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Kiel Deutlich weniger Straftaten in Kiel
Kiel Deutlich weniger Straftaten in Kiel
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15:15 22.05.2018
Den größten Anteil aller in Kiel begangenen Straftaten machen wie auch in den Jahren zuvor mit knapp 48,28 Prozent die Diebstahlsdelikte aus. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Kiel

Bereits 2016 waren die Straftaten um 0,6 Prozent gesunken, doch im Vergleich dazu sind sie 2017 noch einmal deutlich um 7,6 Prozent zurück gegangen. Das entspricht einer Anzahl von knapp 2.000 Taten. Bei der Kriminalitätsbelastung hat Kiel den niedrigsten Wert der kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein. Die Kriminalitätsbelastung gibt die Häufigkeitszahl bezogen auf 100.000 Einwohner an. Der Wert in Kiel liegt bei 9.673. 

Deutlich weniger Fahrraddiebstähle

Die Zahl der festgestellten Einbrüche konnte 2017 erneut um knapp 8,5 Prozent gesenkt werden. Auch die sogenannten Rohheitsdelikte sind um über 7 Prozent zurück gegangen. Beispielsweise sind im vergangenen Jahr über 35 Prozent weniger Fahrräder gestohlen worden. In Zahlen: 2017 wurden in Kiel über 1.100 Fahrräder weniger gestohlen als im Vorjahr. Ein Erfolg, den der Leiter der Polizeidirektion Kiel, Thomas Bauchrowitz, auch in der Einrichtung der "Ermittlungsgruppe Speiche" beim 2. Polizeirevier sieht: "Die dortigen Kollegen konnten mehrere Tatverdächtige ermitteln und zum Teil internationale Verschiebungen aufklären".

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Intensive Bemühungen gegen die Einbrecher zahlte sich aus

Die intensiven Bemühungen gegen die Einbrüche sind Bauchrowitz zufolge auch 2017 für den Rückgang der Taten verantwortlich. "Durch offene und verdeckte Maßnahmen - bis hin zum Hubschraubereinsatz - und die enge Verzahnung von Ermittlungen und Streifentätigkeit, sowie der Durchführung einer Vielzahl von Beratungsveranstaltungen zum Thema Einbruchschutz haben wir hier erfolgreich einen deutlichen Arbeitsschwerpunkt gesetzt." Es ist den Kieler Ermittlern gelungen, mehrere Tatverdächtige vorläufig festzunehmen beziehungsweise in Untersuchungshaft zu bringen. "Der Verschärfung des Strafrechts, das den Einbruch in dauerhaft genutzte Wohnungen nun als Verbrechen einstuft, wird hier Rechnung getragen", so der Behördenleiter.

Hinweise von Zeugen halfen

Bauchrowitz betont erneut die Wichtigkeit von Anrufen der Bürger beim Polizeiruf 110 bei verdächtigen Beobachtungen: "Durch Ihre Hinweise haben wir in mehreren Fällen Tatverdächtige auf frischer Tat festgenommen. Scheuen Sie sich nicht, die 110 zu wählen!"

Sexuelle Straftaten stiegen deutlich an

In Kiel sind allerdings die angezeigten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 146 Fälle auf nun 330 Taten deutlich angestiegen. Thomas Bauchrowitz sieht die Zunahme unter anderem auch dadurch begründet, dass es eine Änderung des Strafrechts gegeben habe. Denn die Paragraphen 184i StGB (Sexuelle Belästigung) und 184j StGB (Straftaten aus Gruppen) sind erst neu zum Strafgesetzbuch hinzugefügt worden. Dadurch haben allein schon 60 Taten Eingang in die PKS gefunden, die in den Vorjahren nicht erfasst werden konnten. Hinzu kommt die öffentliche Diskussion und Enttabuisierung (#MeeToo, "Ein Nein ist ein Nein!"), wodurch eine Vielzahl Delikte angezeigt wurde und so mehr Taten aus dem Dunkelfeld ins sogenannte Hellfeld gerückt sind. Außerdem gab es im Bereich der Kieler Universität eine kleinere Tatserie eines Exhibitionisten, der mittlerweile aber gefasst ist.

Zahlen & Daten:

Straftaten

23.934 Straftaten sind 2017 in der PKS für die Landeshauptstadt Kiel aufgeführt. 2016 waren es 25.908, was einem Rückgang von 1974 Taten beziehungsweise 7,6 Prozent entspricht. Im 10-Jahres-Vergleich haben sich die Straftaten in Kiel von 31.900 in 2008 damit deutlich um knapp 25 Prozent reduziert und befinden sich gleichzeitig auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Bei der Kriminalitätsbelastung weist Kiel mit einer Häufigkeitszahl von 9.673 erstmals wieder eine Belastung von weniger als 10.000 Straftaten pro 100.000 Einwohner aus. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 846 (8%) gesunken. Im Vergleich mit den drei anderen kreisfreien Städten Neumünster (12.238), Lübeck (10.896) und Flensburg (10.187) schneidet Kiel, wie auch in den Vorjahren, hier am besten ab.

Aufklärungsquote

Bezogen auf alle Deliktsbereiche liegt die Aufklärungsquote bei
23.934 bekannt gewordenen Straftaten bei 48 Prozent. 2016 betrug die Aufklärungsquote 50 Prozent.

