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Kiel Wubbke: Bier testen in uriger Atmosphäre
Kiel Wubbke: Bier testen in uriger Atmosphäre
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15:59 10.03.2020
Von Jördis Merle Früchtenicht
Im Winter kommen auch unter der Woche viele Gäste ins Wubbke in der Holtenauer Straße. Quelle: Frank Peter
Kiel

Unscheinbar wirkt die schwarze Fensterfront in der Holtenauer Straße zwischen Eisdiele und Buchhandlung, hinter der sich seit 1972 das Wubbke verbirgt. Betritt man die Kneipe durch den Windfang mit rotem Vorhang, gelangt man in einen übersichtlichen Raum mit dunklen Holzbänken, die an diesem Abend fast alle besetzt sind. Im Hintergrund läuft leise Musik, die sich mit dem Stimmengewirr der Gäste an den Tischen vermischt.

Auf dem Namensschild des Wubbke wird mit „Spezialausschank“ geworben. Zurzeit stehen über 30 Biere auf der Karte. „Wir testen sehr viele verschiedene Sorten aus“, sagt Denis Hayes, der Inhaber des Wubbke. „Ein Großteil der Sorten kommt von unabhängigen Brauereien, kleinen Familienbetrieben.“ Standardgröße für ein Bier ist ein halber Liter. „Wir haben aber auch 0,3-Liter-Gläser, das heißt dann bei uns Mädchenbier.“

Das ist das Wubbke

Das Wubbke gibt es seit 1972 in der Holtenauer Straße 112 in Kiel.

Auf der Speisekarte stehen Sandwiches, Burger, Salate aber auch Knabbersachen. Neben über 30 Biersorten gibt es verschiedene Cidersorten, Whiskeys und die in Kneipen üblichen Spirituosen und Softdrinks.

Rauchen ist in der Kneipe nicht erlaubt.

Öffnungszeiten: montags bis sonnabends von 19 bis 1 Uhr nachts. Sonntags ist Ruhetag.

Sitzplätze: etwa 45

Das meistbestellte Getränk: Bier vom Fass (Pilsener Urquell, Guinness)

Das meistbestellte Essen: Burger, Käseteller, Bretzeln, Lachs

Preise: 2,80 Euro für ein Bier, 4,80 Euro für ein Glas Wein, 2,50 Euro für eine Cola, 2 Euro für ein Wasser

Denis Hayes betreibt das Wubbke seit 1974

Hayes betreibt die Kneipe seit 1974. Verändert habe sich in den 45 Jahren nicht viel, sagt er. „Nur eines: Es kommen mehr Generationen als früher. Heute sind die Gäste zwischen 18 und 90 Jahren alt, früher war es mehr eine Altersgruppe.“ Gerade zum Wochenende hin kämen oft mehrere Generationen einer Familie.

„Es hat sich hier nichts verändert“, sagt Stammgast Barney. „Hier gibt es nach wie vor eine gemütliche Gesprächsatmosphäre.“ Der 67-Jährige kommt bereits seit den 1970er Jahren regelmäßig ins Wubbke. „Denis war der erste, der Guinness in Kiel angeboten hat. Für mich ist das Wubbke der eigentliche Irish Pub hier in Kiel.“

Livemusik gibt es in der Kneipe nicht. Dafür sei der Raum zu klein, sagt Hayes. „Das hatten wir früher ein paar Mal. Dann war es so voll, dass man hier nicht mehr arbeiten konnte.“ Einmal sei die irische Band Furey Brothers nach einem Konzert noch ins Wubbke gekommen. Sie spielten etwas vor – auf einem Dudelsack. „Nach 20 Minuten war die Polizei hier. Den Dudelsack konnte man noch in den Wohnungen auf der anderen Straßenseite hören.“

Der Messingleuchter stammt aus dem Kieler Rathauskeller

Unter der Decke des Schankraums hängt ein imposanter Leuchter aus Messing, er scheint heller zu strahlen als die anderen Lampen. Der Kronleuchter habe bis 1945 im Kieler Ratskeller gehangen, erzählt Hayes. Nach einem Bombenangriff wurde der Leuchter von einem Bauunternehmer eingelagert. Von dort gelangte er Ende der 1970er Jahre ins Wubbke. „Eigentlich wollte ich bei dem Bauunternehmer einen Schreibtisch abholen. Dann fiel mir der Leuchter ins Auge“, so Hayes. Mit einer Schubkarre habe er ihn nach Hause gebracht.

So sieht es jetzt im Wubbke aus

Die Kneipe Wubbke an der Holtenauer Straße in Kiel gibt es bereits seit 1972. Stammgäste kommen ebenso hierher wie neue Kunden.

Geschichten zur Einrichtung oder den zahlreichen Bildern an den Wänden kann Hayes ebenso erzählen wie Anekdoten von Gästen. „Ich mache das hier wahnsinnig gern, die Leute sind lustig, man hat immer was zu lachen“, sagt Hayes. Und ergänzt: Man müsse alles mit Humor nehmen.

An einem Platz am Fenster, unter einem ausgestopften Fuchs, sitzen Philipp Meyer (27) und Marcel Eckmann (28). Die beiden Kieler Studenten waren noch nicht oft im Wubbke, doch die Kneipe gefällt ihnen: „Die Atmosphäre hier ist urig, im Gegensatz zu manchen Cocktailbars. Hier kann man einfach sein Bier trinken und quatschen“, sagt Philipp Meyer. „Die Bierauswahl ist top. Wir haben uns das Ziel gesetzt, nach und nach alle Biere zu probieren“, so Marcel Eckmann.

Ein Rauchverbot gab es im Wubbke schon vor der gesetzlichen Regelung

Wer im Wubbke rauchen möchte, muss vor die Tür gehen. Ein Rauchverbot gab es in der Kneipe schon, bevor es gesetzlich geregelt wurde. „Mir hat das Rauchen gestunken, buchstäblich. Da konnte man sich zuhause vor der Waschmaschine ausziehen“, so Hayes. Das Verbot in der Kneipe wurde nicht ohne Widerspruch eingeführt. „Einer sagte: ‚In vier Wochen bist du pleite.“ Ich meinte, das werde man sehen.“ Über ein Jahrzehnt später wird in der Kneipe an der Holstenauer Straße noch immer Bier ausgeschenkt.

Kneipen in Kiel

Mal sind sie kultig eingerichtet, mal durchgestylt, in einigen darf geraucht werden, in anderen gibt’s regelmäßig Livemusik: Die Vielfalt von Kiels Kneipen ist groß. Warum sich manche Lokale schon so lange gehalten haben und was den besonderen Reiz von mancher Neueröffnung ausmacht, das wollen wir in unserer Serie beleuchten. Über diese Kneipen haben wir bisher berichtet:

Pogue Mahone: Wo die irische Seele zu Hause ist

Café Godot: Quiz-Arena und Künstlertreff

Palenke: Kleine Eckkneipe mit Charme

Strongbow's: Britisches Flair in Kiel

Mango’s: Cocktails und guter Service

Bambule: Das Kneipenrestaurant, in dem die Zeit stillsteht

Mum & Dad: Cocktails am Rand der City

Hot Rock: Metal-Oase am Südfriedhof

Hanging Garden: Der Wirt prägt das Lokal

Die Gaslaterne: Eine Familie hinter Butzenscheiben

Phollkomplex: Entspannen ist einfach

Backgammon: Das Wohnzimmer von Hassee

Prinz Willy: Viel Platz für Livemusik

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