen als Gerüstbauer und bei einer Schlägerei schwer verletzt worden zu sein. Wegen der Folgen beziehe er seit Jahren 550 Euro Unfallrente. Vor seiner Festnahme arbeitete er als Küchenhelfer bei der Lufthansa am Hamburger Airport. Im Sommer 2017 zog er bei seiner Lebensgefährtin ein, deren Wohnung Tatort wurde.

Mit der Verkündung des Urteils setzte die Kammer den Haftbefehl außer Vollzug. Bis zum Antritt der Strafe muss der 44-Jährige seine Ausweispapiere abgeben und sich zwei Mal wöchentlich bei der Polizei melden.

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