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Kiel Fake News: Es geht um Macht und Geld
Kiel Fake News: Es geht um Macht und Geld
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19:30 11.09.2019
Von Martin Geist
„Die Stimmung auf Facebook schlechter, der Ton wird rüder“, sagt Medienwissenschaftler Christian Möller. Im Interview spricht er über Hate Speech und Fake News. Quelle: Jens Büttner
Kiel

Der Kieler Medienwissenschaftler Christian Möller von der Fachhochschule Kiel  hat mit seinen Studenten einen Sammelband zu Internetphänomenen und den Umgang damit verfasst. Ein Interview über Hasskommentare und Fake News im Internet.

Herr Möller, Sie haben im Masterstudiengang Medienkonzeption erstmals ein Seminar über den Umgang mit Fake News und Hate Speech im Netz angeboten. Wie kamen Sie darauf?

Das Thema ist ja wirklich in aller Munde. Gesellschaftlich, aber auch politisch und juristisch. Weil ich an der FH Kiel als Dozent für Ethik und Ökonomie der Medien tätig bin, lag es für mich nahe, dazu eine Lehrveranstaltung zu machen.

Hat die heutige Generation der Studenten überhaupt ein Bewusstsein für diese Problematik?

Absolut. Einige sind in ihrer Schulzeit mit Cyber-Mobbing in Berührung gekommen, und so gut wie alle nehmen wahr, dass die Stimmung auf Facebook schlechter, der Ton rüder geworden ist. Auf dieser Plattform sind die Studenten auch aus diesem Grund gar nicht mehr so sehr unterwegs, sie nutzen eher Instagram, Snapchat oder ähnliche Formate.

Der Fleiß, mit dem Ihre Studenten ans Werk gegangen sind, war offenbar enorm. Herausgekommen ist jetzt ein 160-seitiger Sammelband, der von den Ursachen und den Erscheinungsformen bis zu den wichtigsten Gegenstrategien nichts auslässt.

Das stimmt, sie waren wirklich mit viel Einsatz und Engagement bei der Sache. Ich glaube, sie haben einfach erkannt, wie vielschichtig und wichtig das Thema ist. Wenn es uns nicht gelingt, im Internet respektvoll und fair miteinander umzugehen, ist wirklich der Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet.

Wenn wir uns die Fake News anschauen, womit haben wir es da eigentlich genau zu tun?

Mit wirtschaftlichen Interessen, mit politischen Zielen und nicht selten mit einer Mischung aus beidem. Es gibt ein paar Dörfer in Mazedonien, da verdienten junge Leute gutes Geld mit Fake News. Die erfanden Nachrichten oder blähten Meldungen mit einem echten Kern dramaturgisch geschickt auf und verbreiteten ihre Machwerke über die sozialen Medien.

So lässt sich eine rasende Verbreitung der Lügengeschichten erreichen und am Ende über Bannerwerbung, die nach Klickzahlen vergütet wird, ordentlich Umsatz machen.

Was für Geschichten werden denn verbreitet?
Solche Manipulationen spielten eine erhebliche Rolle im US-Präsidentschaftswahlkampf. Da wurde zum Beispiel behauptet, Hillary Clinton sei in Wahrheit ein Mann. Oder es hieß, ihre Mitarbeiter betrieben einen Kinderporno-Ring. Die Absichten der Urheber waren trotzdem völlig unpolitisch. Die wollten einfach nur Geld verdienen.

Aber es gibt auch politisch motivierte Fake News.

Gewiss. In Deutschland ganz oft im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Eine der erfolgreichsten Falschmeldungen im Jahr 2018 hieß: „Staat zahlt Harem 7500 Euro im Monat: Syrer lebt jetzt mit zwei Ehefrauen und acht Kindern in Deutschland.“

Ebenfalls ziemlich weit vorn war die frei erfundene Meldung: „Laut Merkel ist Flüchtlingen bei den Tafeln unbedingter Vorrang zu geben“. Mit solchen Lügen soll wirklich Politik gemacht werden, es wird aber zugleich auch Geld damit verdient. Die Breitbarts dieser Welt leben davon.

Kann man etwas tun gegen Fake News?

