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Kiel Der große Check zum Theodor-Heuss-Ring
Kiel Der große Check zum Theodor-Heuss-Ring
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11:00 02.06.2019
Von Michael Kluth
Die Abfahrtrampe vom Theodor-Heuss-Ring hinauf zum Waldwiesenkreisel. Ihre Sperrung ist im Entwurf des Luftreinhalteplans vorgesehen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Ein Satz, den der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) so nicht stehen lassen will. Das Maßnahmenpaket der Landeshauptstadt sei im Entwurf des Luftreinhalteplans fast komplett übernommen worden, sagt er. Seine Kritiker werfen ihm vor, von vornherein nicht genug für die Luftreinhaltung am Theodor-Heuss-Ring getan zu haben.

KN-online hat das städtische Maßnahmenpaket und den Landesentwurf eines Luftreinhalteplans nebeneinander gelegt und macht den Vergleich, Maßnahme für Maßnahme.

Verflüssigung des Verkehrs

Tempo 50: Das Tempolimit auf der Stadtautobahn hat die Stadt in den Osterferien verfügt und ausgeschildert. Das Land würdigt das im Luftreinhalteplan als Beitrag zur Verflüssigung des Verkehrs auf dem Theodor-Heuss-Ring.

Absperrung der kleineren Ein- und Ausfahrten: Die Stadt hat die Zu- und Abfahrten Krusenrotter Weg, Dithmarscher Straße, Lübscher Baum und Ratzeburger Straße schon Ostern dicht gemacht, die Ratzeburger Straße aber nach Protesten von Gewerbetreibenden im Stormarnviertel schnell wieder geöffnet. Das Land erkennt laut Luftreinhalteplan in den Sperrungen einen Beitrag zur Verflüssigung des Verkehrs auf dem Theodor-Heuss-Ring und hält auch an einer Sperrung der Ratzeburger Straße fest.  

Änderung der Verkehrsführung 

Spurwechsel“, das heißt Sperrung des rechten Fahrstreifens auf dem Theodor-Heuss-Ring Richtung Eckernförde für alle Diesel-Fahrzeuge: Die Stadt hat diesen „Spurwechsel“ für Diesel vorgesehen, aber einstweilen aufgeschoben. Auch das Land sieht sie nun im Luftreinhalteplan vor.

Sperrung der Abfahrtrampe von der Stadtautobahn zum Waldwiesenkreisel (Fahrtrichtung Eckernförde): Die Stadt hat die Maßnahme vorgesehen, aber einstweilen aufgeschoben. Das Land hält unbedingt daran fest.

Umleitung des Schwerlastverkehrs vom Schwedenkai über Ziegelteich und Schützenwall statt durch Bahnhofstraße und Theodor-Heuss-Ring: Die Umleitung läuft und ist täglich zu besichtigen, wenn auf dem Ziegelteich und vor der Kreuzung Exerzierplatz/Schützenwall regelmäßig der Verkehr zusammenbricht. Das Land sieht in der Umleitung nur einen Beitrag zur Verkehrssicherheit: Ein „Spurwechsel“ von Lkw auf der Stadtautobahn werde so vermieden.

Umleitung des Schwerlastverkehrs vom Norwegenkai über Sophienblatt und Hamburger Chaussee statt durch die Bahnhofstraße zum Theodor-Heuss-Ring: Dafür will die Stadt im Sommer den Knotenpunkt Gablenzstraße/Sophienblatt für zwei Millionen Euro komplett umbauen. Das Land sieht auch darin nur eine Maßnahme zur Verkehrssicherheit, um einen „Spurwechsel“ von Lkw auf der Stadtautobahn zu vermeiden.

Eine Sperrung der Bahnhofstraße für Lkw  folgt laut Stadt aus den Lkw-Umleitungen vom Hafen. Das Land erkennt sie im Luftreinhalteplan nur „aus Gründen der Verkehrssicherheit“ an.

