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Kiel Der Magen fährt Achterbahn
Kiel Der Magen fährt Achterbahn
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20:43 23.06.2014
Von Imke Schröder
Redakteurin Imke Schröder stellt sich der Herausforderung: 30 Minuten freier Fall im Power Tower. Quelle: Sven Janssen
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Kiel

Bewusst verzichte ich darauf, vorher einen Arzt zu konsultieren. Netterweise hat mein Kollege Günter Schellhase mit Nachdruck auf eine Stunde Power Tower bestanden, bei 45 Minuten einigen wir uns dann. So lange im Freefall-Tower? Einmal, das mag ja kein Problem sein, aber mehrfach hintereinander? Ich weiß ja nicht. Die Vorbereitungen für diese körperliche Herausforderung sind relativ gering: Kontaktlinsen rein statt Brille einpacken. Und – ganz wichtig – aufs Mittagessen verzichten. Denn auch wenn ich seefest bin, heute traue ich meinem eigenen Magen nicht.

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 66 Meter hoch ist der Power Tower II von Christina Schneider, einer waschechten Quasselstrippe aus Düsseldorf. „Bei uns fahren vor allem Frauen mit, die Herren müssen sich immer erst Mut antrinken“, verrät die 46-Jährige. Als ich meinen Platz aussuche, fällt mir das auch sofort aus. Ich reiße den Altersschnitt enorm in die Höhe – vor allem junge Mädchen suchen offensichtlich den Nervenkitzel. Das Personal ist sehr nett, deutet aber mehrfach dezent an, dass ich wohl einen Vogel habe. Aber Sie, liebe Leser, haben es so gewollt. Was Sie nicht wussten: Ich bin bereits vom höchsten Freifallturm Europas gefallen. Bin sozusagen Profi. Aber dieser Turm scheint im kräftigen Kieler Wind stärker zu schwanken, oder täuscht das? Und irgendwie sind 66 Meter doch beeindruckend hoch. Und kann ich den Arbeitern vertrauen, die den Turm in drei Tagen aufgebaut haben? Vielleicht sollte ich das doch nochmal von unten ... zu spät, der Bügel wird runtergedrückt, und los geht’s.

 Oben angekommen ist es erstmal recht nett: Schöne Aussicht, das Wetter stimmt, und, ach, dahinten, das ist doch....kreisch, es geht bergab. Ich hatte mir fest vorgenommen nicht zu schreien. Das klappt nicht. Wir fallen runter, der Magen hüpft rauf. Ameisenparty im Bauch. Wieder ganz oben schreit das Mädchen neben mir lautstark: „Torben, ich hasse dich.“ So ein Turm setzt Emotionen frei. Und falls der Torben das nicht gehört hat: Hier hast du es noch einmal schriftlich. Nach ein paar Runden werden wir am Boden abgesetzt. Nur ich bleibe brav sitzen und überlege, ob ich meine Schuhe vielleicht doch fester zubinden sollte. Als alter Hase beantworte ich den Wartenden in der Schlange ihre Fragen: „Hast du Angst?“ „Ist das gefährlich?“ „Macht das Spaß?“

 Zu Beginn hatte ich mir vorgestellt, dass ich beim zweiten und dritten Mal vollkommen tiefenentspannt über die Hörn blicke. Doch gerade weil ich weiß, was mich erwartet, greifen meine kaltnassen Hände immer noch glibschend um den Haltegriff. Doch dann, bei der letzten Runde, lass ich endlich los. Und bin freihändig im freien Fall. Nach diesem Höhepunkt meiner Power-Tower-Erfahrung mach’ ich Schluss. Man soll ja aufhören, wenn es am Schrecklichsten, äh, Schönsten ist.

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