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Kiel Schiet wird zu Wärme und Phosphor
Kiel Schiet wird zu Wärme und Phosphor
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12:00 08.05.2019
Von Heike Stüben
Frank Ehlers, Geschäftsführer Müllverbrennung Kiel, wartet gespannt auf den Scoping-Termin am 4. Juni: Dort wird festgelegt, welche Unterlagen das Unternehmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegen muss – ein Meilenstein im Genehmigungsverfahren. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Solch eine Dreier-Kombination wäre ein Novum in Deutschland. In dieser Woche werden die Fraktionen und der Hauptausschuss über das Verhandlungsverfahren informiert.

Kieler Anlage will Schlamm ab 2023 verbrennen

Die Kieler Anlage soll ab 2023 den entwässerten Klärschlamm aus Anlagen vor allem aus dem Norden und Osten Schleswig-Holsteins aufnehmen. Dazu sollen 32.000 Tonnen Trockensubstanz jährlich nach Kiel transportiert werden. Der restliche Klärschlamm aus dem Land könnte in Stapelfeld und in Hamburg verbrannt werden.

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Bei den Anwohnern der Kieler Müllverbrennung MVK haben die Pläne Befürchtungen über zusätzlichen Verkehr und eine starke Geruchsbelästigung entfacht. Deshalb hatte die Müllverbrennung Kiel bereits im vergangenen Herbst die Anwohner zu einem Informationstreffen eingeladen.

MVK hält zusätzliche Verkehrsbelastung für zumutbar

MVK-Geschäftsführer Frank Ehlers hält die zusätzliche Belastung für zumutbar – angesichts von 100 000 Autos, die täglich über den Theodor-Heuss-Ring fahren. „Heute fahren am Tag 100 Lkw auf unser Gelände. Durch die Klärschlammanlieferung kommen maximal 30 weitere und durch die Phosphor-Rückgewinnung noch einmal maximal 15 Fahrzeuge hinzu.“

Die Lkw mit dem Klärschlamm sollen rückwärts in die Abkipp-Halle fahren. Der entwässerte Klärschlamm wird dann bei geschlossenen Toren in die Grube gekippt. Weil es dabei stark stinkt, soll die Luft bei Unterdruck abgesaugt und in der Verbrennung genutzt werden.

Verbrennung sorgt für Fernwärme und Warmwasser

Der Klärschlamm selbst, so der Plan, wird in den Wirbelschichtofen transportiert und dort bei 900 Grad verbrannt. Die Anlage dafür soll im Kesselhaus entstehen – dort ist Platz, weil einer von drei Kesseln überflüssig ist. Aus der Asche, die beim Verbrennen entsteht, soll dann der Phosphor gelöst werden. „Wir gehen davon aus, dass wir mehr als 85 Prozent des enthaltenen Rohstoffs zurückgewinnen, und zwar – durch das Behandlungsverfahren – einen relativ reinen Phosphor“, sagt Ehlers. Ein Marktvorteil gegenüber importiertem Phosphor: Die Restvorkommen an Phosphatgestein, die es heute noch in wenigen Ländern gibt, sind oft mit Uran und Schwermetallen belastet. Gleichzeitig wird Phosphor immer begehrter – als Pflanzennährstoff ist er unersetzlich, aber auch für die Lebensmittelindustrie oder für den Korrosionsschutz ist er gefragt.

Die Energie aus der Klärschlammverbrennung soll zu Fernwärme und Warmwasser werden: Rund 3000 Haushalte sollen so CO2-neutral versorgt werden. Die Anlage ist deshalb auch Bestandteil des „Masterplans 100% Klimaschutz“ der Stadt. Das Restwasser aus dem Schlamm – rund 50 000 Kubikmeter – soll wieder in der Anlage eingesetzt werden. Auf diese Weise soll Frischwasser eingespart werden. 

Betreiber: Alle Grenzwerte werden unterschritten

Die Rauchgase, die bei der Verbrennung des Klärschlamms in Kiel entstehen, durchlaufen eine mehrstufige Reinigung. Das Ziel: Die gesetzlichen Grenzwerte so weit wie möglich zu unterschreiten – so wie jetzt schon bei der bestehenden Müllverbrennungsanlage. Dort sind die Emissionswerte größtenteils nur halb so hoch wie die gesetzlichen Grenzwerte. Das gereinigte Rauchgas aus der Klärschlammverbrennung wird dann über einen dritten Kamin an die Luft abgegeben. 

„Wir nutzen für die neue Verbrennungslinie die vorhandenen Gebäude, aber auch Einrichtungen wie unseren Leitstand, die Werkstätten und für die Phosphor-Rückgewinnung das Labor“, sagt Ehlers. Deshalb sei insgesamt nur eine kleine Erweiterung des Gebäudekomplexes notwendig: In Richtung Südwesten soll ein schmaler Anbau entstehen, außerdem ein Lagerplatz für die Phosphor-Rückgewinnung und für die Verbrennungslinie ein dritter Schornstein, direkt neben den beiden vorhandenen Kaminen und ebenfalls maximal 80 Meter hoch.

Und was bleibt am Ende übrig? Ein Filterkuchen von rund 12 000 Tonnen im Jahr. Eventuell kann er in der Zementindustrie verwertet werden. Sonst bleibt nur die Deponie.

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