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Kiel Lindert Parkgebühr die Parkplatznot?
Kiel Lindert Parkgebühr die Parkplatznot?
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09:37 15.02.2013
Von Christoph Jürgensen
In der Holtenauer Straße bleibt alles beim Alten: Das Parkraumkonzept der PGN schlägt zwar auch hier Parkgebühren vor. Doch in Einklang mit den Kaufleuten will die Verwaltung es bei der Parkscheibenregelung belassen. Quelle: Christoph Jürgensen
Kiel

Die Suche nach einem freien Parkplatz rund um das UKSH-Gelände kann Pkw-Fahrern schon mal den letzten Nerv rauben. Der Ruf nach einer Sonderregelung für Anwohner ist nicht neu. Dreh- und Angelpunkt der derzeitigen Diskussion ist die Frage, ob das kürzlich eingeweihte Parkhaus der Uni-Klinik die erhoffte Erleichterung bringt.

 Die zusätzlichen Stellplätze würden an der angespannten Situation wenig ändern, prophezeite im Januar Gutachter Andreas Schmitz von der Planungsgruppe Nord, Kassel (PGN), die im Auftrag der Stadt ein Parkraumkonzept erstellt hatten (wir berichteten). Denn das Parken außerhalb des UKSH-Geländes sei größtenteils kostenfrei, zumindest immer noch wesentlich günstiger. Im neuen UKSH-Parkhaus werden hingegen 1,50 Euro pro Stunde fällig, auf dem restlichen Gelände teilweise sogar fünf Euro pro Stunde.

 Eine moderatere Position vertritt Rainer Bohn, beim Tiefbauamt für die Verkehrsplanung verantwortlich: Man müsse die Situation zunächst beobachten, „Es dauert, bis das Parkhaus im Bewusstsein der Autobesitzer angekommen ist.“ Nach einem halben Jahr könne man beurteilen, ob das Parkhaus die Autos vielleicht „aufsaugt wie ein Staubsauger“, so Bohn in der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Ähnlich sieht es Marten Freund von der Interessengemeinschaft Die Holtenauer e.V.: „Wird das Parkhaus erst einmal angenommen, wird sich die Situation deutlich entspannen.“

 Gänzlich anderer Meinung ist der Vorsitzende des Ortsbeirats Dieter Hartwig (SPD): „Meine Prognose: Es wird sich nichts bessern.“ Jedes neue Parkhaus ziehe wiederum weitere Autos an. Die Belegung der Parkplätze rund um das UKSH-Gelände werde weiterhin zu Spitzenzeiten bei 120 Prozent liegen. Erleichterung gebe es nur, wenn sich im Umfeld der Uni-Klinik etwas ändere.

 Es sind vor allem die „gebietsfremden Langzeitparker“, die Berufspendler, die die Parkplätze im Großraum des UKSH zwischen Holtenauer Straße und Düsternbrooker Weg, Beseler Allee und Brunswiker Straße zum Teil weit bis über die Auslastungsgrenze belegen. Zu diesem Schluss kommt die Erhebung der PGN. Die Gutachter schlagen vor, im untersuchten Gebiet werktags zwischen 9 und 18 Uhr sowie sonnabends zwischen 9 und 14 Uhr Parkgebühren zu erheben. Bewohnerparkausweise sollen die hier lebenden Bürger von den Gebühren befreien.

 Inzwischen wurden die PGN-Vorschläge in der Verwaltung diskutiert. Als sinnvoll erachtet man die Einrichtung von Bewohnerparkzonen. Alles Weitere muss hingegen noch geklärt werden, zum Beispiel, ob es wirklich flächendeckend zu Parkgebühren kommen soll oder eher eine Parkscheibenregelung (Kurzzeitparken) zweckmäßig ist. Für das untersuchte Gebiet wären über 70 neue Parkscheinautomaten erforderlich, erklärte Bohn. Für die potenziellen Kosten von bis zu 500000 Euro sei derzeit kein Geld im Haushalt vorhanden. In der Holtenauer Straße, wo das PGN-Konzept ebenfalls Parkgebühren vorsieht, möchte die Verwaltung in Einklang mit den Geschäftsleuten bei der bewährten Parkscheibenregelung bleiben.

 Der Ortsbeirat stimmte den Empfehlungen der Verwaltung zu. Die Bewohnerparkzonen müssten aber schnell umgesetzt werden. „Es muss jetzt etwas passieren. Die Bewohner warten“, mahnte eindringlich der Ortsbeiratsvorsitzende Hartwig.

 Die PGN hatte auch den Großraum Blücherplatz zwischen Kleist- und Wrangelstraße, Feld- und Holtenauer Straße unter die Lupe genommen mit dem Fazit, dass eine komplette Bewirtschaftung des Parkraums etwa über Parkgebühren keine positiven Effekte habe. Der Parkdruck komme hier nicht von außen, so die Studie, die Bewohner verursachten die Probleme selbst. Geprüft werden soll lediglich, ob eine Bewirtschaftung des Parkraums in einem engeren Bereich um den Blücherplatz für die anliegenden Geschäfte sinnvoll ist.