Rechtlich ist das schwierig. Wenn jemand behauptet, dass es keinen Klimawandel gebe, kann man ihn nicht daran hindern. An Fake News glauben die, die daran glauben wollen. Und die lassen sich selbst mit noch so vielen Fakten nicht vom Gegenteil überzeugen.

Im Internet, das ja ein riesiges Datenmeer ist, lassen sich Fake News außerdem schwer identifizieren. Und strafrechtlich ist das auch so eine Sache, denn Meinungsfreiheit bedeutet ja auch, dass man unsinnige Meinungen vertreten darf. Was es aber gibt, sind Portale wie Buzzfeed, Mimikama oder Correctiv, die mit handwerklich sauberen Faktenchecks gegen Fake News vorgehen.

Schließlich liegt es in der Verantwortung eines jeden, Fake News zu entlarven, nicht weiter zu verbreiten und andere darauf aufmerksam zu machen.

Medienwissenschaftler Christian Möller Quelle: Martin Geist

Wie sieht es mit Hate Speech, den Hasskommentaren, aus?

Das sollten wir differenzieren. Leute, die herumpöbeln, hat es schon immer gegeben. Die kann man im Netz ganz gut ignorieren, sodass sie kaum Verbreitung finden. Wachsam müssen wir sein, wenn es gegen einzelne Personen oder Gruppen geht, wenn offen zur Gewalt aufgerufen wird.

Das passiert verblüffend häufig sogar unter den Klarnamen, weil die Leute glauben, sie äußern ja nur ihre Meinung. Das Internet ist aber kein rechtsfreier Raum. Und es gibt immer mehr Urteile – auch mit Freiheitsstrafen – gegen Leute, die im Netz hetzen.

Tragen Facebook, Google und Co. Mitschuld an der Verrohung der Sitten im Netz?

Die einen vielleicht mehr, die anderen weniger. Aber auch die müssen halt lernen. Wenn ich eine Tageszeitung lese, bekomme ich ein gebündeltes Angebot mit Informationen, die stimmen. Die digitalen Akteure sind dagegen keine Verlage, aber auch keine bloßen technischen Plattformen, sondern irgend etwas dazwischen.

Ich glaube, Google will den Menschen nichts Böses. Und Facebook dürfte kein Interesse daran haben, dass sich die Leute angewidert abwenden. Zuletzt haben jedenfalls solche Anbieter die Meldefunktionen gegen Fake News und Hate Speech deutlich ausgeweitet. Ob das genug ist, darüber kann man natürlich streiten.

Wie hat sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema auf die Studenten ausgewirkt?

Mitunter sehr bemerkenswert. Melina Kalwey, eine der Teilnehmerinnen, zog dieses Fazit: „Ich konsumiere Nachrichten immer weniger online. Generell bin ich heute beispielsweise weniger auf Facebook unterwegs. Vom Nachrichtenkonsum auf Facebook hält mich vor allem das Bewusstsein über die zahlreichen Falschmeldungen ab, die dort offenkundig kursieren, und die Zeit, die ich aufwenden müsste, um eigentlich jede auffällige Information zu überprüfen. Dann greife ich doch lieber mal wieder zur klassischen Zeitung. Zudem befasse ich mich seitdem mit der Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen, um bei den Digital Natives möglichst früh ein Bewusstsein für Fake News zu schaffen.“

Weitere Nachrichten aus Kiel finden Sie hier.

Sammelband ist frei verfügbar

Der Sammelband der Studenten „Was tun gegen Fake News und Hate Speech?“ hatte das Ziel, Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen zu finden, die langfristig ein friedliches und faires Miteinander in der Mediengesellschaft ermöglichen sollen. Ihre Ausarbeitungen haben sie online auf den Seiten des Instituts für angewandte Publizistik der FH Kiel veröffentlicht.

Der Sammelband analysiert in zwölf Kapiteln die verschiedenen Akteure und ihre Verantwortung bei der Entstehung und Verbreitung von Fake News und Hate Speech. Außerdem zeigen die Studenten Möglichkeiten auf, Desinformation langfristig zu bekämpfen.

Kostenfreier Download des Sammelbands hier.

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