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Kiel Mord und Totschlag im Herzen Kiels
Kiel Mord und Totschlag im Herzen Kiels
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09:41 27.09.2012
Von Günter Schellhase
Alwin Niemannzweiter Prozeßtag Quelle: Prof. Fritz Bauer
Kiel

Der Prostituiertenmörder Alwin Niemann hielt Mitte der 80er Jahre die Stadt in Atem. Niemann ging damals in die Kieler Bordelle, war offensichtlich nicht mit den Leistungen zufrieden und hätte die Frauen dann „weggemacht“, erinnerten sich Kai Köpke und Jörg Kieckbusch an die Aussage des Mörders während der Verhöre. Sie beackerten damals das Milieu und waren im Dienst, als der ehemalige Schlachthofangestellte zwischen 1983 und 1986 drei Prostituierte erwürgte.

 Die Polizei kam Niemann auf die Spur, nachdem im Sommer 1987 die verbrannte Leiche einer jungen Frau in der Feldmark von Altenholz gefunden wurde. Niemann hatte die Frau in der Bergstraße aufgelesen, vergewaltigt, mit Benzin übergossen und angesteckt. Bei den Ermittlungen in dem Diskothekenzentrum trafen die Beamten eine Zeugin, die sich das Kennzeichen des Autos gemerkt hatte, in das die 19-Jährige eingestiegen war. Alwin Niemann wurde 1988 zu einer lebenslangen Haft verurteilt und verstarb 2004 in Alter von 45 Jahren im Lübecker Gefängnis.

 Im vergangenen Jahr wies die Kieler Mordkommission mit neuer DNA-Analysetechnik Niemann den Mord an Alexandra S. aus dem Mai 1987 nach. Diese Tat hatte großes Entsetzen ausgelöst. Die Leiche der damals 19-jährigen Gymnasiastin hatte erhebliche innere Verletzungen im Genital-, Hals- und Brustbereich. Die Mordkommission hatte Niemann schon damals im Visier, konnte ihm die Tat aber nicht nachweisen. Fünf Frauen hat er ermordet.

 Mit zwei Schüssen aus einer großkalibrigen Pistole in Hals und Gesicht richtete am 10. Januar 1991 der damalige Wirtschafter M. die Kieler Kiez-Größe Dirk B. im Rotlichtviertel auf dem Gehweg vor der „Jubiläums-Kneipe“ hin. „Als wir mittags in Zivil dort eintrafen, lag der korpulente Mann in einer riesigen Blutlache“, erinnerten sich Köpke und Kieckbusch an diesen grauenvollen Anblick. Prostituierte und Wirtschafter fürchteten den 37 Jahre alten B., der über ein Jahrzehnt meist volltrunken sein „Fußvolk“ drangsalierte und ein hartes Regime führte.

 „Wir bekamen dann den Hinweis, dass der Schütze im ersten Stock des Bordells sitzen würde. Als wir die Treppe hochstiegen, schlug unser Puls schon deutlich höher“, sagten die Polizisten. Damals waren sie alleine, heutzutage hätten die Beamten bei so einem Fall ohne Spezialkräfte keinen Schritt über die Schwelle gemacht.

 Der damals 44 Jahre alte M. saß an einem Tisch, die Waffe vor sich. Er sei von B. gequält und mies behandelt worden. Der brutale Zuhälter hätte Zigarettenkippen auf ihm ausgedrückt. Wie M. damals gestand, hätte er das alles nicht mehr ausgehalten und zweimal abgedrückt. Viele Menschen aus dem Milieu seien damals nicht traurig gewesen. Gemutmaßt wurde, dass sich M. „geopfert“ und so seine Mitgepeinigten von B. befreit hätte. Der Kroate wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, hat wegen guter Führung aber nur viereinhalb abgesessen. Wo er sich jetzt aufhält, ist nicht bekannt.

 Den robusten Mercedes Benz hatten die drei Einbrecher in einer Nacht Mitte Januar 2002 geklaut, waren damit in die Holstenstraße gefahren und rückwärts durch Rolltor und Glastür in ein Juweliergeschäft gerast. Das Tor wurde bei diesem Blitzeinbruch bei Happe völlig zerdeppert, die Tür eingedrückt. Die Druckwelle hatte sogar die Oberlichter der Werkstatt zum Zerbersten gebracht. Die drei Einbrecher sackten schnell an die 100 Uhren und Schmuck im Verkaufswert von fast 500000 Euro ein.

 Doch viel Freude mit ihrem Diebesgut hatten die Männer nicht. „Nur acht Sekunden nachdem der Alarm ausgelöst worden war, war ich mit meiner Kollegin vor Ort“, erzählte Jörg Riemer, der damals mit dem Streifenwagen am Berliner Platz stand. An die kurze, aber dramatische Verfolgungsjagd durch das nächtliche Kiel erinnert er sich noch genau: „Die Männer sprangen in den Wagen und rasten über den Europaplatz durch die Lange Reihe und über den Ziegelteich“, erzählte er. Wäre ein Lkw dort unterwegs gewesen, hätte die Flucht ein schnelles Ende genommen.

 „Dann wollten sie links an der Verkehrsinsel vorbei, kamen aber aus der Spur und knallten frontal auf einen Poller. Das Heck des Wagens hob deutlich sichtbar von der Straße ab“, beschrieb Riemer diesen „unvergesslichen Augenblick“. Zwar wurden die Männer dabei ordentlich durchgeschüttelt, dennoch rissen sie die Tür auf und türmten. „Wir haben fünf Warnschüsse abgegeben, die Kollegin rannte hinterher, ich fuhr im Wagen. Nach einigen Metern konnten wir die Männer dann festnehmen. Sie hatten keine Waffen.“ Die Täter kamen ins Gefängnis. Bereits im Jahr 2000 hatte es einen brachialen Blitzeinbruch bei Happe gegeben. Diese Täter wurden nicht geschnappt.

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