Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Kiel schreibt Inklusionsgeschichte
Kiel Kiel schreibt Inklusionsgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:52 01.11.2016
Von Jürgen Küppers
Großer Auftritt vor großem Auditorium: Im Januar 2016 hielten Marco Reschat und Isabell Veronese an der Kieler Universität ihre erste Vorlesung vor fast 300 Lehramtsstudierenden zum Thema Inklusion. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Jetzt wird die einstige gemeinnützige GmbH der Stiftung Drachensee akademisch „geadelt“: Sie fungiert künftig offiziell als angegliedertes Institut der Kieler Universität. Wie berichtet, fand das in Kiel entwickelte Projekt sogar international Beachtung von Wien bis Manchester (siehe zusätzlicher Text). Das Besondere daran: Menschen mit körperlichen oder psychischen Handicaps wurden zunächst drei Jahre lang als Inklusionsexperten ausgebildet. Schon während ihrer Ausbildung gaben sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen in mehr als 70 Veranstaltungen – zum Beispiel in Form von Seminaren oder Vorlesungen – an Studierende (Lehramt, Pädagogik) weiter.

Es handelt sich nicht um ein Sozialprojekt

Das Ziel dabei: Angehende Pädagogen sollen von ihnen aus erster Hand erfahren können, was menschlich oder auch rechtlich wichtig ist, um eine möglichst selbstverständliche Augenhöhe von Menschen mit und ohne Handicap zu erreichen. Diese Arbeit der Bildungsfachkräfte wird nun durch sozialversicherungspflichtige Jobs am Institut für Inklusive Bildung mit seiner engen Anbindung an die Universität stark aufgewertet. „Dabei handelt es sich nicht um ein Sozialprojekt. Unsere Mitarbeiter sind jetzt Teil des Wissenschaftsbetriebs“, betonte der Mitinitiator des Projekts Dr. Jan Wulf-Schnabel.

Uni-Vizepräsidentin Prof. Ilka Parchmann sah das genauso: „Durch das neue An-Institut rückt das Thema Inklusion bei uns erstmals in den Fokus von Lehre und Forschung.“ Zunächst gelte dies für Pädagogik- und Lehramtsstudiengänge, später könnten aber auch Studierende andere Fächer vom Wissen der Bildungsfachkräfte profitieren. Finanziert wird das Institut mit seinen derzeit fünf Mitarbeitern vom Land, das rund 1,25 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung stellt. Wissenschafts-Staatsekretär Rolf Fischer kündigte eine Anschlussfinanzierung über die Dreijahresfrist hinaus an: „Denn wir wollen die Arbeit der Bildungsfachkräfte zum Thema Inklusion auch langfristig sicherstellen.“

Ein "echter Meilenstein"

Nach Fischers Einschätzung bedeute dies einen „echten Meilenstein“ sowohl für die Hochschullandschaft als auch für die Menschen mit einer Behinderung. „Meiner Kenntnis nach ist dies in Deutschland bislang beispiellos. Insofern schreiben wir jetzt Hochschul- und Inklusionsgeschichte gleichermaßen.“

Auch Jan Wulf-Schnabel hielt den Karrieresprung seiner Bildungsfachkräfte von den Drachensee-Werkstätten in den ersten Arbeitsmarkt für eine Erfolgsgeschichte. Mit dem Institut etabliere sich nun ein völlig neues Bildungsverständnis. „Es wird nun institutionalisiert, dass Menschen mit Behinderungen selbst-kompetent zu Wort kommen, statt nur über sie zu reden.“ Dass das Institut nun offiziell zur Kieler Universität gehört, hätte Wulf-Schnabel nie für möglich gehalten: „Es ist eine große Ehre und viel mehr als das Sahnehäubchen zum Abschluss.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kiel Dunkle Ecken in Kiel - Stadtpolitiker wollen nachbessern

Kommunalpolitiker und Leser haben besorgt auf die Beleuchtungssituation in der Landeshauptstadt reagiert. Wie berichtet, sieht sich das Tiefbauamt mit Verweis auf das mit 100 000 Euro begrenzte Budget nicht in der Lage, alle unbeleuchteten Wege und Straßen in Kiel mit Laternen auszustatten.

Karen Schwenke 31.10.2016
Kiel Erinnerung an Erbgut-Pionierin - Straßename auf Klinikgelände geändert

Das Urteil der Historiker über den früheren Kieler Klinikdirektor Alfred Schittenhelm fiel nach intensiver Recherche im vergangenen Mai eindeutig aus: Schittenhelm sei als Forscher, Funktionär und SS-Mitglied tief in die Machenschaften der Nationalsozialisten verstrickt gewesen.

Martina Drexler 31.10.2016

So ganz klappt es noch nicht mit dem im Sommer angeschobenen interkulturellen Nadelklappern im Bürgertreff der Räucherei. Gehäkelt und gestrickt wird weiterhin überwiegend im Kreise alteingesessener Frauen vom Ostufer.

Martin Geist 31.10.2016