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Kiel Glück mit Nebenwirkungen
Kiel Glück mit Nebenwirkungen
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06:00 27.06.2014
Von Katja Reinhardt
Der Konsum von Alkohol bei Jugendlichen stellt immer noch das Hauptproblem dar. Quelle: dpa/ Uwe Anspach
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Kiel

Doch neben den zahlreichen Segelschiffen, den vielen Konzerten, dem kulinarischen Essen und den Besuchern aus aller Welt, stößt man vor allem auf Feierwütige, die sich mit Alkohol und Drogen ins Getümmel werfen. 

Bis in den frühen Morgen dauern die Partys auf der KiWo und das Angebot ist groß. Jeden Tag eine neue Party und jeden Tag mit vollem Einsatz dabei - wo so viele gut gelaunte Menschen aufeinander treffen, da wird auch gerne gefeiert und wo gefeiert wird, da fließt auch Alkohol. Schnell fallen einem die zahlreichen Betrunkenen auf, die pöbelnd durch die Straßen laufen, taumeln, schubsen oder irgendwo ihren Rausch ausschlafen. Vor allem gegen Abend sieht man in den Händen der Besucher hauptsächlich alkoholische Getränke. Doch was die Wenigsten sehen ist, dass neben dem Alkohol auch Drogen eine immer größere Rolle spielen. Es scheint beinahe so, als sei es völlig normal geworden, zwischen Fremden und Freunden auf offener Straße ein Bier zu trinken und dazu einen Joint zu rauchen. Immer mehr Jugendliche beginnen schon in der Schulzeit mit dem Konsum von Rauschmitteln. „Mit Alkohol fängt es an und dann kommen Zigaretten dazu. Mit 15 habe ich dann auf einer Party das erste Mal gekifft. Es ist nicht schwer an sowas ran zu kommen“, verrät der 17-jährige Tim aus Kiel.

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„Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass der Konsum zunimmt - es kiffen eher mehr als weniger Jugendliche, das liegt aber auch an der hohen Verfügbarkeit an jeder Ecke. Für viele ist es gefühlt gar keine illegale Droge mehr, da es so schnell verfügbar und so weit verbreitet ist“, berichtet Andreas Dehnke, Geschäftsführer vom Drogenhilfeverein Odyssee Kiel.

Eine weitere Welle bilden zudem die chemischen Drogen. Immer mehr Jugendliche, aber auch Erwachsene, greifen auf Partys gerne mal zu Pillen und Pulver. Neben Speed und LSD ist der Konsum von Ecstasy momentan hoch im Kommen. Vor allem das in den Ecstasytabletten enthaltenden MDMA, erfreut sich an immer größer werdender Beliebtheit. MDMA, oder auch „Emma“ genannt, gehört zu der Gruppe der Amphetamine und bewirkt die Ausschüttung von Serotonin und verschafft so ein befristetes Glücksgefühl. Es steigert vor allem das Einfühlungsvermögen und die Kommunikationsbereitschaft und senkt die Hemmungen.„Auf Emma ist man viel friedlicher und alle um einen herum sind plötzlich deine Freunde und man achtet ja auf das Wohl seiner Freunde“, erklärt eine 26 jährige Konsumentin. Doch hinter den verschieden farbigen Pillen mit lustigen Motiven lauert eine große Gefahr, denn was neben MDMA noch alles hineingemischt wird, wissen die Konsumenten in der Regel gar nicht. Derzeit finden sich auf verschiedenen Plattformen im Internet, auf denen vor gefährlichen Pillen gewarnt wird, immer häufiger Substanzen wie 2 C-E, 2 C-B, MDA, sowie das lebensgefährliche PMMA. „Kiel ist ganz klar die Metropole in Schleswig-Holstein was illegale Drogen angeht. Insbesondere Partydrogen sind momentan bei jungen Menschen sehr angesagt. Aber insgesamt muss ich sagen, das größte Problem ist und bleibt der Alkoholkonsum bei Jugendlichen“, sagt Andreas Dehnke, der auch direkt auf Partys Aufklärungsarbeit leistet.

Silke Mathey, Pressesprecherin von der Polizeidirektion Kiel, gibt jedoch Entwarnung, „Bei der Kieler Woche tritt der Drogenmissbrauch nicht vermehrt auf und ist auch nicht auffälliger als sonst. Insgesamt ist der Missbrauch von Drogen in Kiel recht "konstant".