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Kiel Rauch ist nicht gleich Rauch
Kiel Rauch ist nicht gleich Rauch
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07:00 19.09.2018
Von Frank Behling
Containerfrachter haben den größten Anteil an den Emissionen. Kreuzfahrer sind bislang an der neuen Messstation an der Friedrichsorter Enge nicht aufgefallen. Quelle: Frank Behling
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Kiel

Es ist eine Nachricht, die auf viel Unverständnis gestoßen ist. Dass die Schadstoffbelastung durch die Kreuzfahrer im Kieler Hafen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Feinstaub- und Stickoxidmessungen in der Stadt haben sollen, können viele Leser nicht glauben. Zu markant wirke der Rauch, der aus den Schornsteinen aufsteigt. Zu stark sei der Gestank, der gelegentlich rund um die Förde bemerkbar ist.

Ältere Frachter sind das größere Problem

Doch Experten bestätigen: Gerade moderne Kreuzfahrtschiffe stoßen zwar gut sichtbare weißen Wolken aus – dabei handelt es sich aber inzwischen überwiegend um Abluft aus den Abgasnachbehandlungsanlagen. Schiffe ohne Scrubber und Katalysatoren sind hingegen meist ohne Rauchwolken unterwegs. Für die Umwelt problematischer sind jedoch ältere Frachter, Tanker und Containerschiffe, die auch weltweit den höchsten Anteil an Immissionen auf See ausmachen.

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Vergangenen Freitag hatte der Seehafen Kiel die Ergebnisse von monatelangen Messungen präsentiert, die in einem „zertifizierten Verfahren“ rund um die Liegeplätze in der Innenstadt ermittelt worden seien. Das Umweltministerium hat keinerlei Zweifel, dass die Zahlen stimmen. Die Daten vom Seehafen decken sich  auch mit denen einer neuen Messstation, die am Fördeufer bei Laboe steht. Mehrmals wurde dort Alarm wegen erhöhter Schadstoffwerte ausgelöst. „Es ist jedoch bislang noch kein Kreuzfahrtschiff auffällig geworden“, sagt Andreas Weigelt vom BSH aus Hamburg. Die Umweltsünder seien meist Frachter.

Stena hat eine Abgasnachbehandlungsanlage

Gerade die Stena Line löst bei vielen Menschen aber Zweifel an der Aussage aus. Die „Stena Scandinavica“ zieht seit einer Werftüberholung im Frühjahr eine helle Wolke hinter sich her. In die Fähre wurde eine Abgasnachbehandlungsanlage eingebaut, ein sogenannter Scrubber. „Was aus dem Schornstein rauskommt, sind Dampfwolken. Mit Wasser gesättigtes warmes Abgas der Motoren bildet bei der Abkühlung am Austritt Wasserdampf“, sagt Mirko Schlegelmilch, Experte für Umwelttechnik bei der Klassifikationsgesellschaft DNV GL aus Hamburg. „Bei einem Scrubber werden annähernd 100 Prozent des Schwefeloxids aus den Abgasen entfernt“, erklärt Schlegelmilch.

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