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Kiel Meimersdorf in Aufbruchstimmung
Kiel Meimersdorf in Aufbruchstimmung
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16:19 22.08.2012
Von Karin Jordt
In der ehemaligen Dorfschule ist heute die Kita untergebracht. Quelle: dt
Meimersdorf

Der Bauboom bescherte dem gemütlichen Dorf an der südlichen Stadtgrenze eine deutliche Verjüngung, dazu eine Grundschule, Kindertageseinrichtungen, Spazierwege und Geschäfte; aber auch Kampf um Kita-Plätze, heiße Diskussionen um Schulgrenzbezirke, neue Straßen und die Angst, dass der Durchgangsverkehr eines Tages die dörfliche Lebensqualität in Grund und Boden fährt. Pläne für eine neue Kreisstraße zwischen Moorsee und Meimersdorf sind von der Verwaltung im Stadtteil vorgestellt worden, nach heftigen Protesten jedoch wieder in der Versenkung verschwunden. Also bleibt ungewiss, ob und wann und wie die ersten Fahrzeuge über die verlängerte Straße Solldiekswall rollen werden.

Die neue Verbindung sollte von Moorsee aus als Fortsetzung des Wellseedamms in Richtung Westen nach Meimersdorf und weiter an die L318 führen. Vorschläge des Tiefbauamtes, einen durchgehenden Solldiekswall, unterbrochen durch Kreisel, zu bauen, stießen im Stadtteil jedoch auf wenig Gegenliebe. Also wurde im Rathaus weiter gegrübelt und dann das Thema erstmal auf Eis gelegt. „Ruhige Wohnlage, saubere Luft, sicherer Schulweg, Umfeld mit viel Natur und stabile Immobilienwerte“ sind die Wünsche der Bürgerinitiative gegen Autobahnzubringer durch Meimersdorf e. V., die sogar ein eigenes Kurzgutachten zum geplanten Solldiekswall bei einer Fachagentur in Auftrag gegeben hat – ein Zeichen dafür, dass nicht nur gemeckert, sondern konstruktiv mitgedacht wird.

Wer ein Haus bauen möchte, findet im grünen Süden noch Grundstücke. Zwar sind nördlich des Kieler Wegs so gut wie alle Parzellen vergeben, doch die nächsten zwei Koppeln – Bebauungsplan 935c – warten bereits auf die Erschließung: Gut 100 Wohneinheiten sind westlich des Sportplatzes und südlich des Kieler Wegs geplant als Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser sowie Stadtvillen. „Meimersdorf-Feld“ heißt das Baugebiet, das Ring- und Stichstraßen, Grünflächen und ein Regenrückhaltebecken am tiefsten Punkt neben dem Eingang zum Sportplatz bekommen soll.

Enttäuscht über den Entwurf sind Mitglieder der Spiel- und Sportgemeinschaft Rot-Schwarz Kiel Kronsburg/Meimersdorf, die immer noch gehofft hatten, einen Teil des Grundstücks für den boomenden Sportverein zu bekommen. Besonders die 29 Ballsportmannschaften – davon 21 im Jugendbereich – haben seit Jahren einen großen Zulauf im Neubaugebiet. Die Antwort der Verwaltung ist eindeutig: „Eine Erweiterung des Sportplatzes nach Westen in das B-Plangebiet ist nicht realisierbar“, heißt es. Weil nicht nur Sportler, sondern auch Maulwürfe auf den vorhandenen Trainingsflächen aktiv sind, sammelt der Verein nun Spenden für einen Kunstrasenplatz und vergibt Patenschaften für einzelne Quadratmeter. Ehrenamtliches Engagement ist also gefragt. Und das ist im Stadtteil von jeher groß.

Die dörflichen Strukturen werden auch in dem 1902 gegründeten Friedhof mit groß angelegten Familiengräbern deutlich. Im Eingangsbereich der Anlage befindet sich vor der um 1950 gebauten Kapelle ein Kräutergarten mit Arznei- und Zierpflanzen in der Tradition der alten Kloster- und Apothekergärten. Doch mehr und mehr alte Grabstellen verschwinden, weil die städtischen Gebühren so hoch sind, dass viele Familien sie nicht mehr bezahlen können. Ein einmaliges Zeugnis traditioneller Bestattungskultur geht damit nach und nach verloren.

Ganz auf die Zukunft gerichtet ist dagegen die Diskussion um Windkraft, mit der die Energiewende im Kieler Süden angekommen ist. Denn auch an der Meimersdorfer Stadtgrenze könnten möglicherweise mächtige Windräder aufgestellt werden. Die Ansicht dazu ist geteilt. „Jetzt müssen wir etwas für die Zukunft tun“, betonen Befürworter der Windmühlen. Die Landschaft werde verschandelt, die Tierwelt irritiert, der Wert der Grundstücke gemindert und die Lebensqualität im Grüngürtel durch Geräusche, Infraschall und Schlagschatten verringert, sagen dagegen Kritiker.

Da war doch noch was: Ganz Kiel hat keinen Straßenkarneval. Ganz Kiel? Nein! Ein von unternehmungslustigen Nordrhein-Westfalen unterwandertes Dorf hört nicht auf, von der fünften Jahreszeit zu schwärmen – solange, bis aus einer Bierlaune heraus im Jahr 2008 ein Karnevalsverein gegründet wird: Die „Meimersdorfer Narren“ ziehen seitdem zur Faschingszeit bonbonwerfend mit dröhnender Partymucke durch den Stadtteil. Von Häme („wat schall dat denn?“) und Regen (wie aus Kübeln) lassen sich die eingebürgerten Jecken nicht erschüttern. Jedes Jahr wird der Umzug länger und die Zahl der Gäste größer. Seit selbst Kritiker den Straßenrand säumen, um mit Plastiktüten bewaffnet nach fliegenden Naschis und Spielsachen zu angeln, wenn die verkleideten Narren los sind, kann man sagen: Auch die Landeshauptstadt hat den Straßenkarneval. Na dann: „Kiel ahoi!“ und „Meimersdorf meido!“

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