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Kiel Darum sind die Gebühren in Kiel höher
Kiel Darum sind die Gebühren in Kiel höher
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06:00 10.07.2019
Von Karen Schwenke
Ein Vierpersonenhaushalt zahlt für die 14-tägige Abholung einer üblichen Menge von Rest-, Bio- und Papiermüll pro Jahr in Flensburg 130,20 Euro, in Lübeck 209,40 Euro und in Kiel 246,60 Euro. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Bundesweit klaffen die Abfallgebühren sogar noch weiter auseinander. Im Vergleich von hundert Städten unterscheiden sie sich teils um mehr als 600 Euro, wie eine Studie des Forschungsunternehmens IW Consult ergab. Demnach hat Flensburg bundesweit die niedrigsten Preise, Lübeck liegt auf Platz 16, Kiel auf Platz 34.

ABK Kiel: Kein realistisches Bild

„Unabhängig davon, wo wir im Ranking stehen: Die Leistung, die wir erbringen, ist den Preis wert, den die Haushalte bezahlen“, verteidigte der kommissarische Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Kiel (ABK), Christian Schmitt, die Müllgebühren in Kiel. Wie der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU), moniert auch er, dass die Vergleichsstudie kein realistisches Bild abgebe, weil nicht alle Faktoren der Preisbildung miteinbezogen würden.

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Dennoch bestätigen alle drei Müllentsorgungsbetriebe in Kiel, Lübeck und Flensburg die Preise, die dem Ranking zugrunde liegen. Demnach zahlt ein Vierpersonenhaushalt für die 14-tägige Abholung einer üblichen Menge von Rest-, Bio- und Papiermüll pro Jahr in Flensburg 130,20 Euro, in Lübeck 209,40 Euro und in Kiel 246,60 Euro.

Kiel rutscht auf Platz 34 ab

In der Rangliste der Studie, die vom Eigentümerverband Haus und Grund in Auftrag gegeben worden ist, rutschte Kiel von Platz 23 im Jahr 2016 auf Platz 34 ab. Hintergrund ist die Erhöhung der Müllgebühren in der Landeshauptstadt von mehr als zehn Prozent im November 2018. „Die Stadt Kiel kann und sollte dafür Sorge tragen, dass Wohnen in Kiel bezahlbar bleibt“, kommentiert Sönke Bergemann, Geschäftsführer Haus & Grund Kiel, das Ergebnis. Durch geringere Müllgebühren könne Kiel zu spürbar niedrigeren Wohnkosten beitragen.

Auf die Frage, warum Kiel im norddeutschen Vergleich so teuer ist, findet ABK-Werkleiter Schmitt nicht sofort eine Antwort. „Es liegt nicht daran, dass wir schlechter wirtschaften. Bei uns gibt es auch keine Tantieme oder goldene Lenkräder, wir dürfen nämlich gar keine Gewinne erzielen, sondern müssen Gebührenüberschüsse zurückerstatten.“ Schmitt verweist auf die politischen Rahmenbedingungen, unter denen der Abfallwirtschaftsbetrieb als städtisches Amt und damit als Teil der Stadtverwaltung arbeitet.

Gebührenzahler in Lübeck können entlastet werden

„Wir haben hohe Entsorgungskosten“, sagt Schmitt. Anders als der Betrieb in Lübeck habe der ABK keine eigene Müllentsorgung, sondern müsse diese an Fremdfirmen vergeben. Man sei verpflichtet dazu beizutragen, dass die Müllverbrennung Kiel (MVK), an der die Stadt Kiel (51 Prozent) und das Entsorgungsunternehmen Remondis (49 Prozent) beteiligt sind, ausgelastet sei und müsse für jede Tonne abgelieferten Müll zahlen. Manfred Rehberg, Leiter der Sparte Stadtreinigung der Lübecker Entsorgungsbetriebe, bestätigt: „Es ist in der Tat so, dass die Entsorgung in unserer eigenen Anlage preiswerter ist als bei den Kollegen in Kiel in der Drittanlage. Wir können Drittmengen annehmen und dadurch den Lübecker Gebührenzahler entlasten.“

Lesen Sie auch: Müllgebühren - Hohe Mathematik für die Kostenberechnung

Eine eigene Müllverbrennungsanlage ist aber nicht in jedem Fall der preiswerteste Weg, wie das Beispiel Flensburg zeigt. „Wir machen die Müllentsorgung nicht in Eigenregie, sondern haben Fremdfirmen, mit denen wir Verträge aushandeln. Dabei konnten wir sehr gute Preise erzielen“, sagt Geoffrey Warlies, Sprecher des Technischen Betriebszentrum Flensburg (TBZ). Derzeit werde der Flensburger Müll in der Anlage in Neumünster entsorgt – einen vorgeschriebenen Entsorgungspartner gebe es für die Flensburger nämlich nicht.

ABK Kiel hofft auf bessere Konditionen ab 2023

Der ABK ist hingegen verpflichtet, mit der Müllverbrennung in Kiel zusammenzuarbeiten. Aber Schmitt hofft, dass bessere Konditionen erzielt werden, wenn 2023 die Verträge mit der MVK auslaufen und neu verhandelt werden. Wenn sich die Preise dann deutlich senken ließen, wäre man mit der modernen Verbrennungsanlage in Kiel – auch wegen der kurzen Wege – ökonomisch und ökologisch gut aufgestellt.

Aus Schmitts Sicht gibt es aber noch eine weitere Stellschraube, um Kosten zu senken. Vorbild wäre auch hier Flensburg: Zum TBZ Flensburg gehören nicht nur die Müllabfuhr, sondern auch die Straßenreinigung, die Grünflächenpflege, Straßenunterhaltung, Tiefbau sowie die Stadtentwässerung mit Kanalinstandhaltung und einem Klärwerk. Schmitt schlägt vor, das Geschäftsfeld des ABK in Kiel zu vergrößern und einen Stadtpflegebetrieb zu gründen, der sich zusammensetzt aus dem Grünflächenamt und dem ABK. Der Vorteil wäre ein größerer Personalpool, mit dem man besser disponieren könne. Die Entscheidung liegt aber nicht bei ihm, sondern bei der Ratsversammlung.

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