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Kiel Sollten Straßennamen die Anführer ehren?
Kiel Sollten Straßennamen die Anführer ehren?
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06:00 08.01.2019
Von Niklas Wieczorek
Nach langen Diskussionen um die Bezeichnung wurde 2011 aus dem östlichen Bahnhofsplatz der Platz der Kieler Matrosen. Das hatte die Ratsversammlung entschieden. Straßennamen zentraler Akteure des Matrosenaufstands gibt es nicht. Quelle: Frank Peter
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So schlägt Simonis einerseits vor, den gebürtigen Magdeburger Karl Artelt, mit einem Straßennamen zu ehren. "Zusammen mit Lothar Popp führte er den Matrosenaufstand im November 1918 an", verdeutlicht Simonis. Lothar Popp, ursprünglich aus Süddeutschland stammend, trat in Hamburg in die SPD ein. Als Schlosser gründete er später auf der Germaniawerft den "Sozialdemokratischen Verein Groß-Kiel – alte Richtung", bevor er maßgeblich den Matrosenaufstand anführte.

"Defizit der Erinnerungskultur unserer Stadt"

Beider werde in Kiel eindeutig zu wenig gedacht, urteilt Simonis. "Kein Platz, keine Straße, auch nicht nach 100 Jahren, mit den Namen Karl Artelt und Lothar Popp", bedauert er – und der Mann der ehemaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) bezeichnet den Umstand als "gravierendes Defizit der Erinnerungskultur unserer Stadt".

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Diskussionen notwendig

Auf Gegenliebe stößt Simonis mit seiner Forderung beim Vorsitzenden des Ortsbeirats Ravensberg-Brunswik-Düsternbrook, Benjamin Walczak (SPD): "Prinzipiell finde ich das sehr gute Vorschläge." Zwar habe es in der Vergangenheit bereits bei anderen Benennungen wie dem Platz der Kieler Matrosen lange Diskussionen gegeben, ob eine Ehrung von Aufständlern angebracht ist. "Da hat die SPD naturgemäß eine andere Sicht drauf", sagt Walczak. Aber über Geschichte müsse immer wieder diskutiert werden.

"Keine würdige Straße" für Demokratie-Größen?

Doch Walczak bremst gleichzeitig etwas: "Im Hinblick auf meinen Ortsbeirat sehe ich keine würdige Straße." Schon bei der Debatte um einen möglichen Gottfried-Kuhnt-Platz hatte – unabhängig von der inhaltlichen Diskussion – Walczaks Ansicht nach der Platz gar nicht das angebrachte Format für eine Ehrung. "Lieber ein neues Viertel", regt Walczak daher an, mit Namen aus dem Bereich "Größen der Demokratie" auszustatten. Dazu gebe es bereits bestehende Listen. Und Walczak bietet versöhnlich an: "Da finden wir ja auch in mehr Parteien als nur in der SPD Größen."

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