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Kiel Student lebt mit NFC-Chip in der Hand
Kiel Student lebt mit NFC-Chip in der Hand
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15:28 06.02.2020
Von Jonas Bickel
Daniel Heyer aus Kiel trägt ein NFC-Implantat unter der Haut. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Die linke Hand von Daniel Heyer aus Kiel ist auf den ersten Blick unauffällig. Wer ihm die Hand schüttelt, merkt nicht, dass in Heyers Hand etwas schlummert. Etwas, das sich erst bemerkbar macht, wenn ein Smartphone an Heyers Hand gehalten wird. Dann ploppt plötzlich eine Visitenkarte auf dem Display auf – mit den Kontaktdaten von Daniel Heyer.

Visitenkarte ist auf dem Implantat gespeichert

Heyer studiert Physik und Chemie auf Lehramt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Wenn der 22-Jährige mit neuen Bekanntschaften an der Uni Kontaktdaten austauschen möchte, muss er seine Telefonnummer nicht diktieren oder eine Visitenkarte aus Papier übergeben. Stattdessen reicht es, wenn jemand ein Smartphone auf Heyers Hand legt – schon hat er seine Kontaktdaten.

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Grund: Heyer hat ein Mikrochip-Implantat in der Hand. Zwischen Daumen und Zeigefinger sitzt das Implantat, zwei Millimeter breit, zwölf lang, umschlossen von biokompatiblem Glas. Von außen lässt sich das Implantat nur dann erkennen, wenn Heyer die Haut an der Stelle anspannt, unter der das Implantat liegt. Telefonnummer, Adresse, E-Mail: Diese Daten sind auf dem Chip gespeichert. Nur für ein Kontaktfoto hat der Speicherplatz von rund 800 Bytes nicht ausgereicht.

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Mikrochip-Implantat funktioniert mit NFC

Wie funktioniert das? Daniel Heyer sitzt in der vollen Mensa der CAU Kiel und erzählt. Das Implantat nutzt die sogenannte NFC-Technologie, die auch beim kontaktlosen Bezahlen mit Kreditkarten verwendet wird. Die meisten Smartphones sind NFC-fähig, können den Chip also lesen. Heyer kann seinen Chip programmieren und darauf Daten abspeichern.

Das Implantat hat Heyer seit rund zweieinhalb Jahren. Damals beschloss er: "Komm, was soll’s, ich mach das einfach mal". Er bestellte sich das Implantat im Internet beim Anbieter "I am Robot". Die Firma aus Dortmund bewirbt auf ihrer Homepage die Mikrochip-Implantate: "Upgraden Sie Ihren Körper mit neuen Funktionen."

NFC-Chip wird mit einer Nadel implantiert

Heyer bekam das Implantat in einer Kanüle mit einem Durchmesser von etwa zwei bis drei Millimeter nach Hause geschickt. Er hatte außerdem einen Partnerpiercer gebucht, die Gesamtkosten lagen bei etwa 100 Euro. In Hamburg ließ sich Heyer das Implantat einsetzen – ein schneller Vorgang.

So sieht ein Mikrochip-Implantat aus

Der Piercer zog die Haut zwischen Heyers Daumen und Zeigefinger etwas nach oben und spritzte ihm das Implantat unter die Haut. "Das blutet dann natürlich erstmal wie Sau", sagt Heyer. Am ersten Tag habe die Hand ordentlich gepocht, etwa eine Woche war sie noch ein wenig angeschwollen. Danach seien die Schmerzen aber weg gewesen.

So funktionieren Mikrochip-Implantate

Es gibt viele verschiedene Mikrochip-Implantate mit jeweils eigenen Funktionen. Viele dieser Implantate funktionieren mithilfe der RFID-Technologie. RFID steht für Radio Frequency Identification. Es handelt sich um eine Identifizierung über elektromagnetische Wellen. Auf einem RFID-Chip können unterschiedliche Informationen gespeichert werden – etwa Kontaktdaten. Diese Daten kann ein Lesegerät über Funk auslesen.

RFID-Implantate sind in der Regel passiv, das bedeutet, dass sie keine Stromversorgung benötigen und nicht aktiv senden können. Dazu gehören auch Implantate, die auf dem RFID-Standard NFC (Nahfeldkommunikation) basieren. NFC-Technologie findet sich auch in Giro- und Kreditkarten wieder, mit denen dann kontaktlos bezahlt werden kann.

