Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Wer in Kiel Möwen füttert, muss bis zu 1000 Euro zahlen
Kiel Wer in Kiel Möwen füttert, muss bis zu 1000 Euro zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 24.07.2019
Von Karen Schwenke
Füttern verboten: Hafenstädte wie Kiel gehen mit drastischen Bußgeldern gegen Möwen-Plage vor. Quelle: Ulf Dahl
Anzeige
Kiel

Möwengeschrei gehört zu Kiel wie Meeresrauschen. Doch die maritime Idylle trügt: „Das Füttern der Möwen führt zu erheblichen Belästigungen, da die Tiere an die Futterstellen gewöhnt werden, diese aggressiv angehen und gelegentlich auch Bürger attackieren. Zudem führen die Verschmutzungen zu weiteren Belästigungen.“ Mit dieser Begründung hat Kiel vor elf Jahren ein Möwenfütterungsverbot im Stadtgebiet erlassen.

Möwen-Füttern in ganz Kiel verboten

Während es kein grundsätzliches Verbot für ganz Deutschland gibt, ist es im gesamten Stadtgebiet Kiel nicht nur ausdrücklich verboten, die Vögel zu füttern, sondern auch Futter- oder Lebensmittel auszulegen.

Anzeige

Das maximale Bußgeld beträgt 1000 Euro. Hin und wieder gebe es auch Bußgeldverfahren. Die Gelder lägen dann aber meist nur bei 80 bis 100 Euro, so ein Sprecher der Stadt. Das „Problem: Man muss die Leute erwischen.“

Hotspot für Möwen ist das Olympiazentrum Schilksee

Neben der Innenstadt von Kiel sei vor allem das Olympiazentrum Schilksee von der Möwen-Plage betroffen. Dort ist die Fischbude Goldfisch ein Hotspot für Möwen. Die Wasservögel kreisen kreischend über dem Kiosk und warten auf frische Beute.

„Kaum kommt ein Kunde mit seinem Fischbrötchen heraus, muss er sehr aufpassen, dass die Möwen das Brötchen nicht gleich wegschnappen“, berichtet Verkäufer Mubeen Hussain. 20 bis 30 Mal am Tag passiere es dann doch: „Die Vögel kommen von hinten im Sturzflug auf den Menschen zu und schnappen sich den Fischbelag. Das ist echt eine Plage geworden“, so Hussain.

Die Möwen sind aggressiv: Lippe blutete

Gast Lutz Lübcke kennt die Masche der Möwen: „Bei mir hat sich sogar schon mal eine auf die Schulter gesetzt“, berichtet der Kieler und seine Frau erzählt, dass sie beobachtet hat, „wie eine Möwe einem Mann den Fischbissen sogar aus dem Mund gerissen hat, sodass die Lippe blutete“.

Selbst die Kinder sind gewarnt: Die siebenjährige Maya Berchter aus Hamburg sucht mit ihrem Brötchen Schutz unter einem Baum, denn erst vorgestern habe sie gesehen, „wie eine Möwe einem Mann das ganze Fischbrötchen geklaut hat“.

Egal, wen man in Schilksee fragt, jeder hat eine eigene Möwen-Raubgeschichte zu erzählen. Doch freiwillig füttern? „Das machen eher die Touris, die meisten wissen nämlich gar nichts vom Fütterverbot. Wir sagen ihnen, dass es bis zu 1000 Euro kostet. Dann hören sie sofort auf“, sagt Fischbuden-Inhaberin Nadine Lerdon.

Möwen füttern: Welche Vorschriften gelten in Deutschland?

Ist das Füttern von Möwen in Deutschland verboten?

Ein generelles Verbot gibt es nicht. Gemeinden entscheiden individuell darüber, ob ein Verbot erlassen wird oder nicht.

Gibt es ein Bußgeld fürs Füttern von Möwen?

