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Kiel Der Flamenco bringt sie zurück nach Kiel
Kiel Der Flamenco bringt sie zurück nach Kiel
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10:00 27.07.2019
Von Jennifer Ruske
Von Alt-Mettenhof nach Madrid: Die Kielerin Mareike Nissen – hier in der Gran Via, der bekanntesten Straße der spanischen Hauptstadt – kann es immer noch nicht fassen, was das Leben an Überraschungen für sie bereithält. Trotz beruflichen Erfolges in Spanien vermisst sie Kiel, ihre Eltern und das norddeutsche Wetter.
Von Alt-Mettenhof nach Madrid: Die Kielerin Mareike Nissen – hier in der Gran Via, der bekanntesten Straße der spanischen Hauptstadt – kann es immer noch nicht fassen, was das Leben an Überraschungen für sie bereithält. Trotz beruflichen Erfolges in Spanien vermisst sie Kiel, ihre Eltern und das norddeutsche Wetter. Quelle: privat
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Kiel

Einer der Auftritte der spanischen Musiker ist am 16. August in Lutterbek. Doch „bevor wir nach Kiel kommen können, gibt es noch jede Menge zu tun“, erzählt die 28-Jährige am Telefon und lacht. Dass die erste, kleine Tournee durch ihre Heimat aufwendiger zu organisieren war als Auftritte in spanischen Clubs, hätte Mareike Nissen nicht vermutet. „Ich habe lange telefoniert, um die Konzerte in der Probstei, in Lübeck und Hamburg zu realisieren“, erzählt das blonde Nordlicht. Denn anders als in Spanien, wo es reicht, vier bis fünf Monate vorher die Örtlichkeiten für den Auftritt zu buchen, ist in Deutschland eine deutlich längere Vorlaufzeit nötig. „Ich habe Glück gehabt“, freut sich Mareike Nissen, „und ein paar Lücken gefunden.“ Eine gute Portion freundliche Hartnäckigkeit, viel Optimismus, ein bisschen Glück und jede Menge Selbstvertrauen waren dafür nötig. Diese Zutaten bestimmen das ganze Leben der gebürtige Mettenhoferin. 

Mit 19 Jahren ohne Sprachkenntnisse nach Spanien

Auf die Welt gekommen ist Mareike Nissen im August 1990 in Alt-Mettenhof. „Dank meiner drei älteren Brüder habe ich früh gelernt, mich zu behaupten“, sagt sie. „Mareike war schon immer sehr zielstrebig, sehr selbstständig und reise- und abenteuerlustig“, berichten die Eltern, Sabine und Gisbert Senkbeil. Sie haben die Selbstständigkeit ihrer Kinder gefördert, ihnen den Rücken gestärkt. Dazu gehörte auch, die Tochter nach dem Abitur in der Waldorfschule in die Welt ziehen zu lassen. „Mit 19 Jahren hat sie Spanien erkundet – ohne Sprachkenntnisse und ohne einen genauen Plan“, erinnert sich Sabine Senkbeil. In Madrid ist die Tochter schließlich hängen geblieben. „Ich habe mich verliebt, in die Stadt, in die Kultur, in das Leben dort – und nicht zuletzt in Musiker und Tonproduzent Ivan Raymores“, sagt Tochter Mareike. Doch nach einem Jahr ging es für sie erstmal zurück nach Deutschland, wo sie in Köln eine Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit machte. Reisen, Events und andere Projekte zu organisieren, das beherrscht sie seitdem aus dem Effeff. Doch die Liebe zu Madrid blieb. 

Bauchentscheidung für Spanien

Vor fünf Jahren hat die Kielerin dann ihr Leben komplett umgekrempelt, Kiel und Köln Tschüs gesagt und den Umzug nach Spanien gewagt. „Von Alt-Mettenhof nach Madrid: Das ist schon ein Sprung.“ Bereut hat sie ihre „Bauchentscheidung“ nie. Auch wenn sie manchmal bedauert, dass Freunde und Familie so weit weg sind. „Ich vermisse Kiel, den frischen Wind, die Ostsee und selbst das schlechte Wetter“, seufzt sie. „Ebenso wie die Norddeutschen, ihre unaufgeregte Freundlichkeit und vor allem die Zuverlässigkeit und Professionalität der Leute.“ Diese Eigenschaften wisse sie inzwischen sehr zu schätzen. „Die spanische Mentalität ist auch im Berufsleben manchmal eben eine andere.“ Doch beklagen kann und will sie sich nicht.

Flamenco-Fusion ist ihre Leidenschaft

Zusammen mit Ivan hat sie das Tonstudio „Land Ho! audiovisual solutions“ (Land Ho: englischer Seefahrer-Ausdruck für ‚Land in Sicht‘) gegründet. Während sich ihr Lebenspartner um den perfekten Klang kümmert, ist Mareike Nissen mit Kunden, im Marketing und in der Verwaltung beschäftigt. „Als Team sind wir unschlagbar. Ivan ist der kreative Kopf, ich bin sehr strukturiert und organisiert, irgendwie typisch deutsch“, sagt sie fröhlich. Das hilft ihr auch beim Künstlermanagement. Seit einem Jahr organisiert sie Auftritte von Künstlern wie Kati Golenko, Miguel Reyes Jiménez und Elena La Taranta, mit denen sie auch nach Kiel kommt. „Wir bringen Flamenco-Fusion auf die Bühne“, erklärt sie den Mix von traditionellem Flamenco mit amerikanischem Jazz, Folk und Pop. „Das ist eine Musik passend zu meinem Leben. Auch das ist eine Fusion der Kulturen“, erklärt sie ihre Leidenschaft für diese Musikrichtung, über die sie noch einiges mehr erzählen könnte, wenn man sie ließe. Doch die Arbeit ruft. Und bevor die nicht erledigt ist, kann Mareike Nissen nicht guten Gewissens nach Hause kommen. „Auch das ist wohl typisch deutsch“, sagt sie. 

Infos zum Auftritt von Flamenco Americana im Lutterbeker: Kati Golenko (Gesang und Gitarre), Miguel Reyes Jiménez (Cajon) und Elena La Taranta (Tanz) spielen am Freitag, 16. August, 21 Uhr. Eintritt 18 Euro. Kartenreservierung unter Tel. 04343/9442.

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