Kontaktlos bezahlen kann man auch mit bestimmten Payment-Implantaten. Andere Implantate beinhalten eine kleine LED-Lampe und lassen die Haut leuchten. Auch das Implantieren von kleinen Magneten unter der Haut wird von einigen Firmen angeboten.

NFC-Implantat von Student aus Kiel: Nutzen im Alltag ist überschaubar

Doch wie oft nutzt Heyer sein Implantat jetzt eigentlich? "Relativ selten", sagt er. Da er aktuell nur seine Kontaktdaten auf dem Chip gespeichert hat, hält sich der Nutzen im Alltag in Grenzen. Er ist noch auf der Suche nach einem passenden Türschloss für das Implantat. Denn auch die eigene Haustür kann mit einem Mikrochip-Implantat geöffnet werden.

Reaktionen auf Implantat überwiegend positiv

In die Mensa an der Uni in Kiel strömen zur Mittagszeit immer mehr Studenten. Einer von ihnen schnappt etwas von Heyers Erfahrungsbericht auf und spricht ihn direkt an. "Ist das cool? Spürt man da irgendetwas?" Er spüre nichts vom Implantat und habe keinerlei Einschränkungen, entgegnet Heyer. Reaktionen wie diese sind für den 22-Jährigen Normalität.

Andere Studenten seien sehr interessiert an dem Implantat. "Viele sagen aber, dass es für sie persönlich nichts wäre", sagt Heyer. Seine Eltern haben sich ebenfalls mit dem Implantat abgefunden, "auch wenn die mich am Anfang für ein bisschen verrückt erklärt haben". Insgesamt sei die Resonanz aber überwiegend positiv.

Bank wirbt mit Implantaten

Auch eine deutsche Bank hat NFC-Implantate für sich entdeckt: Die Sparda-Bank Berlin bietet Kunden, die bis zum 31. März eine Baufinanzierung bei der Bank abschließen, zwei kostenlose NFC-Implantate an. Damit sollem vor allem junge Menschen erreicht werden. Mit einem etwas skurillen Werbespot wirbt die Bank für die Aktion. Zwei Dragqueens unterhalten sich darin über den Garten der Nachbarin – bis diese vorbeiläuft und ihre Haustür mit einem Implantat öffnet. Der Spot wird ausschließlich in den sozialen Netzwerken gezeigt.

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Datenschutzbedenken eher unbegründet

Trotzdem gäbe es einige Vorurteile – zum Beispiel beim Thema Datenschutz. Dabei ist der Datenschutz ein sehr geringes Problem bei Mikrochip-Implantaten wie dem NFC-Implantat von Heyer. Denn der Chip sendet nicht selbst, enthält auch keine GPS-Technologie. Eine Ortung des Trägers ist deswegen rein technisch gar nicht möglich. Und die Visitenkarte? "Die kann man nur auslesen, wenn man zum Beispiel mit einem Smartphone maximal drei Zentimeter von meiner Hand entfernt ist", sagt Heyer.

Außerdem kann Heyer selbst einstellen, was er auf dem Implantat speichert: "Ich habe die Hoheit über meine Daten." Im Gegensatz zu anderen NFC-fähigen Geräten wie einem Smartphone oder einer Smartwatch kann das Implantat praktisch nicht gestohlen werden. "Und wenn mir jemand die Hand abhackt, habe ich sowieso andere Probleme", sagt Heyer mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Student aus Kiel: Mikrochip-Implantat ist ein Partygag mit Potenzial

Dass das Einsetzen des Implantats ein deutlicher Eingriff in den eigenen Körper ist, ist Heyer bewusst. "Der Körper ist allerdings nicht mehr das Heiligtum, das er mal war. Das sieht man daran, dass Tattoos und Piercings immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen", sagt Heyer. Für ihn selbst ist das Implantat eine "Mischung aus Partygag und technologischer Revolution". "Rational gesehen brauche ich das Implantat aber nicht", sagt der Student.

Daniel Heyer steht auf und verlässt die Mensa. Er hat jetzt Schluss – lernen muss er trotzdem: Bald stehen wichtige Prüfungen im Rahmen des Studiums an. Für die Ticketkontrolle im Bus kann er seinen Chip nicht nutzen – noch nicht, meint Heyer. "Ich hoffe, dass ich irgendwann ein Implantat als Busticket nutzen kann."

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