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Kiel Kieler Woche: Soldaten ja, Waffen nein?
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06:23 08.02.2020
Von Michael Kluth
Open Ship während der Kieler Woche im Tirpitzhafen: Die Schiffe locken jedes Jahr Tausende Besucher an. Die Grünen fordern jetzt, „den Fokus anders zu setzen“. Quelle: Frank Behling
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Kiel

Ungeachtet des Widerstands der Kieler Grünen und Linken freut sich die deutsche Marine auf die Kieler Woche 2020 und darauf, „die Besatzungen der Partnernationen in Kiel begrüßen zu dürfen“. Das versichert Marinesprecher Bastian Fischborn. „Die Kieler Woche bietet dafür den idealen Rahmen.“ Die Resonanz der Treffen aus den vergangenen Jahren sei sehr positiv.

Bei der Marine sieht man gerade die Öffentlichkeit als wichtigen Grund für die Teilnahme der Einheiten an der Kieler Woche. „Jahr für Jahr verzeichnen wir steigende Besucherzahlen beim ,Open-Ship’“, so Fischborn. „Das zeigt, dass das Interesse der Öffentlichkeit an den Schiffen und Besatzungen sehr groß ist. Und die Soldaten freuen sich über die Chance zu Austausch und Dialog.“

Seit fast 30 Jahren nutzt die amerikanische Marine Kiel als Ort für Konferenzen vor oder nach dem Seemanöver Baltops. Dafür schicken die USA jedes Jahr große Einheiten in die Ostsee. Das wird auch in diesem Jahr so sein. Die Kieler Woche ist durch die Teilnahme der Baltops-Schiffe inzwischen das größte internationale Marinetreffen in Deutschland. Begleitet wird es von gemeinsamen Veranstaltungen wie Sportturnieren, Empfängen, Ausflügen und dem Marineball.

Seemanöver in der Ostsee: USA legen Schippe drauf

Das politisch umstrittene Seemanöver Baltops soll absehbar auch in diesem Jahr wieder bis zur Kieler Woche am 19. Juni dauern. Nachdem es im vergangenen Jahr mit 50 Einheiten und mehr als 8000 Soldaten eine Rekordbeteiligung gegeben hatte, deutet alles auf eine Wiederholung hin. In diesem Jahr legen die USA und die Nato noch eine Schippe drauf. Bereits im März wird mit Schiffsverbänden in der Ostsee geplant. Damit reagiert die Nato auf steigenden Manöveraktivitäten Russlands.

Großes Dossier

Alle Storys zu Baltops finden Sie hier.

Unterdessen verteidigt der grüne Kreisvorsitzende Luca Köpping den Beschluss seiner Partei, wonach die Kieler Woche ohne Manöver, ohne Sicherheitskonferenz der Uni und ohne Nachwuchswerbung der Bundeswehr auskommen soll. Nur weil die Bedeutung und die Verantwortung der Grünen gewachsen seien, „werfen wir ja nicht unseren Antimilitarismus über Bord“, sagt Köpping. Die Kieler Woche müsse als Fest der Völker und der Vielfalt „den Fokus anders setzen“. Nur dann seien die Grünen „zu einem Kompromiss mit einer gewissen Militärpräsenz“ bereit.

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Eine Friedenskonferenz zur Kieler Woche 2020?

Die Linke hatte zuletzt im Juni 2019 versucht, eine Entmilitarisierung der Kieler Woche in der Ratsversammlung durchzusetzen. Ihr Antrag dazu war gescheitert. Ein rot-grüner Alternativantrag, wonach die Kieler Woche 2020 von einer Friedenskonferenz begleitet werden soll, fand eine Mehrheit. Allerdings hatten einige Ratsmitglieder der Grünen gegen den eigenen Antrag mit den Linken gestimmt. Der Vorstandssprecher der Kieler Linken, Uli Schippels, kündigt eine neuerliche Initiative der linken Ratsfraktion in dieser Wahlperiode an.

Lesen Sie auch:Linker fordert Verbot von Feuerwerken auf der Kieler Woche

Grünen-Fraktionschef Arne Langniß kündigt an, für den Fall einer neuerlichen Abstimmung sei seine Fraktion zwar in der Kooperation mit SPD und FDP „in gewisser Weise gebunden“, werde aber auch „Unterschiede sichtbar machen“ und jedem grünen Ratsmitglied die Gewissensentscheidung wieder freistellen. Langniß formuliert den Kompromissvorschlag: „Die Menschen reinlassen, die Waffen draußen lassen.“

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Die Dänenpartei SSW sieht zwar „grundsätzlich keine Probleme durch die Beteiligung der Marine an der Kieler Woche“, eine kritische Diskussion über das Wie sei aber notwendig. Das gelte auch für die Berufsberatung, sagt SSW-Distriktchef Marcel Schmidt. Von der Sicherheitskonferenz erwarte der SSW „mehr Öffentlichkeit und einen substanziellen Beitrag zur Friedensforschung“.

Die satirische „Partei“ formuliert einmal mehr eine ganz eigene Haltung. Ihr Kreisvorsitzender Jens Wemhöner begrüßt die Bundeswehr mit den Worten: „Gewehre, die nicht schießen, Panzer, die nicht fahren, Flugzeuge, die nicht fliegen, U-Boote, die nicht tauchen – so sieht gelebter Pazifismus aus!“

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Die Kieler Grünen fordern eine „Entmilitarisierung“ der Kieler Woche. Sie verlangen unter anderem, dass Marinemanöver auf der Ostsee vor, während und nach dem Volksfest unterbleiben und dass die Bundeswehr auf ihre jährliche Nachwuchswerbung auf dem „Karriere-Truck“ an der Kiellinie verzichtet.

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