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Kiel Blau, rappelvoll und mit Dinosauriern
Kiel Blau, rappelvoll und mit Dinosauriern
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16:48 01.09.2019
In der Kunsthalle gab es in dieser Museumsnacht sogar Gladiatorenkämpfe zu sehen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die Museumsnacht war blau: Das galt für den Nachthimmel und für die Handgelenke der Besucher. Wer dort ein blaues Bändchen vorzeigen konnte, durfte alle Angebote nutzen und dazu noch den ÖPNV zu Wasser und Land. Eine Chance, die sich viele Bürger nicht entgehen ließen. Denn auch diesmal gab es neue Überraschungen und Aktivitäten - dank vieler Helfer wie Dieter Kohtz, Dagmar Boden und Siegfried Jacobs.

Wer wie Julia Böttger und Kai Schlotfeldt mit der Fähre ans Ostufer kam ("Ein zusätzliches Erlebnis!") wurde am Anleger in alte Zeiten versetzt: Das Theatermuseum hatte eine Leinwand mit einer Szene aus der Operette „Wie einst im Mai“ von anno 1939 aufgebaut. Ein tolles Fotomotiv, das sich auch Julia Böttger und Kai Schlotfeldt nicht entgehen ließen.

Legionäre und Dinosaurier erleben

Im Gießereimuseum waren vor allem die Stände umlagert, an denen die Besucher selbst Kielfische und ihre Sternzeichen herstellen konnten. Die zehnjährige Jette schaffte es, eine Widder zu gießen. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Jana ging mit einem Skorpion nach Hause.

Ein Anziehungspunkt in dieser Blauen Nacht war natürlich auch der Mediendom. Dort gaben Mitglieder der Interessengemeinschaft Legio XXI Rapax Einblick in das Alltagsleben römischer Legionäre. Mal einen römischen Helm aufsetzen? „Der ist ja viel schwerer als mein Fahrradhelm“, stellte Keron Finn Kleinhert (13) fest.

Und das Computermuseum konnte sogar mit Dinosauriern aufwarten - zumindest derjenigen der  Spezies Computer. So konnte man auf eine Zeitreise gehen - von der  frühesten Computergeneration über sperrige Großrechner der 1960er- und 1970er-Jahre bis zum kompakten PC aus dem Jahr 2000.

Gasbeton und Heavy Metal

Währenddessen tobten sich auf dem anderen Seite der Förde Besucher vor allem künstlerisch aus: In der Alten MU entstanden Gemeinschaftswerke unter dem Motto „Gemeinsames Malen und Singen“. Im Atelierhaus im Anscharpark kreierten Kinder und Erwachsene fleißig mit Gips und Gasbeton ganz eigene Formen. Andere genossen in der warmen Abendsonne erst einmal ein kühles Getränk ...

Das Zoologische Museum konnte - neben interessanten Exponaten aus der Tierwelt -  auch kulinarisch mit Besonderheiten aufwarten: Es gab kandierte Heuschrecken und Mehlwürmer. "Viele fanden das lecker oder zumindest interessant. Es erinnerte sie leicht an Hähnchen", berichtete Verena Bock vom Museum. Sie selbst wollte die Insekten allerdings dann doch nicht probieren.

Im Maschinenmuseum gab es wieder „Heavy Metal“: Während die Kleinen in der Kinder Werkstatt „leises Licht“ bauten, bestaunten die Großen den laut knatternden Diesel-Viertaktmotor, den Museumsleiter Peter Horter nach einer theoretischen Einführung anwarf. Das stille Kontrastprogramm dazu bot das Astroteam Kiel mit einem exklusiven Blick ins All, aber auch der Flandernbunker mit seinen Ausstellungen zu den beiden Weltkriegen sorgte angesichts des bevorstehenden 80. Jahrestages des Beginns des zweiten Weltkrieges für Momente des Innehaltens.

In der Kunsthalle ging es auf den ersten Blick martialisch zu. In der Antikensammlung stellte die Gladiatorenschule Ludus Nemesis aus Hamburg Kämpfe aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus nach. Die Ausrüstungen waren Nachbildungen von Originalen, die in Pompeji gefunden wurden, berichtete Andre Tippner alias Gaius Antonius Maximus. "Wir wollen mit unseren Schaukämpfen vor allem mit alten Mythen aus Hollywood aufräumen. Gladiatoren waren nicht blutrünstige Mörder, sondern vor allem geschickte Strategen mit perfekter Technik und hoher Körperbeherrschung."

Christiane Zippel vom der Kunsthalle freute sich, dass auch die Mitmach-Aktionen wie der Collage-Workshop so viel Zuspruch fanden. "So können wir Menschen gewinnen, die bisher nicht in die Kunsthalle gekommen sind."   

Landtag wird überrannt

In der City leuchteten währenddessen schon unzählige bemalte Tütenlampen um die Wette - ein fast schon magisches Stimmungsbild. „Im Schlossgarten und im Klostergarten zaubern die Tütenlampen eine traumhafte Stimmung. Die Leute bleiben fasziniert stehen und genießen einfach die Atmosphäre", bestätigten Angelika Stargard und Pia Behnke vom Amt für Kultur und Weiterbildung der Stadt.

Beide waren schon nach den ersten Stunden der diesjährigen Museumsnacht äußerst zufrieden: „Die Stimmung ist überall bestens! Das wunderschöne Wetter spielt dabei natürlich auch eine Rolle." Der Landtag, der in diesem Jahr wie auch die Stadtbücherei das erste Mal dabei war, sei von Besuchern regelrecht überrannt worden. "Aber auch die anderen Einrichtungen sind proppenvoll, in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung waren bis kurz nach 20 Uhr schon 1000 Besucher“.

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Von Esther Marake und Thomas Eisenkrätzer Annette Göder

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