Weitere Maßnahmen 

Neupflasterung von Geh- und Radweg am Theodor-Heuss-Ring: Fotokatalytische Pflastersteine sollen unter Einfluss von Sonnenlicht Stickoxid absorbieren. Das Land verwirft den Vorschlag als „nicht belastbar“. Er kommt im Entwurf des Luftreinhalteplans nicht vor. Der Oberbürgermeister versichert, er werbe weiter um seine Aufnahme in den Plan.

Ertüchtigung der Radwege auf der Hamburger Chaussee zwischen Rondeel und Waldwiesenkreisel: Der Ausbau hat begonnen. Im Entwurf des Luftreinhalteplans spielt er keine Rolle. 

Das reicht dem Land alles nicht

Insgesamt mindern die bereits vollzogenen Maßnahmen zur Verflüssigung des Verkehrs auf dem Theodor-Heuss-Ring (Tempo 50, Sperrung kleinerer Ab- und Zufahrten) den Stickoxid-Ausstoß dort pro Jahr um etwa 0,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, hat das Umweltministerium ausgerechnet. Das ist nicht viel.

Durch die Änderung der Verkehrsführung (Spurwechsel, Sperrung Waldwiesenkreisel, Lkw-Umleitung) sei hingegen „eine deutliche Senkung der Belastung zu erwarten“, nämlich auf 43,3 Mikrogramm Stickoxid 2020 und auf 41 Mikrogramm 2021. Das ist am Ende immer noch ein Mikrogramm zu viel. 

Wörtlich steht im Entwurf des Luftreinhalteplans: „Die Abschätzungen zeigen, dass allein durch die Maßnahmen Verkehrsverflüssigung und Verlagerung der emissionsstarken Kfz eine Einhaltung der Grenzwerte nicht kurzfristig zu erreichen ist.“

Die Großbaustelle bringt was

2020 kommt der Stadt indes ein Zufall zu Hilfe: Wegen lange geplanter Instandhaltungsarbeiten am Barkauer Kreuz und am Waldwiesenkreisel werden von April bis September 2020 die Zufahrtsrampe vom Überflieger und die rechte Fahrspur des Theodor-Heuss-Rings in Fahrtrichtung Eckernförde sowieso für alle gesperrt. 

Die Großbaustelle sichere zusammen mit den städtischen Verkehrsmaßnahmen für 2020 das Einhalten des gesetzlichen Grenzwerts von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft, heißt es im Entwurf des Luftreinhalteplans. Mit Blick auf die Folgejahre seien indes „weitere Maßnahmen erforderlich“.

Zwei Seiten über Absauganlagen

Hier kommen die Absauganlagen ins Spiel. Das Umweltministerium widmet den Luftreinigern gleich zwei Seiten im Entwurf des Luftreinhalteplans. Mit ihnen erscheine die Einhaltung des Grenzwertes ab 2021 möglich, glaubt das Fachministerium, schreibt aber: „Dies setzt voraus, dass spätestens Mitte 2020 belastbare Aussagen über Wirksamkeit und Umsetzbarkeit vorliegen.“ Dann könnten derlei Maßnahmen sogar „im Austausch für laufende Maßnahmen eingesetzt werden“.

Im Klartext: Je wirksamer die Luftreiniger, desto eher kann auf Eingriffe wie Sperrung des Waldwiesenkreisels und der Ratzeburger Straße sowie Spurwechsel und Lkw-Umleitung verzichtet werden. Tatsächlich hofft Oberbürgermeister Ulf Kämpfer unverdrossen, zumindest auf eine Sperrung des Waldwiesenkreisels und der Ratzeburger Straße verzichten zu können.

Kämpfer: Es bleibt noch viel zu tun

Mit der Aussage, dass das Land sein Maßnahmenpaket im Luftreinhalteplan „fast komplett übernommen“ habe, hat Kämpfer übrigens recht. Seine Kritiker haben recht mit der Aussage, dass das nicht ausreicht. Kämpfer weiß das und sagt: „Alles in allem liegt noch ein ordentliches Stück Arbeit vor uns.“ Dazu gehörten „ein attraktives Job-Ticket für viele Kieler Beschäftigte, günstigere Bustarife und technische Möglichkeiten der Luftreinhaltung“.

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