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Kiel Feinmechaniker des Pop
Kiel Feinmechaniker des Pop
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00:42 27.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Mike & The Mechanics verfügen über kraftvolle, soulige Stimmen, die den Songs eine etwas andere Note verleihen. Quelle: fpr
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Kiel

Auch in den Neunzigern konnten die Briten noch Hits landen wie den Opener „A Beggar On A Beach Of Gold“. Seit 2010 leistet sich Altmeister Rutherford zwei Sänger, den Briten Andrew Roachford und den Kanadier Tim Howar. Beide verfügen über kraftvolle, soulige Stimmen, die den Songs eine etwas andere Note verleihen. Klingt aber gut und hat schon Seal-Appeal, wie Roachford „Another Cup Of Coffee“ ins Mikro haucht. Der Brite unterstützt zudem den Bandsound am Keyboard und macht die Ansagen auf Deutsch. Songs von allen Alben wolle man spielen, kündigt er an. So darf mit „Try To Save Me“ auch ein Titel vom Album „The Road“, 2011 veröffentlicht, nicht fehlen. Feine Harmonien zum sanften Mitschwingen unter einem gnädigen Wolkenhimmel.

Ein erstes großes Aufschreien erfolgt nach vier Synthietönen von Luke Juby. Kennt man, „Silent Running“ von 1985 mit dem langgezogenen „Can you heaaar me?“. Hier zeigt sich einmal mehr die Kraft des reduzierten Gitarrenspiels von Mike Rutherford und sein Feingefühl für Harmonien. Kleine rhythmische Verschiebungen im Anschlag und der Tastensound sind weiterer Stoff, aus dem Hits sind.

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Nachdem sich die Italiener den bissigen Uruguayos beugen mussten, strömen weitere Zuschauer auf das ohnehin schon gut gefüllte Gelände, der Himmel ist mit Ballons gepunktet, und die Band zeigt sich ebenso stimmungsvoll. Nach „Nobody`s Perfect“ folgt mit dem funkigen „Cuddly Toy“ ein Song von Andrew Roachfords eigener Band Roachford. Dazu erhebt sich der Sänger vom Keyboard, um sich ganz dem Groove dieser Nummer hinzugeben, Rutherford wechselt an den Bass, Tieftöner Anthony Drennan macht dafür auch an den sechs Saiten eine sehr gute Figur.

Wo man gerade so schön am Covern ist, darf man auch Rutherfords Geschichte nicht aussparen, ein Riff, ein Aha: „I Can`t Dance“, der staubtrockene Slow-Rocker von Genesis, fühlt sich richtig gut an.

Band und Publikum sind wieder ganz Achtziger, als Rutherfords Gitarre sanft durch „The Living Years“ gleitet. Arme schwenken, im nicht vorhandenen Wind wiegen und an die Haare von früher denken. Zu solchen passt natürlich „All I Need Is A Miracle“, ebenfalls ein großer Hit. Tim Howar spielt seine Entertainerqualitäten aus, macht Mitsingspielchen, bringt aber das Publikum auch durch schnelle Silbenfolgen nicht aus der Fassung.

Zwei haben sie schließlich noch, das wundervoll arrangierte, von akustischer Gitarre getragene „Over My Shoulder“ („Looking Ba-ack …“) und das stampfende „Word Of Mouth“ von 1991, dann haben die Mechaniker und ihr Meister ihr zeitloses Werk vollendet und winken zufrieden in die ebenso zufriedene Menge.