Ja, dort wo es untersagt ist, können Bußgelder verhängt werden. Im Zweifel sollte das Füttern zum Schutz der Tiere und um ein Bußgeld zu vermeiden, unterlassen werden.

Sind die Bußgelder überall gleich?

Nein. Die Gemeinden legen diese fest. Es kann also bundesweit Unterschiede geben. Bußgelder können bei 20 Euro beginnen und mitunter bis zu 5000 Euro betragen.

Auch der Nabu ist gegen das Füttern von Wildvögeln

Auch aus Sicht des Naturschutzbundes macht das Verbot Sinn, denn „es ist nicht tiergerecht“, erklärt Hartmut Rudolphi, Ortsgruppenleiter des Nabu-Kiel. Zwar seien Möwen Allesfresser, aber sie vertragen die fettigen, gewürzten und süßen Speisen der Menschen nicht. „Es ist eine Unsitte, die Vögel zu füttern. Sie lernen schnell und gewöhnen sich daran.“

In Strande und Schwedeneck gibt es keine Verbote

Diesen Lernprozess haben die Möwen in den Kieler Umlandgemeinden Strande und Schwedeneck offenbar nicht durchgemacht. Denn dort sind die Möwen kein Problem. Das sagen die Tourismus-Chefs aus Strande und Schwedeneck, Heiko Drescher und Manfred Marlon, die in ihren Gemeinden noch keine räuberischen Möwen beobachtet haben und daher auch keinen Anlass für Verbote sehen.

Der Bürgermeister in Laboe hält Bußgelder nicht für sinnvoll

In Laboe bereiten die Seevögel den Verantwortlichen schon Sorgen. Touristchef Stefan Tomnitz sagt: „Man sieht immer wieder, dass Urlauber Möwen füttern.“ Laut Strandsatzung ist das Füttern von Wasservögeln aber untersagt und mehrere Schilder weisen darauf hin.

Strafen werden hier nicht verhängt: „Bußgelder halte ich für Fremdenverkehrsorte, aber auch im Allgemeinen nicht für zielführend“, sagt der Laboer Bürgermeister Heiko Voß. „Wir haben ein Gästekultur, selbst wenn ich das Personal hätte, würde ich nicht mit Bußgeldern drohen.“

Wismar führt Verbot mit Bußgeldern von bis zu 5000 Euro ein

Im Rostocker Stadtteil Warnemünde gilt seit 2009 das Fütterverbot. Im Extremfall wird ein Bußgeld von 5000 Euro fällig, die allermeisten Verstöße seien aber geringfügig, so eine Sprecherin der Hansestadt.

Die Stadt Wismar wird das Verbot mit ebenso hohen Bußgeldern zum 1. August 2019 mit der Begründung einführen, dass die Möwen im Bereich des Hafens immer aggressiver auftreten.

Sylt hat allgemeines Möwen-Fütterverbot wieder abgeschafft

Auf Sylt hat man sich von dieser Strategie längst verabschiedet. Dabei hatte die Stadt Kiel 2008 das Möwen-Verbot nach dem Vorbild der Gemeinde Sylt eingeführt. Auf der Insel wurde das allgemeine Möwenfütterungsverbot aber schon vor Jahren wieder abgeschafft, wie Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt berichtet.

Stattdessen nehmen die privaten Tourismusbetriebe ihr Hausrecht auf den Strandabschnitten wahr und sprechen Verbote aus.

Der Grund: „Als Gemeinde das Verbot auszusprechen war schwierig, es war ein zahnloser Tiger. Wir hatten kaum Ahndungsmöglichkeiten, daher hat es für uns keinen Sinn gemacht.“

Stimmen Sie ab!

Sollte das Füttern von Möwen verboten sein?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Sollte das Füttern von Möwen verboten sein?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Mehr zu Kiel lesen Sie hier

Jürgen Küppers 23.07.2019
Martin Geist 23.07.2019
Frank Behling 23.07.2019