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Kiel Muss Werft die Reparatur bezahlen?
Kiel Muss Werft die Reparatur bezahlen?
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11:46 14.07.2012
Von Christian Hiersemenzel
Die "Gorch Fock" liegt derzeit im Dock der Bremerhavener Bredo-Werft. Quelle: Wolfhard Scheer
Kiel

„Die Kostensteigerung ist in jedem Fall ein Problem“, sagt der Kieler Abgeordnete Hans-Peter Bartels (SPD). Der gesamte Vorgang sei erklärungsbedürftig. „Aber war er auch eilbedürftig?“ Angesichts der hohen Kostensteigerung stellt sich ihm die Frage, ob die Reparatur der schweren Rostschäden nicht neu hätte ausgeschrieben werden müssen.

Der ostholsteinische Abgeordnete Ingo Gädechens (CDU) ärgert sich, dass „absolute Fachleute“ das Schiff bereits vor zwei Jahren nach einer Großinstandsetzung begutachtet hatten – auch damals lag das Schiff in Elsfleth an der Weser. „Ich hoffe sehr, dass die Werft alles richtig gemacht hat.“ Aus seiner Sicht müssten in jedem Fall Regressansprüche geprüft werden – das Bundeswehrbeschaffungsamt könnte sie gegen die Werft geltend machen. „In Elsfleth würde man sich dagegen natürlich wehren, und schlimmstenfalls gäbe es dann eine juristische Auseinandersetzung“, sagt Gädechens. Auch Bartels spricht davon, dass das Verteidigungsministerium genau prüfen muss, ob Elsfleth vor zwei Jahren schlecht gearbeitet hat. „Wie sonst kann es sein, dass solche Schäden so schnell wieder auftreten?“

Die Reparatur des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ wird erheblich teurer als geplant. War man ursprünglich von 500000 Euro und dann sehr schnell von zwei Millionen Euro ausgegangen, befürchten Fachleute der Marine, dass die Endabrechnung auf neun Millionen Euro steigen könnte. Inzwischen sprechen Bundestagsabgeordnete aus dem Norden über Regressforderungen gegen die Werft in Elsfleth.

Besonders harsche Vorwürfe kommen vom Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein. „Entweder hat man vor zwei Jahren nicht genau hingeschaut oder man wollte nicht. Beides ist schlimm“, sagt Geschäftsführer Reiner Kersten. Das Schiff sei „offenbar marode“ auf seine Reise um Kap Hoorn geschickt worden. „Ich glaube, dass man in Elsfleth schon 2010 auf große Schäden gestoßen ist, die Reparaturen aber zurückgestellt hat, um die Weltumseglung nicht zu gefährden.“ Ob Kersten damit meine, dass so bewusst Menschenleben gefährdet worden seien? „Das ist der Vorwurf, den die Marine bislang nicht widerlegen kann.“

Ein Marinesprecher weist dies als absurd zurück und spricht von Rufschädigung. „Wir haben davon ganz gewiss nichts gewusst. Der Bund der Steuerzahler äußert reine Vermutungen, wir aber arbeiten mit Fakten.“ Klaus Wiechmann, Vorstand der Elsflether Werft, reagiert verärgert. „Natürlich finde ich solche Vorwürfe nicht witzig. Wir prüfen, ob wir juristisch dagegen vorgehen.“

Unterdessen haben die Eltern der 2008 über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Sie wollen erzwingen, dass gegen den Ex-Kommandanten und den Arzt der „Gorch Fock“ wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.