Ermittelte Tatverdächtige

7.949 Tatverdächtige hat die Kieler Polizei 2017 ermittelt. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber den 2016 ermittelten 9.249 Personen, lässt sich aber auch dadurch erklären, dass durch den versiegenden Flüchtlingsstrom deutlich weniger Verstöße gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen zu erfassen waren. Etwa 38 Prozent der Tatverdächtigen waren bereits polizeilich bekannt. Knapp 67 Prozent aller Tatverdächtigen sind in Kiel wohnhaft, 80 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind männlich.

Deutlich überrepräsentiert sind die Jugendlichen und Heranwachsenden (Altersgruppe 14-21), die zusammengefasst 18,09 Prozent aller Tatverdächtigen stellen, jedoch nur 6,81 Prozent der Kieler Bevölkerung ausmachen.

Dieser überdurchschnittlich hohe Anteil wird bereits seit Jahren festgestellt und im Allgemeinen mit der entwicklungstypischen Phase junger Menschen erklärt. Zur Verhinderung einer Verstetigung dieser Entwicklungen werden Ermittlungen gegen jugendliche Intensivtäter seit mehreren Jahren im Kommissariat 13 der BKI Kiel konzentriert bearbeitet. Darüber hinaus werden auch bei den Polizeirevieren Ermittlungen gegen Jugendliche durch spezialisierte Jugendsachbearbeiter bearbeitet.

Nichtdeutsche Tatverdächtige

Von den ermittelten 7.949 Tatverdächtigen waren 27,6 Prozent nichtdeutscher Nationalität. Rechnet man die rein ausländerrechtlichen Verstöße ab, ergibt sich eine Prozentzahl von knapp 25 Prozent.

Eine mögliche Zuwanderungshistorie kann mit der PKS nicht dargestellt werden, da nur die bei Begehung der Straftat aktuelle Staatsangehörigkeit aufgenommen wird. Gleichfalls gibt es Delikte, wie zum Beispiel im Ausländerrecht, die ausschließlich von Ausländern begangen werden können.

Diebstahlsdelikte

Den größten Anteil aller in Kiel begangenen Straftaten machen wie auch in den Jahren zuvor mit knapp 48,28 Prozent die Diebstahlsdelikte aus. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2017 um 53 Taten gegenüber dem Vorjahr gesunken, insgesamt gab es 572 Taten. Das entspricht dem zweitniedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre.
Darin enthalten sind 281 Versuche, also rund 50 Prozent. Die Zahl der angezeigten Fahrraddiebstähle ist von 3.314 auf 2.123 in 2017 gesunken. Mit Einrichtung der EG Speiche hat die Polizeidirektion Kiel in diesem Deliktsfeld erfolgreich einen neuen Arbeitsschwerpunkt gesetzt. Dennoch appellieren wir an die Eigenverantwortlichkeit der
Fahrradbesitzer: Ein hochwertiges Schloss hält so manchen Fahrraddieb von seinem Vorhaben ab.

Rohheitsdelikte

Einen Rückgang von 7,2 Prozent (250 Taten) verzeichnete die Kieler Polizei im Bereich der Rohheitsdelikte. Insgesamt haben Rohheitsdelikte einen Anteil von 13,49 Prozent an der Gesamtkriminalität. Die Zahl der angezeigten Raubtaten (284) sank im Vergleich zu 2016 um acht Taten. Die Gesamtzahl der Körperverletzungen ist von 2.551 Taten in 2016 auf 2.353 Taten
(-7,8%) gesunken.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist im Vergleich 2016 zu 2017 um 146 Taten auf 330 Taten angestiegen, was einer Steigerung von knapp 80 Prozent entspricht. Als ein Grund hierfür kommt unter anderem in Betracht, dass die Änderung des Strafrechts durch neue Paragraphen nun Fälle erfasst, die zuvor nicht in der PKS abgebildet werden konnten. Dies betrifft rund 60 Fälle aus 2017. Weiterhin ist eine Enttabuisierung durch die öffentliche Debatte zu diesen Themen festzustellen, so dass auch eine Verschiebung vom Dunkel- zum Hellfeld stattgefunden hat.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte machen 12,26 Prozent aller in Kiel bekannt gewordenen Straftaten aus. Im Vergleich zum Vorjahr sind die 2017 2.935 angezeigten Taten fast exakt gleich geblieben (2016:
2.934).

Rauschgiftkriminalität

2017 stellte die Polizei insgesamt 964 Fälle von Rauschgiftkriminalität fest, das sind 92 Fälle mehr als im Vorjahr. Die meisten Fälle standen im Zusammenhang mit Cannabis-Produkten. Da es sich bei Rauschgiftdelikten in der Regel um sogenannte Kontrollkriminalität handelt, ist die Steigerung auch auf eine beim 4. Polizeirevier eingerichtete Ermittlungseinheit zur Intensivierung des Straßendeals zurückzuführen. Aus der Bevölkerung erlangt die Polizei zudem vermehrt Hinweise auf Cannabisplantagen in Wohnungen oder Aktivitäten von Dealern im öffentlichen Raum. 13 Drogentote gab es 2017 in der Landeshauptstadt, im Vorjahr waren es sieben.

Einsatzzahlen

Die Regionalleitstelle hat 2017 etwa 60.000 Einsätze in der Landeshauptstadt koordiniert. Darin enthalten sind direktionsweit 267 geschlossene Einsätze (z.B. Fußball, Demonstrationen), bei denen für die Polizisten - außerhalb des täglichen Reaktionsdienstes - etwa 72.000 Einsatzstunden anfielen.

Die vollständige Version der PKS finden Sie hier.

Von KN-online

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