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Kiel Luftfilter: So will eine Kieler Firma überzeugen
Kiel Luftfilter: So will eine Kieler Firma überzeugen
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06:11 06.02.2020
Von Niklas Wieczorek
Technik aus Kiel: Malte Schuldt von HS Luftfilterbau in Wellsee will sich an der städtischen Ausschreibung für Absauganlagen beteiligen. Quelle: Frank Peter/HS Luftfilterbau
Kiel

Die Entscheidung zum Luftfilter am Theodor-Heuss-Ring steht bevor: Die Debatten um Absauger, die das belastende Stickoxid filtern, schwelen seit Monaten. „Wir bei HS Luftfilterbau beobachten diese Entwicklungen eher kritisch“, sagt Geschäftsleiter Malte Schuldt, dessen Betrieb in Wellsee nur wenige Kilometer entfernt vom belasteten Abschnitt der Schnellstraße sitzt. „Um Fahrverbote zu vermeiden, mag ein vorübergehender Ausweg der Einsatz von Stadtluftreinigern sein, auch wenn diese Technologien nicht nachhaltig sind“, räumt Schuldt ein. „Da unsere Heimatstadt Kiel als eine der ersten Städte den konkreten Einsatz von Stadtluftreinigern plant, haben wir uns – trotz unserer Bedenken – dazu entschlossen, ein solches System zu entwerfen.“

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Lokalpatriotismus als Motivation also? Vielleicht teilweise. Aber selbstverständlich winkt von der Stadt Kiel auch ein handfester Auftrag für einen der Interessenten, wie die bereits ausführlich vorgestellten Purevento aus Trittau und Air2public aus Bonn sowie Mann-Hummel aus Ludwigsburg. Schuldt von HS Luftfilterbau hebt seine dreistufige Technik hervor: Im ersten Filter werden bis zu 70 Prozent des gröberen Feinstaubs gefiltert, ein spezieller Hepa-Filter entferne dann nahezu 100 Prozent des kleinteiligeren Ultrafeinstaubs. In Stufe drei werden per Molekularfilter noch Gase gereinigt. „Damit ist die gereinigte Luft im Vergleich zu Lösungen anderer Hersteller quasi partikelfrei“, so Schuldt. Die Bewertung dessen obliegt der Stadt.

Links oben und unten: Visualisierungen der Luftfilter smartAir2 und smartAir1 von air2public. Mitte: Mitarbeiter der Firma Mann+Hummel rüsten Filtersäulen am Neckartor in Stuttgart mit Filtern nach. Rechts oben: Der Prototyp einer Absauganlage von Purevento aus Trittau stand im April testweise am Theodor-Heuss-Ring. Rechts unten: Mitglieder des Verkehrsclubs Deutschlands und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs demonstrierten damals gegen Absauganlagen. Quelle: air2public GmbH (2), Sebastian Gollnow/dpa, Frank Peter (2)

Lesen Sie auch: Absauganlagen empören die Umwelthilfe 

Dort bekräftigt man, weiter an der ganz konkreten Ausschreibung für die Filter zu arbeiten: Noch in diesem Monat soll sie fertig, am 1. März veröffentlicht werden. Neben der notwendigen Leistung hieß es zuletzt, die Filter müssten alle „gesetzlichen und genehmigungsrechtlichen Auflagen erfüllen“. In den politischen Gremien präsentiert die Verwaltung in dieser Woche den aktuellen Stand zum Luftreinhalteplan des Landes – und kassierte bereits Kritik ob der Überlegungen, auch Filteranlagen zuzulassen, die den Radweg blockieren.

Unverständnis im Innen- und Umweltausschuss äußerten Hans Wisch-mann („Fraktion“) und Björn Thoroe (Linke) – Arne Stenger (Grüne) regte an, die „Einbringung in den Verkehrsraum“ als Kriterium aufzunehmen.

So steht es um das Gerichtsverfahren

Die Stadt Kiel geht davon aus, dass das Oberverwaltungsgericht Schleswig bald einen Termin zur Luftreinhalte-Verhandlung zwischen Land und Deutscher Umwelthilfe (DUH) verkünden wird, geht aus der Mitteilung für die Ausschüsse hervor. In Schleswig ist davon aber noch nicht die Rede: „Nachdem das beklagte Umweltministerium den neuen Luftreinhalteplan vorgelegt hat, hat nunmehr die klagende DUH Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen“, sagte OVG-Sprecherin Christine Nordmann. Der weitere Ablauf des Verfahrens hänge zunächst vom Inhalt der Stellungnahme und etwaigen Erwiderungen ab. Die DUH bestätigte, sich bis Monatsende äußern zu wollen. „Wir können nach der ersten Sichtung bereits jetzt sagen, dass der vorgelegte Luftreinhalteplan ungeeignet ist, um eine schnellstmögliche Grenzwerteinhaltung zu erreichen“, sagte DUH-Anwalt Remo Klinger. „Beispielsweise kann nicht davon ausgegangen werden, dass die in Kiel beabsichtigten Staubsauger eine derart starke Wirkung auf die Luftreinhaltung haben, wie das Ministerium meint.“

Luftfilter von HS Luftfilterbau soll in Kiel an Straßenlaternen oder Wänden befestigt werden

Damit will auch Schuldt punkten: Seine Visualisierungen zeigen Elemente in der Größe eines Zwei-Meter-Keyboards. Die HS-Streetair-Filter sollen an Wänden oder Straßenlaternen als „Huckepacklösung“ befestigt werden. „Die Anbindung an Straßenlaternen hat den Vorteil, dass HS-Streetair von dort den notwendigen Strom beziehen kann.“ Bereits 40 Standorte mit Doppelmodulen könnten am Theodor-Heuss-Ring zur Verbesserung der Luft ausreichen – bei Bedarf könnten wesentlich mehr zusammengeschaltet werden. Der Installationsaufwand sei vergleichsweise gering, Bauarbeiten seien nicht nötig. Kostenpunkt? 7000 bis 9000 Euro pro Modul plus Verbrauchskosten, so Schuldt. Die Installation an Laternen müsste allerdings eine Fachfirma übernehmen.

Die Stadt will sich zur Ausschreibung noch nicht tiefer in die Karten schauen lassen. Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes, verweist aber auf ein benötigtes Wirkungsgutachten und den Fahrplan: Angebote sollen bis 15. April eingehen dürfen, einen Monat später werde der Zuschlag erteilt. Der Betrieb müsse dann spätestens Mitte Oktober starten.

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