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Kiel Vom Experiment zum Erfolgsmodell
Kiel Vom Experiment zum Erfolgsmodell
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16:44 03.12.2015
Von Thomas Geyer
Wegbereiter der gerichtlichen Mediation in Schleswig-Holstein (v. li.): Die Richter Felix Lehmann, Karin Witt, Andrej Marc Gabler, Michael Scheck und Insa Norden bieten in Kiel seit zehn Jahren die Alternative zum Zivilprozess an.
Kiel

Vor rund 100 Gästen überwiegend aus der Richter- und Anwaltschaft sagte Justizministerin Anke Spoorendonk in ihrem Grußwort im Kieler Landgericht, seit Anfang 2013 böten alle Gerichtsbarkeiten in Schleswig-Holstein ein flächendeckendes Mediationsangebot beim Güterichter. Damit nehme das Land im Bundesvergleich einen Spitzenplatz ein.

 Laut Justizministerium werden von jährlich rund 1000 gerichtlichen Mediationsverfahren knapp Dreiviertel erfolgreich beendet. So oft fänden die gegnerischen Parteien mit Hilfe des Güterichters gemeinsam eine einvernehmliche Lösung für ihren Streit, ohne dass es eines Urteils bedürfe.

 Spoorendonks Vorgänger im Amt, Justizminister i.R. Emil Schmalfuß (69), hatte die Entwicklung der Mediation von Anfang an als Landgerichtspräsident und Richter begleitet und gefördert. Der heute als freier Mediator tätige Jurist erinnerte daran, wie die Idee aus den USA über den niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer in den Norden gelangte.

 Hier habe sich die Mediation dank des unermüdlichen Engagements ihrer Anhänger entgegen starker Widerstände aus der Bundespolitik zunehmend über Seminare, Weiterbildungen und erfolgreiche Praxis verbreitet „wie ein Flächenbrand“. Heute sei das Amtsgericht Kiel mit seinen Eingangs- und Erledigungszahlen bundesweit führend, so Schmalfuß. Der Landesrechnungshof habe der gerichtlichen Mediation nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung sein Placet erteilt.

 Vor allem bei den Rechtsanwälten war die neue Form der Konfliktbewältigung zunächst auf große Skepsis gestoßen. Rechtsanwalt Peter Steinbach sah „Bedenkenträger unter denen, die an die Abrechnung dachten“. Auch habe mancher streitbare Kollege die geforderte Kompromissbereitschaft als Zeichen von Schwäche gedeutet oder gar an Parteiverrat gedacht.

 Doch gemessen an der Zufriedenheit der Mandanten stehe der Erfolg der Mediation außer Zweifel, so Steinbach: „Heute haben wir eine viel bessere Streitkultur.“ Die sei allerdings keineswegs auf die Gerichte und Kanzleien beschränkt. Auch Pädagogen, Psychologen und Unternehmensberater setzten auf das Konsensmodell. Laut Steinbach „ein attraktives Betätigungsfeld, das sich zu einem echten Marktfaktor entwickelt hat“.

 Als Konkurrenz zur gerichtlichen Mediation sehe man sich nicht, betont der Rechtsanwalt. Denn die freien Mediatoren, meist nach Stundensatz bezahlt, setzten an einem früheren Zeitpunkt des Konflikts an. Die gerichtliche Mediation könne dagegen mit staatlicher Unterstützung punkten. „Bei uns in der Provinz“, verriet der Jurist aus Neumünster, „laufen mindestens 90 Prozent der mediierten Familiensachen mit Verfahrenskostenhilfe.“

 Inzwischen wird die gerichtliche Mediation auch wissenschaftlich begleitet. So hat die Universität Vechta im Rahmen einer Längsschnittstudie etwa 300 Verfahren auf ihre Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität untersucht. Aus den Befunden erhofft man sich Hinweise zur Optimierung von Praxis und Weiterbildung.

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