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Kiel „Muddi Markt“ lockt die Besucher
Kiel „Muddi Markt“ lockt die Besucher
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00:18 30.06.2013
Von Paul Wagner
Kieler Woche Quelle: fpr: Frank Peter
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„Nur Vaddi ist günstiger“, „It’s all about Muddivation“, „Hart, Härter, Holstenbrücke“. An Tischen, Tresen und auf den T-Shirts der Aktivisten rund um den 280 Quadratmeter großen Stand auf der Holstenbrücke kleben Sticker im Design des Discounters „Penny“. Das abgewandelte Logo, das in der ganzen Stadt für den ersten großen „Muddi Markt“ der Kieler Woche wirbt, ist für viele Besucher zum Symbol für nachhaltiges Feiern geworden.

 Abends Discjockeys, Breakdancer und Livemusik, tagsüber Workshops und Diskussionsforen. Alles politisch korrekt und nachhaltig. Am Spültisch motivieren Aktivisten die Partygäste zur Pfandspende für das Hilfsprojekt „Viva con Agua“, das Bier ist nach ökologischen Standards gebraut, der Kaffee fair gehandelt, der Umgangston lässig, die Atmosphäre quirlig. Der „Muddi Markt“ hat sich in den vergangenen Tagen unter den Besuchern der Kieler Woche einen Namen gemacht. Die Mischung des Konzeptes besteht aus Partystimmung und Themen, die die Gesellschaft herausfordern.

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 Bisher sind es vor allem Mitmach-Aktionen wie ein „Limonaden-Selbstmach-Workshop“ gewesen, die Besucher nachmittags an den Stand lockten. Diskussionen oder Filmvorführungen im Zirkuszelt „Muddis Manege“ hatten es dagegen schwerer. Schließlich ging es oft stundenlang um tiefgreifende Probleme wie Ernährung, Bildung oder Konsumverhalten. Das setzte Konzentration und pünktliches Erscheinen voraus.

 An diesem Nachmittag haben sich Eiken Prinz, Matthias Eberspächer und Joschka Weidemann vom Projekt „Bügelbüdel“ mit einem Bügelbrett und einem bunten Haufen Plastikmüll auf dem „Muddi Markt“ gestellt. Gemeinsam mit den Passanten schneiden, bügeln und kleben sie Fetzen aus alten Einkaufstüten zusammen. Aus dem verschmolzenen Plastikmüll entstehen individuelle Taschen, Schutzhüllen für Mobiltelefone oder Schlüsselanhänger. Seit einem halben Jahr gibt es die Kieler Studenteninitiative schon. Wesentlich länger braucht eine Plastiktüte, bis sie sich zersetzt hat. „Hunderte Jahre“, sagt Matthias Eberspächer, der sich auf dem „Muddi Markt“ als Matze vorstellt und den Besuchern erklärt, was die Aktion „Bügelbrett statt Mülltonne“ soll.

 Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und Herrschaften im besten Alter bleiben stehen, drehen ihre Köpfe. Anfängliche Skepsis in ihren Gesichtern weicht neugierigen Blicken. Die siebenjährige Hannah Ipsen greift zu Schere und Bügeleisen. Nach etwa 20 Minuten ist sie stolz auf ihren ersten selbst gebastelten Schlüsselanhänger. Auch heute steht Eigeninitiative auf dem Programm des „Muddi Marktes“. Für die Tanzmusik müssen die Besucher kräftig in die Pedale treten und Strom produzieren. Nur wenn einige strampeln, können viele feiern.

 „Wir haben sehr viel positive Resonanz auf den Muddi Markt bekommen“, sagt Organisator Lasse Kroll. „Auch von den Veranstaltern der Kieler Woche.“ Er schätzt, dass er und seine Mitstreiter bis zum Sonntag kostendeckend aus dem Projekt herauskommen. Vorausgesetzt, das Wetter spiele einigermaßen mit und die Besucher greifen reichlich zum Bio-Bier.

 Bereits im Herbst sollen die Planungen für den nächsten „Muddi Markt“ im kommenden Jahr beginnen. „Wir wollen versuchen, beim nächsten Mal noch mehr lokale Initiativen und Musiker aus den Kieler Klubs mit ins Boot zu holen“, kündigt Lasse Kroll an. „Das Ganze hat noch viel Potenzial.“