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Kiel Maybebop: Starke Stimmen, starke Statements
Kiel

Maybebop brillieren beim ausverkauften Konzert auf der Krusenkoppel Kiel

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12:35 09.09.2021
Von Thomas Bunjes
Nicht nur stimmlich, sondern auch choreografisch bestens eingespielt: die A-cappella-Formation Maybebop.
Nicht nur stimmlich, sondern auch choreografisch bestens eingespielt: die A-cappella-Formation Maybebop. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

„Das fühlt sich an wie 2019!“ Maybebop stehen auf der Bühne, blicken ins ausverkaufte Rund der Freilichtbühne auf der Kieler Krusenkoppel und fühlen sich offenbar an ihr Kieler-Woche-Konzert eben hier vor zwei Jahren erinnert. Ganz so voll ist es diesmal aus Pandemiegründen nicht. Aber die Kulisse ist beeindruckend.

Ob sich das Quartett da gleich wie im eingangs besungenen „Schlaraffenland“ fühlt, sei dahingestellt. Aber bei Countertenor Jan Bürger, Bariton Oliver Gies, Bass Christoph Hiller und Tenor Lukas Teske, der auch brillante Vocal Percussion beisteuert, ist nicht nur der astreine mehrstimmige Gesang umwerfend geschmeidig austariert. Auch die Choreografie und die Spotlights werden perfekt synchron gesetzt. Dennoch wirkt hier nichts steril, sondern schwer sympathisch.

Manchmal denkt man, da unten steht eine Band

Thematisch und bei den Musikgenres geht es munter querbeet. Manchmal denkt man, da unten steht eine Band. Der Pop steht im Fokus beim satirischen „Das Beste fürs Kind“ über Helikopter-Eltern, ebenso bei „Früher gab’s die Tagesschau“. Die Formation leitet das Stück dabei mit gesungener Erkennungsmelodie der alten Sendung ein und ergänzt sie um eine orientalische Note.

Einen souligen Hip-Hop-Groove generieren Maybebop in „Gegen die Natur“, das Geschlechterklischees auseinandernimmt. Das vor Wortwitz strotzende „Raggamuffin“ bringen sie in der Reggae-Spielart Ragga und das zarte, balladeske „In deiner Tür“ wird leider mittendrin von einem Rettungshubschrauber zerrattert, der nebenan vom Uniklinikum abfliegt.

Alte Volkslieder, modern interpretiert

Ihre außergewöhnliche Klasse beweisen Maybebop auch mit ihren respektvollen Versionen alter Volkslieder, die dennoch alles andere als betulich geraten. „Die Gedanken sind frei“ beginnt etwas düster, erblüht dann in hellem, druckvollem Dur, wird jazzig samt mundgemachtem Trompetensolo. „Kein schöner Land“, umgetextet und durch Worten auf Suaheli ergänzt, gerät zum Aufruf für den Erhalt der Erde.

Gegen Intoleranz und für die Wahl

Denn Maybebop haben auch politisch was zu sagen. Wie in dem starken Statement „#lautsein“ gegen Hass, Gewalt und Intoleranz („meinungsfrei als Privileg“) oder in ihrem Medley „Evolution Of Revolution“, wo sie brillant Liedfetzen von Tracy Chapman über Bob Marley und U2 bis Rage Against the Machine reihen. Wer am 26. September wählen gehe, was alle tun sollten, solle mal für die Kinder wählen, empfehlen sie. Oder für die Enkel. Auch ihr wortspielerisches Kinderlied „Gut für die Hyäne“ fügt sich prima ins Programm.

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Wie gut sie die hohe Kunst der Improvisation beherrschen, beweisen Maybebop dann mit dem „Lied, das es noch nicht gibt“. Spontan gestrickt aus den Publikumszurufen Swingerclub, Waldorf, Schabe, Fischbrötchen und Fernsehzeitungstitelseiten als Pflichtzutaten swingt es – ebenfalls auf Wunsch – dass es die pure Freude ist. Auch hier: tosender Beifall.

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