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Kiel Leinenpflicht für Hunde bewegt Kieler
Kiel Leinenpflicht für Hunde bewegt Kieler
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09:45 21.06.2012
Von Martin Geist
Kein Leinzwang in Kiel: Doch kann es oft sinnvoll sein, seinen Hund auch in der Stadt anzuleinen – allein schon, um ihn vor Verkehrsunfällen zu bewahren. Quelle: dpa
Russee/Hammer

Es handele sich offensichtlich um ein „Thema, das die Bürger bewegt“, sagte Ortsbeiratsvorsitzender Sven Plaumann (CDU) mit Blick auf die dicht besetzten Besucherplätze. Kein Wunder, denn großes Aufsehen hatte vor wenigen Wochen der Fall eines Schäferhundes erregt, der am Russeer See eine Hundehalterin angegriffen und ihren Terrier so heftig gebissen hatte, dass das Tier eingeschläfert werden musste. Kurz darauf schlugen zudem die Fußballer des TSV Russee Alarm, weil ihr Trainingsplatz an einem Wanderweg liegt, von dem aus immer wieder freilaufende Hunde aufs Sportgelände entwischen. Wirklich passiert ist zwar noch nichts, eine Gefahr kann aus Sicht der TSV-Betreuer aber nicht geleugnet werden.

 Frank Festersen ist im Bürger- und Ordnungsamt Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr und kennt sich mit der Materie genau aus. „Es gibt in Kiel keinen Leinenzwang“, stellte er klar. Geregelt sei nur, dass Hunde beispielsweise in Parks, auf Sportanlagen und in Wäldern nicht frei laufen dürfen.

 Der Vorfall mit dem Schäferhund hätte insofern nicht passieren müssen, denn der Angreifer – der allerdings offenbar zuvor von seinem wesentlich kleineren Artgenossen attackiert worden war – befand sich nicht an der Leine. Dass indes das Gebiet zwischen Mahnmal Arbeitserziehungslager und Siedlung Hammer als Wald zu betrachten ist, steht nach Angaben des Forstverwalters Stefan Bronnmann vom Grünflächenamt außer Zweifel. Wald ist seinen Worten zufolge immer dann, wenn mehr als nur eine kleine Baumgruppe die Landschaft ziert.

 „Gesunder Menschenverstand“ ist für Bronnmann im Umgang mit diesem Thema das beste Rezept. Rücksichtsvolle Hundehalter auf der einen Seite und auf der anderen Seite verständnisvolle Zeitgenossen, die akzeptieren, dass Bello und Co. auf bestimmten Flächen auch mal Auslauf genießen sollen, könnten das Miteinander wesentlich entspannen.

 Schwer mit dem gesunden Menschenverstand taten sich manche Ortsbeiräte und Besucher indes beim Thema Sportplatz. Der gilt zwar als strikt hundefreie Zone, nicht jedoch der direkt daran vorbeiführende Wanderweg, der durch keinerlei Zaun abgetrennt ist. Will heißen: Hunde dürfen ohne Leine laufen, Herrchen und Frauchen müssen aber gewährleisten, dass sie nicht ausbüxen, um auf dem Fußballplatz mitzuspielen.

 Seinen angesichts der Rechtslage nicht wirklich zufriedenen Zuhörern riet Bronnmann, Tierfreunde, die wiederholt gegen die Leinenpflicht verstoßen, auf ihr Verhalten anzusprechen und bei Uneinsichtigkeit durchaus auch anzuzeigen. Aufgegriffen haben die Männer aus dem Rathaus die Anregung des Ortsbeirats, an bedeutenden Stellen wie dem ehemaligen Arbeitserziehungslager Schilder zu montieren, die auf die Leinenpflicht hinweisen.

 Gut zu fügen scheint sich immerhin auch das Problem des TSV Russee. Nachdem sich die Kicker an KN-Leseranwältin Marion Neumann-Neurode (zu erreichen werktags zwischen 10.30 und 12.30 Uhr unter Telefon 0431-9032850) gewandt hatten und unsere Zeitung das Thema aufgegriffen hatte, gab es zahlreiche Spendenzusagen. Der Bau eines Schutzzauns in Vereinsregie rückt damit in greifbare Nähe. Zumal der Ortsbeirat auf Anregung von Nicole Petersen (SPD) die Stadt darum bittet, zu prüfen, ob der Zaunbau auch mit kommunalen Mitteln unterstützt werden kann.