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Kiel Kiel: Kurze Wege, faire Bedingungen
Kiel Kiel: Kurze Wege, faire Bedingungen
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01:00 20.11.2015
Von Martina Drexler
Architekt Stefan Behnisch bescheinigt Kiel ein großes Olympia-Potenzial. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Er musste nicht lange überlegen: Schilksee, bereits 1972 Austragungsort für die olympischen Segelregatten, konnte als international anerkanntes Segelrevier, Bundesstützpunkt des Deutschen Seglerverbandes und erfahrener Kieler-Woche-Standort überzeugend punkten.

 „Segeln ist in Kiel ein Sport mit Publikum“, hieß es damals in der Hochglanzbroschüre, mit der die Stadt im November 2014 an den Start ging. Darin versprach die Projektgruppe, die Erfolgsmodelle von 1972 immer wieder aufzugreifen, sie aber neu zu interpretieren. „Schilksee 2024“ skizzierte die Stadt als „einen Boulevard bis hinaus aufs Meer“, der Zuschauer und Segler so nah wie möglich zusammenbringt: Eine Treppenanlage zum Vorfeld könnte demnach zur Tribüne für etwa 2000 Zuschauer werden, die Nordmole vom Wellenbrecher zur attraktiven Aussichtsplattform mit Pavillon und mehrgeschossigem Turmbau. Von diesen Skizzen blieb in der Machbarkeitsstudie, die Bürgervorschläge aufnahm, nur wenig übrig. Doch die Grundidee blieb. „Wir sind bei unserer Konzeption von drei grundsätzlichen Kriterien ausgegangen: kurze Wege, faire Bedingungen, optimale Medialisierung“, sagte Nikolaus Rickers, Geschäftsführer der gemeinsamen Kieler-Woche-Agentur von Kieler Yacht-Club und Stadt Kiel.

 Kompakte Spiele am Wasser, keine Gigantonomie und Neubauten nur, wenn sie auch nach den Spielen zu nutzen sind: Nach dem Masterplan des Büros Behnisch Architekten (Stuttgart) und Schulze+Grassow (Kopenhagen) soll Schilksee in neuem Glanz erstrahlen, aber vieles vom Bestand erhalten bleiben – allerdings sichtlich aufgehübscht. Architekt Stefan Behnisch bescheinigt Kiel ein großes Olympia-Potenzial und einen „sehr guten Kosten-Nutzen-Faktor“, sieht aber auch Minuspunkte: So wirke das Hafenvorfeld mit den Segler-Parkplätzen wie eine Festung, der Balkon sei ohne klaren Abgang, die alten Olympia-Gebäude lägen zu weit zurück.

 Sollte Kiel tatsächlich zum dritten Mal Austragungsort für die Regatten werden, bringt das frischen Wind für Schilksse, aber auch manches Problem. „Olympia kostet Geld, bietet aber auch die Chance, etwas in Ordnung zu bringen“, sagt Behnisch, dessen Vater die Olympia-Anlagen 1972 in München mitentwarf. Die wichtigsten Neuerungen: Ein Segelcampus als Zentrum für maritimen Sport soll in der Hafenmitte entstehen, die Vaasahalle als Mehrzweckhalle nach ihrem Abriss am Ende der Drachenbahn in das benachbarte Olympische Dorf integriert und wie ein Vier-Sterne-Hotel am Nordkopf neu gebaut werden.

 Olympia, so das Ziel, soll demnach als Art Katalysator wirken, um den Stadtteil langfristig zu entwickeln – als Ausflugsziel, Wohnort mit vielen Attraktionen, vor allem aber als moderner Segelstandort. So sollen zwei Promenaden auf unterschiedlichen Höhen entstehen, eine Freitreppe zum Wasser hinführen und Tribünen auf Molen Zuschauer nah ans Segelgeschehen bringen. Das Olympische Dorf als Wohnquartier, zu dem eine Brücke führen soll, entsteht demnach auf dem jetzigen Behelfscampingplatz, auf dem zu den Kieler Wochen junge Segler aus der ganzen Welt zelten. Genau darin liegt nach Ansicht von Kritikern ein Problem: Wo sollen die Sportler während der Bauphase und nach den Spielen günstig unterkommen, wenn auf den Salzwiesen Reihenhäuser entstehen? Ein weiterer Knackpunkt wird das neue Hafenvorfeld mit Bäumen und einladenden Sitzgelegenheiten für Besucher sein. Zugleich würden aber Parkplätze entfallen, die durch ein neues Parkhaus und Ersatzstellplätze in Hafennähe aufgefangen werden sollen. Segler können auch künftig auf das Gelände zum Be- und Entladen ihrer Ausrüstung fahren, versprechen die Planer. „Die Leute, erklärte der Architekt, „sollten von Olympia etwas haben. Es darf nicht alles verpuffen.“

Unternehmer sind meist Zahlenmenschen. Aber Zahlenspiele zur Kosten- und Nutzenanalyse Olympischer Spiele sucht man derzeit in Wirtschaftskreisen vergeblich. Trotzdem sind sich die meisten Unternehmer im Norden einig: Schon die Bewerbung allein hätte einen unbezahlbar wertvollen Effekt für die gesamte Region – vorausgesetzt die Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel am 29. November laufen auf ein „Ja“ zu den Spielen hinaus.

Jürgen Küppers 20.11.2015

Die Geschichte deutscher Olympia-Bewerbungen, das ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Anfang des vergangenen Jahrhunderts tat Berlin alles, um Austragungsort der begehrten Sportwettkämpfe zu werden – und hatte doch immer wieder das Nachsehen.

Kristian Blasel 20.11.2015

1936, 1972 – 2024? Kiel wäre die erste Stadt der Welt, die zum dritten Mal olympische Segelspiele ausrichten darf. Bei der Premiere 1936 vor dem Hindenburgufer war alles noch eine Nummer kleiner. Vier Bootsklassen segelten auf der Innenförde: die gerade erst entwickelte Olympiajolle, das Starboot, die 6m- und die 8m-Rennklasse. Von einem olympischen Dorf gab es noch keine Spur.

Gerhard Müller 20.11.2015