Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Daran erinnert sich der Citti-Chef zum Mauerfall
Kiel Daran erinnert sich der Citti-Chef zum Mauerfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 09.11.2019
Von Steffen Müller
"Es ist ein wichtiger Teil deutscher Geschichte", sagt Citti-Geschäftsführer Gerhard Lütje über das Mauerstück, das seit 2009 vor dem Firmensitz steht. Quelle: Frank Peter
Kiel

Da steht sie, 3,60 Meter hoch, 1,20 Meter breit, über eine Tonne schwer. Grau in Grau mit ein paar bunten Kritzeleien versehen. Ein nicht nur auf Grund der Masse enormes Erinnerungsstück deutsch-deutscher Geschichte. Die Rede ist von der Berliner Mauer, genauer gesagt von einem kleinen Originalteil des Grenzwalls, der nach seinem Fall einen neuen Platz gefunden hat: vor dem Verwaltungstrakt des Kieler Citti-Parks.

Erinnerungskultur zum Mauerfall auch in Kiel

"Zum Gedenken an die deutsch-deutsche Grenzöffnung 9. November 1989" steht auf der Plakette, die am Fuße der Mauer angebracht ist. Darunter der Zusatz "Kiel, 9. November 2009". Seit zehn Jahren steht das Mauerstück bereits auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums und seit zehn Jahren freut sich Citti-Geschäftsführer Gerhard Lütje, dass es ihm gelungen ist, diese Erinnerung an die Teilung von Ost- und Westberlin nach Kiel zu bekommen. "Es ist ein wichtiger Teil deutscher Geschichte und passt gut hierher, da wir viele Kunden aus dem Ausland haben."

Geholfen haben ihm bei der Akquise seine guten Kontakte. Peter Kurt Würzbach, ehemaliger CDU-Schleswig-Holstein-Chef und Staatssekretär im Verteidigungsministerium, hatte die Möglichkeit, mehrere Erinnerungsstücke zu bekommen und fragte seinen Bekannten Lütje, ob er ebenfalls diese Andenken haben wollte. Gratis versteht sich. "Ich musste nur die Transportkosten bezahlen", erzählt Lütje rückblickend. Blickt der Geschäftsmann auf den Mauerfall zurück, fällt ihm zuerst seine Verbindung zu Stralsund ein. Seit dem 17. September 1987 pflegen Kiel und die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern eine Partnerschaft, als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation reiste Lütje noch zu DDR-Zeiten regelmäßig nach Ostdeutschland. "1989 war viel verfallen in der Stadt. Es gab nur wenig Verpflegung", erinnert sich Lütje, der beim Fall der Mauer 48 Jahre alt war.

Berliner Mauer auch am Kieler Landtag

Nach Schätzungen der Bundesstiftung "Aufarbeitung der SED-Diktatur" gibt es mehr als 240 komplette Mauersegmente, die an verschiedenen Orten an die innerdeutsche Teilung erinnern. Neben dem Mauerstück am Citti-Park gibt es in Kiel ein weiteres Denkmal. Am Landeshaus, auf dem Gelände des Wirtschaftsministeriums, steht ein 3,60 Meter hohes, 1,20 Meter breites und knapp drei Tonnen schweres Fragment. Bei der Aufstellung im Dezember 2009 gab es heftige Kritik, da das Mauerstück ein Geschenk der "Bild"-Zeitung war und ein Werbeschild auf die Schenkung des Boulevardblatts aufmerksam machte. "Werbung hat weder beim Parlament noch vor einem Regierungsgebäude etwas zu suchen", sagte die damalige Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion Anke Spoorendonk. Mittlerweile ist die "Bild"-Plakette verschwunden, ins Auge sticht nur noch das auffällige Graffiti, das einen Drachen mit braunem Kopf und lila Körper und blauen Flügeln zeigt.

Quelle: Frank Peter

Lesen Sie auch: Republikflucht im dritten Versuch 

Nivea-Creme und Coca Cola für den Osten

Die Handelsorganisation der DDR, ein staatlich geführtes Einzelhandelsunternehmen, bat um Hilfe. Der Citti-Chef sprang ein und lieferte Ware. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf das Nötigste. "Hängen geblieben sind mir typische West-Produkte: Nivea-Creme und Coca Cola." Bei seinen Besuchen in Stralsund im Sommer und Herbst 1989 spürte Lütje die Aufbruchstimmung, die in der DDR herrschte. Die in Leipzig begonnenen Proteste hatten Mecklenburg-Vorpommern erreicht. "Nachdem, was alles passiert war, war abzusehen, dass es zur Wiedervereinigung kommt. Die Bürger waren nicht zu bremsen." Dass die Mauer aber so schnell fallen würde, damit hätte Gerhard Lütje nicht gerechnet. 

Den Abend des 9. November 1989 verbrachte er in seinem Haus in Kiel, verfolgte die Geschehnisse am Fernseher. Bereits am nächsten Tag fuhr er nach Stralsund. "Ich hatte beruflich die Chance, etwas Neues aufzubauen. Das war das ergreifendste und dominanteste Ereignis, das ich in meiner Berufslaufbahn erlebt habe." 1990, noch vor der offiziellen Wiedervereinigung am 3. Oktober, eröffnete in Stralsund der erste Citti-Markt. "Wir hatten damals die einzige Tankstelle in Mecklenburg-Vorpommern mit 20 Zapfsäulen", erinnert sich Lütje. Der Lebensmittelmarkt expandierte weiter, heute hat Citti in Ostdeutschland mehr als 1000 Angestellte in drei Märkten, zwei in Stralsund und einer in Rostock

Fehler der Wiedervereinigung: unterschiedliche Bezahlung

Die Wiedervereinigung bezeichnet Lütje als "große Tat", sagt aber auch, dass Fehler gemacht worden sind und meint damit unter anderem die unterschiedliche Bezahlung, die noch heute in manchen Branchen zwischen Ost und West besteht. "Aus wirtschaftlichen Gründen ist das vielleicht nachvollziehbar, menschlich hat es aber zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft geführt. Ich kann verstehen, dass sich einige ostdeutsche Bürger nicht gleichberechtigt fühlen. Das müssen wir ändern."

Mehr aus Kiel lesen Sie hier.

Kiel Umstrittener Modeladen Weitere Proteste gegen Primark

Die Kritik am Mode-Discounter Primark in Kiel reißt nicht ab. Nachdem bereits zur Eröffnung Aktivisten gegen die Preispolitik des irischen Unternehmens demonstriert hatten, formierte sich am Wochenende weiterer Protest. Am Freitag und Sonnabend fanden mehrere Aktionen gegen den Klamottenladen statt.

Steffen Müller 09.11.2019

Seit der Legienhof in Kiel Ende Juli geschlossen hat, ist es ruhig geworden im Erdgeschoss des Lokals. Das soll sich ändern. Für den Ex-Betreiber Frank Feddersen ist mit Ilka Ladwig eine Nachfolgerin gefunden. Bis das Restaurant wieder eröffnet, müssen noch einige Hindernisse überwunden werden.

Steffen Müller 09.11.2019

In der Brust von Frank Hornschu schlagen aktuell zwei Herzen. "Einerseits", sagt der Kieler DGB-Chef, "tut es mir weh, dass der Legienhof solange geschlossen ist". Auf der anderen Seite freue er sich, dass das Gewerkschaftshaus demnächst ein hochmodernes Restaurant bekommt.

Steffen Müller 09.11.2019