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Kiel Deutsche Musikszene zeigt Gefühl
Kiel Deutsche Musikszene zeigt Gefühl
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00:34 25.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Mark Forster begeisterte mit „Du Und Ich“ vom Album „Karton“ oder „Flash Mich“. Quelle: kpb
Kiel

40 Millionen Klicks auf der Videoplattform youtube sind eine immens hohe Zahl, doch so deutlich schlägt sich das in der Besucherzahl noch nicht nieder. Etwa zu einem Drittel ist das NDR-Gelände am Ostseekai gefüllt, als Michael Schulte aus Dollerup bei Flensburg die Bühne betritt, auf der zwei Tage zuvor sein Mentor Rea Garvey die Massen begeisterte. Mit Coverversionen und charismatischer Stimme wurde der Lockenkopf zum Internetstar, erreichte bei „The Voice Of Germany“ 2012 den dritten Platz, jetzt schreibt er längst eigene Songs. Mit „Heard You Crying“ von seinem Debütalbum „Wide Awake“ starten er und seine vierköpfige Band sanft in den Abend, es folgt ein quirliges, von einer Mandoline angeschobenes, „Take Me As I Am“. 

Im Oktober soll sein zweites Album „Arising“ erscheinen, eine Vorschau gibt`s mit dem rockig schunkelnden „Rock And Scissors“ inklusive Gitarrensolo. Stimme und Phrasierung sind eine Ohrenweide, da steht ein guter Typ auf der Bühne mit ebenso guten Songs, die Spaß machen, nicht plätschern, sondern ins Bewusstsein tropfen wie das verträumte „Silence“ oder die Ballade „Thoughts“, die sich behutsam und doch so kraftvoll gegen den Wind stemmt, der empfindlich kühl Richtung Bühne weht. Viel Gefühl auch bei „Mountain Spring“ und dem fabelhaften „Take It All Away“. Ein weiterer Interpret mit viel Potential, dem man nur jede erdenkliche glückliche Fügung wünschen kann.

Michaael Schulte auf der NDR-Bühne. Foto: kpb Quelle: kpb

Den Erfolg genossen haben die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder bereits mit ihrer alten Band Fury In The Slaughterhouse, mit der sie weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurden. Im selben Maße haben sie auch die Schattenseiten des Rampenlichts kennengelernt und schöpfen daraus die Kraft für ihr Sextett Wingenfelder. „Denn der Weg, er dauert Stunden, bis wir oben sind, runter in Sekunden, schneller als der Wind. Und wir hängen ohne Seil in der Wand, und dein Leben hängt an meiner Hand. Ich halt dich fest“, singt Kai in „Die Wand“, einer dieser wundervollen Balladen im Set von Wingenfelder. Das Mikro ist meist in Kais Händen, doch auch Bruder Thorsten, der die Telecaster twangt, aber auch mal zum Banjo greift, zeigt viel Gefühl und Stimme in „Oben am Wendehammer“ vom aktuellen Album „Selbstauslöser“.  Rockig beschleunigt „Petra Pan“, auch zu „Revolution“, von Kai mit „eine aussterbende Spezies, das politische Lied“ angekündigt, wird vehement in die Akustikklampfen gedroschen. Klare, reife, humorvolle Rückblicke und Einsichten prägen die Lieder, wie die Uptempo-Nummer „Klassenfahrt“, dazu passen natürlich auch die neu arrangierten, taufrischen Fury-Hits wie „Dead And Gone“, „Won`t Forget These Days“ und das abschließende „Time To Wonder“, das ein Gefühl vermittelt, als reise man im Nachtzug in die Ewigkeit.

Thorsten Wingenfelder präsentierte wundervolle Balladen. Foto: kpb

Die älteren Zuschauer ziehen sich zurück, der Nachwuchs drängt nach vorn, als Mark Forster gleich bis an den Bühnenrand eilt. Gefühlvoller deutscher Indiepop, wie ihn auch Kollege Tim Bendzko in die Teenieherzen pflanzte, begeistert auch hier. Mit „Du Und Ich“ vom Album „Karton“ oder „Flash Mich“ vom gerade releasten Longplayer „Bauch Und Kopf“ hat der ehemalige Pianist von Kurt Krömer die Fans auf seiner Seite. Viele wärmende Worte an einem kalten, aber immerhin trockenen Abend.

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